Hans-Joachim Watzke zu Gast im Augustinum

Einen tiefen Einblick in die Welt von Borussia Dortmund gab BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bei seinem Besuch im Augustinum in Lücklemberg. Der jüngste schwarzgelbe Triumph gegen Malaga kam natürlich nicht zu kurz.

Lücklemberg. Freitagmittag musste Hans-Joachim Watzke schon wieder in Genf sein, um an der Auslosung des Champions-League-Halbfinales teilzunehmen. Am Vorabend nahm sich der der BVB-Geschäftsführer aber noch eine Stunde Zeit und war der erste Gesprächspartner in der neuen Reihe "Dortmunder Köpfe" im Augustinum.

Der Malaga-Triumph am Dienstag und der Einzug in das Halbfinale der Königsklasse sorgten natürlich auch bei dem rund einstündigen Interview, dass Karl-Heinz Sternkopf, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Dortmund, mit Watzke führte, für viel Gesprächsstoff. Die Begeisterung über den dramatischen Sieg in letzter Sekunde war noch zu spüren.

Anruf von Klopp
Trainer Jürgen Klopp, so Watzke, habe ihn am Donnerstag angerufen und gesagt: "Hör dir mal die letzten vier Minuten im Net-Radio an." Als er den Kommentar des BVB-Internetradios gehört habe, habe er Gänsehaut bekommen und ihm seien die Tränen die Wangen hinunter gelaufen. Das Malaga-Spiel werde, da ist sich Watzke sicher, genauso legendär wie das Benfica-Lissabon-Spiel im Jahr 1963. Damals gewann der BVB mit 5:0 im Stadion Rote Erde.

Erfolgsgeschichte
Watzkes ganz eigene Erfolgsgeschichte ist aber die wirtschaftliche Sanierung des BVB. 2005 übernahm der Unternehmer aus dem Sauerland die Geschäftsführung eines mit fast 200 Millionen Euro verschuldeten Bundesligavereins. Watzke bewahrte den BVB vor der Insolvenz. Heute fährt der Verein jedes Jahr Millionengewinne ein. Die enorme Bewunderung für Watzkes grandiose Leistung war in jeder Sekunde im proppenvollen Saal im Augustinum zu spüren. Sternkopf bezeichnete Watzke als "Retter der Borussia".
Verheerende Einkäufe
Die Schuld für die damalige Finanzmisere sieht Watzke in den verheerenden Spielereinkäufen. Zum Beispiel Marcio Amoroso, der sei für 56 Millionen Mark eingekauft worden; zwei Jahre später habe er den Verein ablösefrei verlassen. Er verfolge heute eine andere Finanz- und Transferpolitik, sagte Watzke. Die zeichne sich durch "Kreativität und harte Arbeit" und die Vermeidung von Schulden aus. "Es war aber nicht alles schlecht, was meine Vorgänger gemacht haben", sagte Watzke. Der Stadionausbau beispielsweise sei richtig gewesen, habe nur zu einem falschen Zeitpunkt stattgefunden.
Es gehört eben auch Glück dazu, wenn man einen Fußballverein übernimmt. Watzke: "Hätte ich die Borussia zur Zeit der Finanzkrise übernommen, dann würden wir heute nicht gegen Malaga spielen, sondern in der Kreisliga."

In der Veranstaltungsreihe "Dortmunder Köpfe"stehen Persönlichkeiten aus der Dortmunder Kultur und Wirtschaft dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Dortmundr Sparkasse, Karlheinz Sternkopf, Rede und Antwort.Der nächste Gesprächspartner ist Stefan Schreiber, Geschäftsführer der IHK. Er ist am 3. Juni ab 18 Uhr im Augustinum zu Gast.

Von Thilo Kortmann