Streit um die Zeit bei verweigerter BVB-Landung

Der BVB-Flieger aus Nürnberg durfte wegen 29 Sekunden Verspätung nicht am Airport Dortmund landen. Die Flugsicherung hingegen spricht von zwei bis drei Minuten. Montage: Foto: Knut Vahlensieck
Der BVB-Flieger aus Nürnberg durfte wegen 29 Sekunden Verspätung nicht am Airport Dortmund landen. Die Flugsicherung hingegen spricht von zwei bis drei Minuten. Montage: Foto: Knut Vahlensieck
Foto: WR Dortmund/Knut Vahlensieck

Dortmund. Den Sieg in Nürnberg dürften die BVB-Profis schnell abgehakt haben - den Rückflug Richtung Dortmund eher nicht: Die Maschine der Ostfriesischen Lufttransport GmbH, eine 50-sitzige Saab 2000, musste ihren Landeanflug auf Wickede abbrechen und stattdessen nach Paderborn/Lippstadt durchstarten. Grund: Der Flieger hätte nach Ablauf der Verspätungsfrist um 23 Uhr aufsetzen müssen.

Streitpunkt Zeit: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke spricht von 29 Sekunden Verspätung - die Deutsche Flugsicherung in Dortmund (Tower Company) hingegen spricht von „zwei bis drei Minuten.“

Was ist passiert? Dadurch, dass die Maschine vor dem Rückflug enteist werden muss, verzögert sich der Abflug aus Nürnberg von zunächst 21 Uhr auf 22.20 Uhr. Flugzeit: 50 Minuten bis eine Stunde. Offenbar ahnend, dass es eng werden könnte, beantragt der Pilot kurz nach 22 Uhr beim Dortmunder Flughafen eine Sondergenehmigung, nach 23 Uhr landen zu dürfen. Um 22.11 Uhr und nochmals um 22.20 Uhr teilt die Münsteraner Bezirksregierung (zuständig für die Luftaufsicht) mit: okay, innerhalb der Verspätungsregelung bis 23 Uhr dürft ihr landen. Danach nicht. „Wir haben alles versucht“, sagt Flughafen-Sprecher Marc Schulte. „Es wäre 23.01 Uhr geworden.“

Kurz nach der Entscheidung aus Münster setzen der Flughafen und die Airline Busse in Richtung Paderborn in Bewegung, die die BVB-Profis abholen sollen. Der Pilot weiß: Es wird eng. Dennoch steuert er Dortmund an. Um 22.59 Uhr und 30 Sekunden ist die Maschine im Landeanflug, aber immer noch 5 bis 6 Meilen (rund 10 Kilometer) von Wickede entfernt. Zu dem Zeitpunkt braucht es nach Angaben der Tower Company 2,5 bis 3 Minuten, bis sie auf der Rollbahn aufsetzt. Der Pilot weiß das, hält aber den Kurs. Um 22.59 Uhr und 57 Sekunden wird er von der Deutschen Flugsicherung zurückgepfiffen: keine Landeerlaubnis, durchstarten nach Paderborn! Und so geschieht es.

Für Zorc eine „Provinzposse“, für Watzke „eine idiotische Entscheidung“

BVB-Sportdirektor Michael Zorc spricht von einer „Provinzposse“. Zumal die Verspätung ohne eigenes Verschulden zustande gekommen sei. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke tobt: „Eine idiotische Entscheidung, der BVB ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für diese Stadt.“

Flughafen-Sprecher Marc Schulte entschuldigt sich kleinlaut: „Wir bedauern den Vorfall sehr.“ Dortmund habe eben äußerst restriktive Betriebszeiten. „An die haben auch wir uns zu halten“, sagt Sigrun Rittrich, Sprecherin der Münsteraner Bezirksregierung. „Wir entscheiden nicht aus dem Bauch, sondern haben mit den Interessen der Flughafen-Anwohner abzuwägen.“ Für Christian Bork von der Flugsicherung ist der Fall klar: Der Pilot habe die Entscheidung gekannt und es nach eigenem Ermessen versucht. „Spätestens beim Anflug hätte er wissen müssen, dass es nicht mehr klappen würde.“

 
 

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