Gefahren erkennen und "Nein" sagen

Während Sie diese Zeilen lesen, passiert es: Ein Kind wird in einem Internet-Chat mit pädophilen Absichten angesprochen, auf der Straße wird ein Mädchen von einem Erwachsenen bedrängt, in einer Familie wird ein Junge unangemessen berührt. Die Gefahren für Kindesmissbrauch lauern im Alltag.

Wichlinghofen... An der Wichlinghofer Grundschule haben Kinder (und Eltern) gelernt, wie sie sich schützen können. Der ehemalige Polizist Ralf Schmitz ist mit seiner Initiative "Sicher-stark" in die Schule gekommen, um aufzuklären.

Über Situationen, die nicht richtig sind. Über Situationen, in denen Kinder "Nein" sagen dürfen, manchmal sogar müssen. "Wir wollen keine Ängste schüren. Aber wir stellen die Situationen nach, die gefährlich sein können", sagt Schmitz.

Viele Kinder kennen kritische Situationen

Denn die Situationen, das wird während dieses Vormittages in Wichlinghofen deutlich, kennen die meisten Kinder. Es ist meistens nicht der Extremfall, aber es reicht, um bedenklich zu sein. Ob es die Bekannte der Großmutter ist, die mit den Worten "Hallo, mein Süßer" ungefragt feuchte Küsse verteilt. Oder sogar die eigene Familie, in der es zu Berührungen kommt, die mit vier Jahren noch in Ordnung waren, mit acht aber unangenehm sind.

"Euer Körper gehört euch. Sagt nein, wenn euch etwas zu eng wird", teilt Schmitz den Kindern mit, diesmal mit heller Puppenstimme. Denn gerade bei Grundschülern kommt es auf die Art der Vermittlung an. Die Handpuppen Felix und Lara gehen deshalb in den Dialog mit der Klasse 2a, zu dem Besuch von "Sicher-stark" gehören auch
Bewegungsspiele in der Turnhalle. Und eben die wirklich heiklen Situationen.

Rollenspiele zeigen Risiken

Die Klasse sammelt sich auf dem Schulhof, als plötzlich eine ältere Frau um die Ecke biegt und nach ihren Tieren ruft. Unter dem Kostüm mit langem Mantel, Oma-Hut und Regenschirm steckt deutlich sichtbar "Sicher-stark"-Mitarbeiter Wolfgang Overkamp, die Kinder treffen dennoch eine reale Entscheidung. Gehen sie mit und helfen der "Dame"? Oder lehnen sie ab? Die drei Jungen gehen mit, bleiben aber dort, wo sie für andere sichtbar sind. Eine gute Lösung.

Das Rollenspiel wird noch gesteigert. Ralf Schmitz braust mit schmuddeliger Baseball-Kappe in seinem alten Kombi über die Vinklöther Mark und bremst vor dem Schulgebäude. Aus dem Fenster spricht er die Schüler an.
Eine Horror-Situation für Eltern, für die Kinder nicht häufig genug sensibilisiert werden können."Es gibt viele Möglichkeiten Kinder zu schützen", sagt Schmitz. Eltern und Schulen müssen sie nur wahrnehmen.

Von Felix Guth