Fruchtbare und blühende Integration

Horst-Dieter Czembor
Tesfaye Jaleta kam aus Abessinien nach Dortmund und hat einen Garten in Löttringhausen
Tesfaye Jaleta kam aus Abessinien nach Dortmund und hat einen Garten in Löttringhausen
Foto: WR
Fast 20 Prozent der Kleingärtner haben ihre Wurzeln außerhalb Deutschlands. „Wir praktizieren Integration“, sagt der Vorsitzende Manfred Damm.

Löttringhausen.  „Alle reden von Integration, wir praktizieren sie“, versichern Manfred Damm und Horst Köhler vom Gartenverein Löttringhausen.

Der Vorsitzende und der Schriftführer der 107 Einzelgärten umfassenden Gemeinschaft zwischen der Löttringhauser und der Schneiderstraße können das auch beweisen: Fast ein Fünftel der Gartenschollen wird von Hobby-Gärtnern bewirtschaftet, deren Wurzeln außerhalb der Bundesrepublik Deutschland liegen. Sie stammen aus der Türkei, aus Polen und Russland, aus Serbien, dem Kosovo, aus Irland und aus Großbritannien. Sogar vom afrikanischen Kontinent kommt einer der Kleingärtner: Tesfaye Jaleta kam vor 39 Jahren aus Abessinien, dem heutigen Äthiopien, in die Westfalenmetropole und verdiente als Maschinenbauingenieur bei „Karl Hoesch“ seine Brötchen verdiente.

Urwald wurde zu einem Paradies

„Er übernahm vor einem Jahr bei uns einen völlig verwilderten Garten und machte aus dem Urwald ein richtiges Paradies“, freut sich Manfred Damm. Er ist sicher, dass die zur Zeit freien zwei Gärten bald wieder vergeben sind. „Vor vier Jahren gab es in Löttringhausen noch eine Warteliste bis zu fünf Jahren“, wirft Horst Köhler ein. Von den Gärtnern, die im Juni 1976 auf über 60 000 m2 den Verein aus der Taufe hoben, sind über 30 noch heute dabei. Deswegen beträgt das Durchschnittsalter auch über 58 Jahre, der „Vorstandsdurchschnitt“ liegt noch höher.

Toleranz demonstrieren

Als „Neugärtner“ sind in der idyllisch gelegenen Anlage mit großzügigen Grünflächen, die fast ein Drittel des Gesamtgrundstücks ausmachen, vor allem junge Familien mit Kindern willkommen.

Wegen der bunten Nationalitätenmischung der Mitglieder hatte der Verein zu Beginn des Sommers zum großen Kinder- und Sommerfest unter dem Motto „Vom Mittelmeer zum Grotenbach“ eingeladen, wobei der Begriff „Mittelmeer“ sehr großzügig ausgelegt werden musste, der er sollte das Anliegen „Von der Immigration zur Integration“ symbolisieren. „Die angebotenen internationalen Spezialitäten taten ihr Übriges dazu“, schmunzelt Horst Köhler.

„Mit der geänderten Zusammensetzung unserer Mitglieder wollen wir Toleranz und Akzeptanz demonstrieren und uns öffentlich gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit bekennen“, versichert der Gartenvereinsvorstand. Denn neben der gärtnerischen Betätigung aller stehen in Löttringhausen auch Gemeinschaftsstunden auf dem Gartenplan, die ein Näherkommen im Sinne von Integration fördern.

Ärger durch „Nunkis“

Seit vergangenem Monat ist der Verein auch im Internet präsent. Unter „www.gartenverein-loettringhausen.de“ können Interessenten alles Aktuelle über den Verein nachlesen.

Großen Ärger bereiten dem Verein seit einiger Zeit „Nunkis“ (Nacht-und-Nebel-Kipper), die im Schutze der Dunkelheit Abfälle und Schrott, von alten Autoreifen bis hin zu defekten Kühlschränken, auf dem Randstreifen des Vereinsparkplatzes abladen.