Dolf Mohr — der Robin Hood vom Höchsten

Grabstein Räuber Dolf Mohr
Grabstein Räuber Dolf Mohr
Foto: Susanne Meyer

Höchsten/Sommerberg.. Vor 160 Jahren wurde er auf der Flucht von einem Gendarmen erschossen, doch die Menschen im Süden erzählen heute noch von seinen spektakulären Beutezügen. Das, was er bei reichen Bauern und Gutsherren stahl, soll er den Armen geschenkt haben.

Katja Müller und Helmut Lierhaus von der Geschichtswerkstatt Dortmund haben im Jahr 1984 ein Buch über den legendären „Räuberhauptmann“ und seine rund achtköpfige Bande unter dem Titel „Ein Räuberleben in der 48er Revolution“ geschrieben, das damals auf großes Interesse stieß. Leider ist es heute vergriffen, die Hobby-Historiker planen schon lange eine Neuauflage.

Die pure Not brachte damals viele Menschen auf die schiefe Bahn. Nach den Missernten in den nassen und kalten Sommermonaten der Jahre 1842 bis 1846 kam es in ganz Deutschland zu Unruhen. In ihrer Verzweiflung stürmten die Hungernden Bäckerläden und Vorratshäuser. Auch im Dortmunder Süden mangelte es an allem. Die Kartoffeln verfaulten schon im Boden, das Korn verschimmelte in den Scheunen. Arme Bauern mussten ihre letzte Kuh für Lebensmittel abgeben, um die Steuern bezahlen zu können.


Wie die Familie vom Sommerberg, bei der der Steuereintreiber auch noch die Ernte vom Heuschober mitnimmt. Doch auf dem Schwerter Kirchweg überfällt DolfMohr den Beamten, raubt die Kuh und bringt sie dem Bauern zurück. Diese Geschichte haben die Autoren von den Nachkommen ehemaliger Nachbarn erfahren, bei dem sie seit Generationen weitererzählt wird. Auch einem Mädchen hilft der Räuber, das seine Pfennige fürs Brot verloren hat. Und die geklauten Kartoffeln bringt er nicht nur seiner Frau und seinen fünf Kindern an die Höchstener Straße 39, sondern verteilt sie auch in der Nachbarschaft.

Die Menschen bedanken sich bei ihrem Gönner auf ihre Weise.Zehn Taler Belohnung ausgesetztAls Mohr am Tag nach einem Kartoffeldiebstahl gefasst und ins Gefängnis geworfen wird, sagt ein Kumpel für ihn aus. Sie hätten am Abend zuvor im Haus des Bergmanns Schöne gezecht, beteuert Tagelöhner Herzog – und Mohr wird freigesprochen.Dass der „Robin Hood vom


Höchsten“ tatsächlich gelebt hat, haben die Autoren bei ihrer Recherche erfahren. Zu vielen Erzählungen fanden sie entsprechende Zeitungsartikel in den Archiven oder Bekanntmachungen. Eine arme Frau vom Sommerberg fand beispielsweise auf ihrer Wäscheleine plötzlich wunderschöne feine Tücher, weiß ein Nachbar vom Höchsten von seiner Großmutter.

Die stammten wohl aus dem Laden von Heinrich Wilhelm Kollmann in Hörde, denn eine entsprechende Zeitungsnotiz , die auf den Diebstahl von „350 Ellen Sommerzeuge“ und andere Waren hinwies, erschien am 30. Mai 1848. „Das kann nur DolfMohr gewesen sein“, war sich die Großmutter sicher.Der Räuber und seine Bande werden zwei Jahre später verhaftet, doch dem Mohr gelingt im Juli 1850 die Flucht.


Am 4. November 1850 setzt die Staatswaltschaft eine Belohnung von 10 Talern auf seine Ergreifung aus und veröffentlicht einen Steckbrief: „Derselbe ist Fuhrmann, katholischer Confession, 35 Jahre alt, 5 Fuß 7 Zoll groß, hat schwarze Haare, einen schwarzen Bart, ein volles Gesicht“. Der Dortmunder Künstler Joe Sontowski malte für das Buch nach dem Steckbrief ein Porträt von Mohr.

Doch der Räuber kann sich lange verbergen. Aber 4. März 1851, gerade einmal 36 Jahre alt, wird er auf der Flucht an der Ecke Obermark-/Höchstener Straße vom Gendarmen Mönkebüscher erschossen. Die Autoren haben Mohrs Lebensweg ausführlich nachgezeichnet – vieles davon sogar in Dortmunder Platt, wie es damals auf dem Höchsten gesprochen wurde.

 
 

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