Erinnern an eine schreckliche Zeit

Der Holocaust-Überlebende Josef Aron war Gast in der Johann-Gutenberg-Realschule. Foto: Kevin Schrief
Der Holocaust-Überlebende Josef Aron war Gast in der Johann-Gutenberg-Realschule. Foto: Kevin Schrief
Foto: beim Autor

Wellinghofen.. Die Schüler der Johann-Gutenberg-Realschule haben Geschichtsunterricht zum Anfassen. Nach einer Fahrt nach Auschwitz und einer selbst organisierten Gedenkveranstaltung anlässlich der Pogromnacht konnten sie ein Holocaust-Opfer über seine Erlebnisse befragen.

Josef Aron sitzt an einem Tisch vor ungefähr 30 Jugendlichen und jeder kann sehen, wie viel Kraft es den 75-Jährigen kostet, über seine Erlebnisse im Konzentrationslager Bergen-Belsen zu sprechen. Trotz der Anstrengung beantwortet er alle Fragen der Mädchen und Jungen. „Es gibt mir Kraft, mein Wissen weiterzugeben“, erklärt der gebürtige Frankfurter.

Kennen gelernt haben sich die Schüler und Josef Aron im April in Auschwitz. Dort verabschiedete sich der Zeitzeuge der Judenverfolgung von seiner Mutter und seinen neun Geschwistern, die in den Gaskammern getötet wurden. „Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Mama und meine Brüder und Schwestern an den Händen gehalten haben, bevor sie gestorben sind“, mutmaßt Aron. Vielen Zuhörern treten bei den Ausführungen des schmalen Mannes Tränen in die Augen.

„Josef hat uns in Auschwitz so beeindruckt, dass wir ihn nach Dortmund eingeladen haben“, erzählt Maximilian Goeritz. Da Oberbürgermeister Ullrich Sierau den Flug von Israel nach Dortmund übernommen hat, konnten die Schüler nun eine Woche mit Josef Aron verbringen, ihm die Stadt zeigen und vor allem die Fragen loswerden, die ihnen schon seit dem Besuch in Auschwitz unter den Nägeln brennen.

Viele zeigen sich beeindruckt, dass Aron trotz seiner schrecklichen Erinnerungen nach Deutschland gekommen ist und so offen mit ihnen spricht. „Ich könnte das nicht“, staunt Maximilian Goeritz. Auch die Achtklässlerin Angeline Henschel schätzt den lebendigen Geschichtsunterricht: „Normalerweise liest man immer nur in Büchern, was während der Nazi-Zeit passiert ist. Wenn man das allerdings von jemandem hört, der das miterlebt hat, kann man die Geschichte viel besser verstehen.“

Allerdings nimmt die 14-Jährige nicht nur mehr Wissen, sondern auch eine andere Lebenseinstellung von den Treffen mit Josef Aron mit nach Hause. „Ich bin jetzt viel dankbarer dafür, dass ich meine Eltern habe. Die Kinder in den Konzentrationslagern haben ihre Mütter und Väter meist schon früh verloren.“

Die intensiven Gespräche mit dem 75-Jährigen werden den Jugendlichen wohl noch lange im Gedächtnis bleiben. Damit Josef Aron sie nicht vergisst, überreichen die Schüler ihm ein Album mit Fotos von den gemeinsamen Unternehmungen. Davon ist er so überrascht, dass ihm die Worte fehlen. Ein paar Augenblicke später berichtet er trotzdem unermüdlich weiter, was ihm im Konzentrationslager widerfahren ist. „Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug davon erzählen“, sagt Aron, der nun an einem Buch arbeitet, in dem er seine Lebensgeschichte beschreibt.

 
 

EURE FAVORITEN