Nachbarn aus dem Widerstand

Regelmäßig wird vor der Gedenktafel an die Opfer des Naziterrors erinnert. Unser Bild zeigt Hans Semmler, Ulrich Steinmann und Ernst Söder (v.l.). Foto: Anja Cord
Regelmäßig wird vor der Gedenktafel an die Opfer des Naziterrors erinnert. Unser Bild zeigt Hans Semmler, Ulrich Steinmann und Ernst Söder (v.l.). Foto: Anja Cord
Foto: WR
Hombruch ehrt am Samstag Menschen, die den Nazis die Stirn boten und dafür ihr Leben lassen mussten.

Hombruch.  Friedrich Husemann, Hans Grüning, Wilhelm Oberhaus – ihre Namen stehen auf einer Gedenktafel vor der Hombrucher Bezirksverwaltung, wo am Samstag um 11 Uhr ein Kranz niedergelegt wird. Die drei von Nazis ermordeten Widerstandskämpfer stehen stellvertretend für viele Opfer. Einer, der heute an sie erinnern wird, ist Ernst Söder, Vorsitzender des „Fördervereins Steinwache – Internationales Rombergpark-Komitee“. Wir sprachen mit ihm.


Stadtteilzeitung: Herr Söder, wie steht es um das Erinnern an die Männer und Frauen des Widerstands?
Ernst Söder: In Dortmund ist das Thema viel präsenter als in anderen Städten. Wir können da nicht klagen. Im Stadtbezirk Hombruch etwa sind viele Schulen sehr aktiv.


Und tun was?
Fünf Schulen haben zuletzt den Schicksalen von Opfern der Karfreitagsmorde 1945 nachgespürt. Ihre Ausstellung mit Schautafeln zu 16 Widerstandskämpfern war an Karfreitag schon auf dem Weg zum Mahnmal Bittermark zu sehen. Sie soll nun erweitert werden und in Schulgebäuden gezeigt werden. Sehr aktiv sind auch unsere Jugendverbände. Das Thema Naziterror ist nicht vergessen.


Wie kam es zu dem regelmäßigen Gedenktermin Mitte Juli vor der Tafel in Hombruch?
Das geht auf Menschen zurück, die zum Teil noch mit den Widerstandskämpfern befreundet waren. Doch von ihnen ist nun keiner mehr dabei. Sie sind mittlerweile alle verstorben. Wir haben ihnen versprochen, die Erinnerung aufrechtzuerhalten.


Woran erinnern Sie sich noch?
Ich bin Jahrgang 1939, war also ein kleines Kind. Aber ich habe in Hombruch gelebt und war Nachbar eines Widerstandskämpfers. Das waren Menschen aus unserer direkten Umgebung. Mein Bruder hat immer mit dem Sohn von Karl Schwartz gespielt. Der war ein Bergmann, der den Nazis Widerstand leistete. Er wurde 1945 eines der Opfer der Karfreitagsmorde im Rombergpark und in der Bittermark. Eines von über 300.
Wer waren die Männer, deren Namen auf der Gedenktafel stehen?
Friedrich Husemann war Reichstagsabgeordneter und Vorsitzender des Bergarbeiterverbands. Wilhelm Oberhaus war Pfarrer in Hombruch. Hans Grüning war ein Jugendfunktionär der Kommunisten. Alle wurden von den Nazis hingerichtet.


Vor Jahren war es üblich, Abschlussklassen der Schulen mit dem Buch „Hombruch unterm Hakenkreuz“ zu beschenken. Warum gibt es diese Form der Erinnerungsarbeit nicht mehr?
Im Moment fehlt das Geld für eine Neuauflage des Buches. Aber wir arbeiten an der Finanzierung. Da hilft auch Bezirksbürgermeister Hans Semmler. Außerdem gibt es Restbestände, die in der Bezirksverwaltungsstelle erhältlich sind.

 
 

EURE FAVORITEN