Die Wut steigt in Hacheney

Die Verkehrssituation in Hacheney: Ein Bus laviert zwischen geparkten Autos durch.
Die Verkehrssituation in Hacheney: Ein Bus laviert zwischen geparkten Autos durch.
Auf einer Bürgerversammlung machten sich Anwohner der Glückaufsegenstraße, die zur Flüchtlingseinrichtung führt, ihrem heftigen Unmut Luft.

Hacheney. Wenn es in Dortmund so etwas wie begründetes Wutbürgertum gibt, dann wohnt es in Hacheney. Bei einer Bürgerversammlung in der Gaststätte „Im Justenkamp“ prallten die Positionen der geprüften Anwohner der Flüchtlingseinrichtung und die der Stadt heftig und man darf sagen: fast unversöhnlich aufeinander. Ihrer unerfüllbaren Forderung „Zumachen!“ stand das zaghafte Eingeständnis der Stadt gegenüber, die Zahl der Flüchtlinge, die derzeit untergebracht werden, unterschätzt zu haben. Doch der Reihe nach.

Was Markus Pfefferkuch, Sprecher der Bürgerinitiative Hacheney, am Montagabend im Saal der Gaststätte per Powerpoint und Beamer an die Wand projizierte, war durchdacht und vor allen Dingen beeindruckend. Haarsträubende Bilder von türkisfarbenen Bussen, die sich millimetergenau durch die schmale Straße lavieren, Autos mit ausländischen Kennzeichen, die ihre menschliche Last auf die Straße entlassen, Alkoholgenuss vor der EAE, 80 Polizeieinsätze im Heim seit April 2011, urinierende Männer vor Büschen, verkotete Vorgärten. Hier, das war jedem Besucher klar, möchte man als Anwohner nicht leben. So nicht.

Als Hurenbock beschimpft

„Wir haben überlegt, diese Bilder nicht zu zeigen. Aber sonst glaubt uns ja niemand“, begründete Pfefferkuch die Fotos. „Hier wird, entschuldigen Sie die Wortwahl, in die Hecken und unter die Balkone geschissen. In unseren Gärten werden Reste von Babynahrung, Windeln, Kleidung, Koffer und Flaschen geworfen. Das sind keine tragbaren Zustände.“ Was die Anlieger erst recht auf den Baum treibt, ist die Ohnmacht, das Eingeständnis nichts erreichen zu können, weil die Stadt ihre Beschwerden nicht ernst nimmt. „Die Stadt macht, was sie will“, sagt er.

Immer wieder wird sein Vortrag von erregten Anwohnern unterbrochen. Anlieger Volker M. wurde von Asylbewerbern angespuckt und als Hurenbock bezeichnet, weil er sie bat, die Straße freizugeben. „Das war total erniedrigend“, ruft er hocherregt. Ein anderer empört sich über den Busverkehr von und zur EAE. „Das geht morgens um 4.30 Uhr mit dem Bäcker los, der anliefert. Die Busse fahren mit 75 Dezibel einen Meter an unseren Häusern vorbei. Ein Hotelbetrieb an gleicher Stelle würde nie gestattet. Ich kann das Ordnungsamt nicht verstehen. Aber wir sind ja ,nur’ Anwohner.“ Immer wieder werden die erruptiven Einwürfe mit Applaus bedacht.

Die Stadt in Person von Ordnungsamtleiter Ingo Moldenhauer, Heinrich Finger und Winfried ­Sagolla hat da naturgemäß einen schweren Stand. Zwar „sehr beeindruckt von Ihren Problemen“, kann Moldenhauer nicht viel zusagen. Die Streifen der Ordnungsdienste sollen verstärkt werden, auch nachts. Dass eine seitens der Stadt geprüfte Zuwegung zur EAE über die Rügecke und einen anschließenden, 3,75 Meter breiten Streifen Weg nur das Problem verlagern würde, darauf wies ­Rügecke-Anlieger Gerd Heimann hin. „Wie sollen Busse da um die Ecke kommen?“

Höhnisches Gelächter erntete Winfried Sagolla, der die Anlieger der Glückaufsegenstraße selbst für die Verkehrsengpässe verantwortlich machte. „Sie parken regelwidrig auf beiden Seiten auf dem Gehweg. Sie müssen ihre Abstellprobleme auf ihrem Grundstück lösen, nicht auf öffentlichen Flächen.“ Sagolla räumte aber ein, dass die Zahl der Asylbewerber im Moment höher sei als das, „was wir damals erwartet haben.“ Bei 300 Plätzen, in der Spitze maximal 350, soll es in Hacheney aber bleiben, versicherte Ingo Moldenhauer. Das Land NRW müsse jetzt schnell eine dritte Erstaufnahmeeinrichtung ans Netz bringen. „Vielleicht auch mal im Rheinland“, wie CDU-Ratsvertreter Jürgen Eigenbrod anmerkte.