Immer mehr verlassen Fernwärme

Pellet-Heizung für Wohnanlage der Julius-Ewald-Schmitt GmBH am Vorläufer Weg, hier die Anlage von außen am Traddeweg
Pellet-Heizung für Wohnanlage der Julius-Ewald-Schmitt GmBH am Vorläufer Weg, hier die Anlage von außen am Traddeweg
Foto: beim Autor
In Schüren Ost beklagen sich viele Menschen über viel zu teure Heizkosten. Um die 200 Euro für Wohnungen um die 60 Quadratmeter sind kein Einzelfall, wenn die Kunden vom alten Fernwärmeheizwerk versorgt werden. Doch es geht auch anders: Mit Pellets oder einem neuen modernen Heizkrafrtwerk.

Schüren..  Heizkosten von rund 200 Euro für gut 60 Quadratmeter – das beklagen viele Menschen in Schüren Ost, die vom alten Fernwärmekraftwerk versorgt werden. Doch es geht auch anders: Rund 25 Euro für gut 70 Quadratmeter – das veranschlagt die Domizil GmbH für ihre Wohnungen am Vorläufer- und Traddeweg. Möglich macht es, so Geschäftsführer Christian Schmitt, eine neue hochmoderne Pellet-Heizung.

Damit hat sich die Gesellschaft endgültig von der teuren RWE-Fernwärme in Schüren Ost unabhängig gemacht. Grund: Die Kosten für die Mieter explodierten, sagt Schmitt, „Wärme war schließlich so teuer, da hätten die Leute auch mit dem Fön heizen können“.

Im Jahr 2002 wollte die Julius-Ewald-Schmitt GbR erstmals Abhilfe schaffen, die Häuser bekamen eine Wärmedämmung. Die Heizkosten halbierten sich – aber schon 2009 waren sie wieder auf dem alten Stand, begründet Schmitt seinen Abschied von der Fernwärme.

Jetzt steht am Traddeweg ein Bau in der Größe einer Doppelgarage mit angebautem Silo für den Brennstoff – Holzpellets. Von hier werden die Wohnungen mit Wärme versorgt – für 37 Cent pro Quadratmeter. Trotz einer Mieterhöhung für diese Investition sparen die Bewohner vom ersten Tag an, sagt Schmitt. Überhaupt: Seit langem schon war seiner Firma die Preispolitik um die Fernwärme zu undurchsichtig. Schon in den 1980er Jahren prozessierte man um Einsicht in die Kostengestaltung – doch vergeblich.

Aber nicht nur die Domizil GmbH hat der alten Fernwärme den Rücken gekehrt. Auch der Spar- und Bauverein stellte gemeinsam mit DEW21 ein eigenes Heizkraftwerk für seine 308 Wohnungen hin und versorgt damit zusätzlich die Friedrich-Ebert-Grundschule.

Auch dabei sollen die Mieter sparen. „Ein modernes Werk mit moderner Regeltechnik für ganz individuellen Wärmeverbrauch macht das möglich“, sagt Gabi Dobovisek von DEW21. Davon aber werden nur Spar- und Bau-Mieter profitieren, denn die Kapazität des neuen Heizwerks lässt keine weiteren Anschlüsse zu. Da es durch RWE ein bestehendes Versorgungsnetz gebe, könne DEW immer nur dann zusätzliche Lösungen erstellen, wenn die wirtschaftlich seien. Individuallösungen ließen sich nicht rechnen – es sei denn, Eigentümer schlössen sich für eine rentable Lösung zusammen.

Wärmekosten von 77 Euro für eine Durchschnittswohnung (65 qm) in Schüren – darauf beharrt RWE mit der Fernwärme bis heute. Betroffene langjährige Mieter mit Abrechnungen um die 200 Euro halten das noch immer für eine „Lachnummer“.

Doch das könnte ihnen vergehen: Die „deutlich höheren Wärmekosten könnten sich dadurch erklären lassen, dass es ab dem 1. Juni 2012 für Fernwärmekunden in Schüren neue Verträge mit niedrigeren Preisen gibt. Die höheren Preise basieren ggf. noch auf alten Verträgen aus der Zeit vor dem 31.05. 2012“, erklärt RWE.

Davon wissen die treuen Kunden aber nichts. Für einige ist die Zeit der überteuerten warmen Stube vielleicht bald vorbei: Eine weitere Wohnungsgesellschaft verhandelt gerade mit DEW21. Genau da sieht Bezirksbürgermeister Sascha Mader Aufklärungsbedarf: „Wie geht es weiter, wenn immer mehr Kunden abspringen?“

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