Bilder, die glücklich machen

Irmgard Richter vor dem Selbstporträt ihres Mannes Hans-Theo Richter, der 2006 starb. Foto: Anja Cord
Irmgard Richter vor dem Selbstporträt ihres Mannes Hans-Theo Richter, der 2006 starb. Foto: Anja Cord
Foto: Anja Cord
Er liebte die einfachen, die kleinen Dinge im Leben, mit deren Hilfe er große Kunst erzeugte. Die Algen aus dem hauseigenen Gartenteich in Hombruch schwimmen in einem Farbenmeer auf Leinwand. Eine Schlangenhaut wirft bizarre Muster unter Öl. Hans-Theo Richter war ein Künstler aus Leidenschaft, der eher sein Werk sprechen ließ,

Hombruch.. Er liebte die einfachen, die kleinen Dinge im Leben, mit deren Hilfe er große Kunst erzeugte. Die Algen aus dem hauseigenen Gartenteich in Hombruch schwimmen in einem Farbenmeer auf Leinwand. Eine Schlangenhaut wirft bizarre Muster unter Öl. Hans-Theo Richter war ein Künstler aus Leidenschaft, der eher sein Werk sprechen ließ, als selbst das Wort zu ergreifen. Seine Biografie sucht man im Internet vergeblich, obwohl er schon zu Lebzeiten ein bekannter Mann war.

Rund 3000 Bilder, Skulpturen, Plastiken, Reliefe und Glaskunstwerke schuf Richter in seinem fast 80-jährigen Leben, bevor er 2006 nach drei Schlaganfällen starb. Seine künstlerische Handschrift prägt die Innenräume und Glasfenster von 40 Gotteshäusern im ganzen Land. Den Altarraum der Kirche Maria-Königin in Eichlinghofen hat er ebenso gestaltet, wie die Franziskanerkirche am Dortmunder Ostfriedhof. Gemeinsam schuf er Glaskunst mit seinem Freund, dem ebenfalls verstorbenen Dortmunder Künstler Arthur Schulze-Engels. Richter entwarf auch Kirchenfenster, die der Paderborner Kunstglaser Peters anfertigte.

Ausstellungen im Torhaus, im Museum am Ostwall, oder im Henßler-Haus genossen über Dortmund hinaus hohes Ansehen. Doch der Künstler war ein bescheidener Mensch, der sich nicht auf ein Podest stellen ließ. „Seine Bilder, seine Skulpturen, sie sollten die Menschen glücklich machen. Dann war er zufrieden“, sagt Ingeborg Richter, die 45 Jahre die Ehefrau an seiner Seite war.

Pinsel-Ballett steht für ein erfülltes Leben

In ihrem verwinkelten Elternhaus in Hombruch hat sie ein kleines Atelier geschaffen, das die Werke zeigt, die er und sie besonders lieb(t)en. Ein Selbstporträt ist dabei, daneben hängt das Bild eines Matrosen, dessen melancholisch-nachdenklicher Blick den Betrachter magisch anzieht. Richter hielt alles künstlerisch fest, was sein Blick erfasste. Manchmal abstrakt, oft aber auch gegenständlich, kritisch, und immer ganz nah am Objekt.

Seine Begeisterung für die Kunst gab er zahlreichen jungen Menschen weiter. Viele Schülerinnen und Schüler der Robert-Koch-Realschule erinnern sich heute noch gern an ihren Kunsterzieher, der sobald er die Klasse betrat, seine Schweigsamkeit ablegte. Dann wurde die Welt bunt, und farbenfroh oder erschuf sich neu in Schwarz-Weiß. Aus einem mathematischen Experimentierkasten wurde ein eine Experimentierplatte. Ein Kunstwerk, das Ingeborg Richter besonders gut gefällt. War sie doch selbst 37 Jahre lang als Lehrerin für Mathematik, Biologie und Chemie an dieser Schule tätig.

Die 79-Jährige lernte ihren Hans-Theo 1959 während einer Ausstellung kennen. Schon ein Jahr später waren sie verheiratet: „Es war Liebe auf den ersten Blick“. Mit diesem Blick betrachtet sie heute noch das Lebenswerk ihres Mannes, dessen Lieblingsfarbe Blau sich in allen Schattierungen auf den Bildern an den Wänden wiederfindet. Und ihre Gäste sind ,immer wieder fasziniert vor dem „Pinsel-Ballett“ im Eingangsbereich des Hauses. „Hathebeaukawari“ hat der Künstler dieses skurrile Wandkollage genannt.

Ingeborg Richter übersetzt die Schrift auf dem Bild: „Hans-Theo Bernhard August Karl Walter Richter“. Sein langer Name steht für ein erfülltes Leben im Dienst der Kunst. Hier klebt das Werkzeug, das Hans-Theo Richter fast sein ganzes Leben lang nicht aus der Hand legen konnte.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen