Den Nesträubern auf der Spur

Susanne Meyer
Franz Schmitz aus der Aplerbecker Mark mit dem Foto einer Brutstätte, die von Nesträubern zerstört wurde. Foto: Jochen Linz
Franz Schmitz aus der Aplerbecker Mark mit dem Foto einer Brutstätte, die von Nesträubern zerstört wurde. Foto: Jochen Linz
Foto: Linz/PiLi
Vielfalt statt Einfalt – das wünscht sich der Hobby-Ornithologe Franz Schmitz für die Vogelwelt in seinem Garten. Doch leider brüten viele Arten nur noch selten oder gar nicht mehr in den Büschen, Bäumen und Nistkästen des pensionierten Schulleiters. Und daran, hat Schmitz ausgemacht, ist die Elster schuld.

Im Süden. Vielfalt statt Einfalt – das wünscht sich der Hobby-Ornithologe Franz Schmitz für die Vogelwelt in seinem Garten in der Aplerbecker Mark. Doch leider brüten viele Arten nur noch selten oder gar nicht mehr in den Büschen, Bäumen und Nistkästen des pensionierten Konrektor. Und daran, hat Schmitz ausgemacht, ist die Elster schuld.

Drei Pärchen ziehen in der unmittelbaren Nachbarschaft des 75-Jährigen ihre Jungen auf. Und räubern auf der Suche nach Nahrung für den Nachwuchs auch in vielen Nestern. „Buchfink, Girlitz, Hänfling, Hausrotschwänzchen, Singdrossel sind schon aus unserem Garten verschwunden, weil ihre Brut von den Elstern immer wieder vernichtet wurde“, glaubt Schmitz. Dabei hat er viel Sympathie für den geflügelten Räuber. Als Kind besaß er eine zahme Elster, bewundert ihr buntes, glänzendes Gefieder, ihre Schlauheit und ihre Eleganz. Würde die Elster fehlen, in der Fauna, wäre es dem Vogelliebhaber auch nicht recht. „Aber zu viele davon bringen die Natur aus dem Gleichgewicht“, so Schmitz.

Eher zu wenig, als zu viele Elstern gebe es in Dortmund, hat hingegen Dr. Erich Kretzschmar, Stadtverbands-Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU), beobachtet. Die Rabenkrähen, die sich stark vermehrt hätten, seien die eigentlichen Räuber: „Sie räumen die Nester der Elstern aus, deren Population dadurch in Dortmund zurückgegangen ist“. Im Jahr 2003 habe es in Dortmund noch zwischen 1000 und 2000 Brutpaare gegeben. Doch die heutigen Zahlen lägen inzwischen stark darunter, vermutet der Ornithologe. Wissen tut er es nicht. Denn bis heute sind keine weiteren Erhebungen erfolgt.

Auch der Leiter des Städt. Umweltamtes, Dr. Wilhelm Grote, nimmt die Elster in Schutz Sie gehöre neben Eichelhäher und Rabenkrähe zu den Allesfressern und sei nicht nur eine Nesträuberin. Ihre Hauptnahrung besteht aus Früchten, Beeren, Samen, sowie Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Der Anteil von Eiern und Jungvögeln betrage maximal sieben Prozent. „Und neben den Rabenvögeln schleichen andere Beutegreifer herum, die sehr häufig junge Vögel verzehren“, so Grote. Dazu zählen Hauskatze, Marder, Eichhörnchen, Igel oder Spechte. „Die fallen aber wegen ihrer unaufdringlichen Lebensweise viel weniger auf, als die laut krächzende Elster“.

Auch Schmitz hat schon andere tierische Räuber in seinem Garten auf frischer Tat ertappt. Trotzdem ist und bleibt für ihn die Elster die größte Übeltäterin. „Die Elstern und andere Nesträuber sowie die seit einigen Jahren dramatisch zunehmenden Greifvögelpopulationen sind eine tödliche Gefahr für unsere Sänger“.

Mit solchen und ähnlichen Sätzen eckt der Hobby-Ornithologe schon seit Jahren bei den Naturschutzverbänden an. „Die Analyse, dass eine Elster nur sieben Prozent ihrer Nahrung von Eiern und Jungvögeln nimmt, ist über 30 Jahre alt und längst überholt“, ist sich der 75-Jährige sicher. Auch die Dortmunder Vogel-Statistik müsse mal wieder auf den neuesten Stand gebracht werden. Nicht nur er, auch viele andere Menschen würden seine Beobachtungen teilen.

Schmitz hat in dieser Sache auch an Hannelore Kraft und Norbert Röttgen Briefe geschrieben. Die NRW-Ministerpräsidentin ließ ihm für seinen Einsatz „für den Erhalt der Natur und der Singvögel“ danken. Der Bundesumweltminister ließ Schmitz wissen, dass sein Anliegen „auch mein Anliegen ist, ein Vorgehen gegen Elstern und Greifvögel zu Gunsten von Singvögeln und Zuchttauben jedoch nicht die Maßnahme der Wahl ist“.