Stromriese RWE braucht Kapital und Dortmund verliert Geld

RWE-Chef Jürgen Grossmann ist auf der Suche nach neuem Kapital. Foto: Helmuth Voßgraff
RWE-Chef Jürgen Grossmann ist auf der Suche nach neuem Kapital. Foto: Helmuth Voßgraff
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Dortmund ist (über die Stadtwerke) einer der größten RWE-Aktionäre. Das Paket von über 22 Mio Aktien brachte in den letzten Jahren immer einen guten Ertrag und es sicherte - über den Pool kommunaler Anteilseigner - Einfluss auf den Stromriesen. Jetzt wird bei RWE über eine Kapitalerhöhung nachgedacht. Die könnte Dortmund viel Geld und Einfluss kosten. Und sie ruft die FDP auf den Plan, die einen „Interessenkonflikt“ für OB Ullrich Sierau wittert.

Sierau werde als Aufsichtsratsmitglied der RWE AG Anfang August bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung teilnehmen. Dabei wolle der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann mit den kommunalen Vertretern über eine Kapitalerhöhung verhandeln. FDP-Fraktionsvorsitzende Lars Rettstadt: „Nun rächt sich der Wunsch des Konzerns Stadt Dortmund Global Player zu spielen, anstatt zu einem Zeitpunkt ausgestiegen zu sein, als es noch sinnvoll war.“

Wenn es tatsächlich zu einer Kapitalerhöhung komme, weil Grossmann seinem Konzern frisches Kapital zuführen will, dann könnte der kommunale Anteil verwässert werden. Noch erfreut sich die Stadt des Schachtelprivilegs, der Steuervorteile für den RWE-Gewinn ermöglicht. Das Schachtelprivileg ist daran geknüpft, dass der Anteil, den die Kommunen (über die KEB-Holding) halten, über 15 Prozent liegt. Machen nicht alle Kommunen bei der Kapitalerhöhung mit, sinkt der Anteil der Kommunen. Das Schachtelprivileg gerät in Gefahr.

Eine Kapitalerhöhung „müsste für DSW21 wohl wieder einmal auf Kredit erfolgen“, vermutet Rettstadt. Das enge den Spielraum der DSW weiter ein. Die DSW nahm gestern auf Anfrage der WAZ keinerlei Stellung zum Thema: Man wolle sich nicht an Spekulationen und Vermutungen beteiligen.

Petra Zielazny (Bürgerliste) glaubt, dass die Personalunion Sieraus als OB und als RWE-Aufsichtsrat „besonders heikel“ sei: „Als Aufsichtsratsmitglied müsste er zum Vorteil der Gesellschaft wohl für, aus Sicht eines Oberbürgermeisters, der die Stadtfinanzen im Blick hat, wohl gegen eine Kapitalerhöhung stimmen.“ Man sei gespannt sein, welche Sichtweise sich durchsetzt.

Geringere Dividende

Der Atomausstieg drückt bei der RWE AG den Gewinn und damit die Rendite. Damit dürfte auch der Ertrag sinken, den Dortmund als Dividende erhält - für 2010 waren es noch über 70 Mio Euro. Das genaue Zahlenwerk 2011 steht erst am Jahresende fest.

Wenn das Kapital erhöht wird, dann werden Aktien auf die vorhandene Substanz des Unternehmens ausgegeben. Wenn Altaktionäre nicht neu zeichnen, dann sinkt ihr Anteil/Einfluss am Konzern relativ. RWE erhält frisches Kapital. Ob hierdurch Gewinn und Gesamtdividende steigen, ist offen.