Lehrer schufteten im Steinbruch

Der Schulmeistersteinbruch. Foto: Jochen Linz
Der Schulmeistersteinbruch. Foto: Jochen Linz
Foto: Linz/PiLi
Syburg.Viele Urlaubstage, ein gutes Gehalt und ein straffer Lehrplan – so sieht der Beruf des Lehrers heutzutage aus. Doch noch vor gut 100 Jahren sah das Dasein eines Paukers ganz anders aus. Da gab es noch ganz andere Sorgen als G8, Kopftuch-Debatte oder Burnout.

Syburg.. Viele Urlaubstage, ein gutes Gehalt und ein straffer Lehrplan – so sieht der Beruf des Lehrers heutzutage aus. Doch noch vor gut 100 Jahren sah das Dasein eines Paukers ganz anders aus. Da gab es noch ganz andere Sorgen als G8, Kopftuch-Debatte oder Burnout.

Mit rund 1000 Mark pro Jahr war das Leben eher ärmlich. Der Lohn war sogar niedriger als der eines Bergmanns. Und der verdiente schon wenig. Man kam also kaum durch das Jahr als Pauker. Zwar hatte man Anspruch auf eine Dienstwohnung. Den Wert dieser Wohnung mussten die Pädagogen sich jedoch noch auf ihr kärgliches Gehalt anrechnen lassen. In den ländlichen Gegenden, und dazu zählte Syburg, wurde ihnen auch ein großer Garten und ein Schweinestall zugebilligt. Um über die Runden zu kommen man gleichzeitig auch noch Landwirt.

Geringes Gehalt

Die finanziell gesehen sehr schlechte Situation führte noch zu weiteren Konsequenzen. Das erfährt man als Wanderer entlang des Bergbauwegs unterhalb der Syburg.

Sind zunächst fast nur Informationstafeln über die Geschichte des Bergbaus auszumachen, so stößt man plötzlich auf ein eher ungewöhnliches Schild. „Schulmeister-Steinbruch“ steht da geschrieben. Mussten die Lehrer, weil es gab ja noch keinen Beamtenschutz, dort zur Strafe malochen? Wie Sträflinge damals?

Fast richtig, aber nur fast. Denn die Pauker zog es eher freiwillig zum Steine brechen in den Wald unterhalb der Syburg.

Das beschreibt auch der Ortshistoriker Willi Kuhlmann, der vor acht Jahren gestorben ist, in seiner Festschrift zum 80. Geburtstag „Ein Leben für Syburg“. Da lautet der Titel eines Kapitels „Syburg -- Der Schulmeister-Steinbruch“.

Darin heißt es, dass die mächtigen, harten Sandsteinschichten, welche in Syburg und im angrenzenden Ortsteil Buchholz zu Tage treten, früher zur Gewinnung von Bruchsteinen gedient hätten.

Der Steinbruch am südlichen Steilhang des Sybergs sei ehemals Gemeindebesitz gewesen. „Die Lehrer der ehemaligen Volksschule Syburg konnten 1929, neben dem Sammeln von Lebensmitteln und der Benutzung einer Lehmgrube zum Ziegelbrennen, in diesem Steinbruch durch Bruchsteingewinnung und -verarbeitung ihr geringes Gehalt aufbessern“, schreibt Kuhlmann.

Bleibt man ein wenig stehen, lässt die Blicke schweifen. Und stellt sich die Pädagogen beim Steine kloppen vor, und zugegeben, dann schickt man per Phantasie auch all die unangenehmen Lehrer, die einem selber mal in der Schullaufbahn begegnet sind, in den Steinbruch hinein. Und die Mathe- und Physiklehrer dürfen Extraschichten kloppen, am Werktisch zum Steine behauen, der noch erkennbar ist. So wie einige halbfertige Steine, heute Grenzsteine.

Und Thilo Cramm vom Arbeitskreis Dortmund des Fördervereins Bergbauhistorischer Stätten Ruhrrevier e. V. ist es bis heute immer noch ein Rätsel, wie die Lehrer damals die schweren, behauenen Produkte aus Stein wegtransportiert haben. „Die Lehrer stellten dort Türrahmen oder -schwellen aus Stein her und verkauften diese. Vielleicht haben sich die Kunden die schweren Gegenstände auch selber abgeholt“, rätselt Cramm, der in Anlehnung an Kuhlmann die Info-Tafel unterhalb der Syburg geschaffen hat. Jedoch: „Ob da einer oder mehrere im Steinbruch gearbeitet haben, das ist nicht genau überliefert“. Es könne sogar sein, dass das Steine hauen der Lehrer ein rein syburgisches Phänomen gewesen sei, so der ehemalige Vorsitzende des Arbeitskreises Dortmund. „Das habe ich sonst von woanders her noch nicht gehört“.

Die Lehrer hätten aber wirklich wenig verdient, betont Cramm. „Ich weiß das, denn mein Vater war um 1920 auch Lehrer. Allerdings nicht in Dortmund, und der war nicht im Steinbruch.“ Als Bauern oder Holzsammler hätten sie viele was dazu verdient.

Mitte der 1930er Jahre habe sich die finanzielle Situation der Lehrer verbessert.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen