Ohne Bücher kein schönes Leben

Drei der fünf Mitarbeiterinnen der Hörder Stadtbibliothek sind Katrin Grunberg, Sabine Bernard (Leiterin) und Silke Eckholt (v.l.).  Foto: Anja Cord
Drei der fünf Mitarbeiterinnen der Hörder Stadtbibliothek sind Katrin Grunberg, Sabine Bernard (Leiterin) und Silke Eckholt (v.l.). Foto: Anja Cord
Foto: Anja Cord

Hörde. Manche haben Eselsohren, ganz wenige sind mit Bleistift beschrieben, wurden vom Hund angeknabbert oder fielen beim Lesen einfach in die Badewanne. Sabine Bernard, Leiterin der Stadtbibliothek Hörde, kennt so gut wie jedes Malheur, das ihren Kunden mit geliehenen Büchern schon passiert ist.

Und sie trägt es mit Fassung, denn solche Pannen gehören zum Lese-Leben einfach dazu. „Bücher sind eben Gebrauchsgegenstände“. Die Bibliothek an der Hermannstraße, in der Sabine Bernard mit vier weiteren festangestellten Bibliotheksangestellten arbeitet, ist mit 35 000 Medien, 49 400 Besuchern und 128 335 Ausleihen im letzten Jahr die größte im Dortmunder Süden. Mit einer sehr treuen Kundschaft.

„Ohne Bücher hätte ich kein schönes Leben mehr“, sagt Irmgard Maciejewskei (82). Damit das weiterhin so bleibt, kommt sie alle zwei Wochen nach Hörde und leiht sich jedesmal exakt acht Bücher aus. Wie ihr geht es vielen Kunden: „Allein der Geruch nach Papier macht mich schon süchtig. Dann muss ich einfach lesen“, sagt ein älterer Herr, der dort gern in den Zeitungen stöbert.

Vampirromane und bei Kindern die Serie „Das magische Baumhaus“ sind derzeit die Renner. Gern gelesen wird auch Fachliteratur, an der Spitze stehen die Themen Pädagogik, Medizin und Kochen.Neue Bücher werden nach Leserwünschen und der Spiegel-Bestsellerliste hinzugekauft. Noch gibt es dafür Geld von der Stadt, was nicht selbstverständlich sei. „Denn Bibliotheken sind freiwillige städtische Einrichtungen“, weiß Sabine Bernard. Die Leiterin, seit 1994 Chefin der Hörder Bücherei, erinnert sich nicht gern an die drei Jahre, in denen für neue Medien überhaupt kein Geld floss.

Der Geruch von Papier kann süchtig machen

In solch einer Situation helfen Spenden. In dem Sparschwein auf der Theke verschwindet so mancher Euro, den die Leser geben. Und auch Bücher stammen manchmal aus der Privatsammlung der Leserschaft. Die werden, wie jedes Medium in der 1. Etage an der Hermannstraße 33, liebevoll gepflegt, was heutzutage nicht einfach ist. „Die Bucheinbände sind längst nicht mehr so robust, wie früher und auch die Seiten werden immer dünner“, klagt Bernard. Auch Hörkassetten oder VHS-Bänder sind deutlich robuster als DVD und CD. Alte Hörspiele für den Kassettenrekorder können etwa 240 Mal abgespielt werden. „Eine CD ist nach 30 Ausleihen oft schon so zerkratzt, dass wir sie aus dem Sortiment nehmen müssen“, ärgert sich Mitarbeiterin Silke Eckholt. Das Angebot an Musik-CD und Hörbüchern ist groß: 1630 von diesen Scheiben besitzt die Hörder Bücherei, jede wird jährlich etwa 13 Mal ausgeliehen.

Die Hörder Bücherei ist seit 1924 vor Ort. Von der Hörder Rathausstraße zog sie in das ehemalige Sparkassenhochhaus und von dort vor zehn Jahren zu ihrem heutigen Domizil. Ein Leser erinnert sich sogar noch, dass vor Jahrzehnten auch die Hoesch-Bibliothek mit in den Bestand einfloss. Und so ist es auch kein Wunder, dass ein Großteil der rund 2500 Stammkunden in Hörde ihren Bibliotheksausweis schon über 30 Jahre besitzen. Manche von ihnen tragen Woche für Woche Leihbücher und Kassetten nach Hause, soviel die Hände tragen können. Aber es gibt eine Grenze: „Bei 50 Medien ist Schluss, mehr geht nicht“, sagt Mitarbeiterin Katrin Grunberg.

Doch nicht alle Menschen, die es in die Bibliothek zieht, wollen Bücher ausleihen. Mutter und Tochter in der Kinder-Sitzecke sind zum Vorlesen gekommen. Die bunten Bilder, die die Mama der Kleinen im Buch zeigt, wecken auch das Interesse anderer Kinder. Und so wird aus dem spontanen Büchereibesuch auf einmal eine öffentliche Lesestunde – ganz ohne Ankündigung in der Stadtteil-Zeitung.

 
 

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