Strafen sollen Freier in Nordstadt Dortmund abschrecken

Rolf Maug
Foto: Remo Bodo Tietz; NRZ

Dortmund. Das penetrante Trommelfeuer, zu dem Polizei und Ordnungsamt so lange wie nötig all ihre Kräfte konzentrieren wollen, um die Biotope der Kriminalität in der Nordstadt trocken zu legen, soll sich offenbar nicht nur gegen die Frauen richten, die auf offener Straße ihre Körper feilbieten. Die Sicherheitskonferenz denkt auch über eine Großoffensive gegen die Freier nach.

Am 31. März stellt sich dem Rat die Gretchenfrage: Wie hält es die politische Vertretung der Gesamtstadt mit der Forderung des Bezirksparlaments für die Innenstadt-Nord, den völlig aus dem Ruder gelaufenen Versuch mit dem offiziellen Straßenstrich an der Ravensberger Straße schnellstmöglich zu Grabe zu tragen?

Sollten sich die Stadtverordneten aus übrigen elf Stadtbezirken in Solidarität üben und (vorläufig) einen Schlussstrich unter das Modell mit dem Straßenstrich ziehen, sind die Folgen absehbar: Was jetzt an der Ravensberger Straße noch einigermaßen kontrolliert abläuft, verteilt und verlagert sich zurück in die Wohngebiete - bis hin nach Eving.

Sperrbezirk ausweiten?

Nur: Prostitution ist grundsätzlich erlaubt - nur da nicht, wo sie ausdrücklich verboten ist. Wie berichtet, prüfen Experten von Polizei und Stadtverwaltung umso intensiver, ob es nicht Sinn macht, den Sperrbezirk - ähnlich wie München das handhabt - auf sämtliche Wohngebiete der Stadt auszuweiten.

Noch wirkungsvoller könnten die extrem gebündelten Ordnungskräfte gegen die offene Prostitution vorgehen, hätten sie eine Rechtsgrundlage dafür, nicht nur die Prostituierten, sondern auch deren Kunden mit Ordnungswidrigkeitenanzeigen und Bußgeldbescheiden zu überziehen.

Da rückt eine „Kontaktverbotsverordnung“ ins Blickfeld, wie der Stadtstaat Hamburg sie zurzeit prüft. Dort wird gerade an einem Lagebild gearbeitet. Der Bild-Zeitung sagte Bezirksbürger Markus Schreiber (SPD): „Es ist lange überfällig, dass die Straßenprostitution aus dem Sperrgebiet verschwindet.“

Heim zur Hölle

Mit Blick auf die Frauen aus Osteuropa, die vielfach von den Drahtziehern und Nutznießern der Armutswanderung in mitteleuropäische Ballungszentren gezwungen werden, sich zu verkaufen, hat die Hamburger Polizei schon Anfang letzten Jahres die Geldbußen für Frauen, die im Sperrgebiet anschaffen gehen, vervierfacht - auf 200 Euro.

Nach Medienberichten müssen dort künftig Freier mit Bußgeldern von bis zu 5000 Euro rechnen, wenn sie erwischt werden, wie sie im Sperrgebiet Prostituierte ansprechen oder gar ihre Dienste in Anspruch nehmen.

Ertappte Freier erhalten in Hamburg Bußgeldbescheid

Wobei sich Hamburgs Innensenator mit dem Abschreckungseffekt eines schmerzlichen Griffs in den Geldbeutel nicht begnügen mag; ertappten Freiern will er den Bußgeldbescheid nach Hause schicken und damit der ein oder anderen Ehefrau die Augen öffnen. Stichwort: heiße Hölle.

Städte wie Stuttgart, Frankfurt, Mannheim und Leipzig haben das „Ansprechverbot zur Anbahnung der Prostitution“ zum Teil schon vor Jahren in ihre Polizeiverordnungen aufgenommen und damit gute Erfahrungen gemacht. Die Höhe der Bußgelder, die in Leipzig festgesetzt werden, sind inzwischen von den Gerichten bestätigt worden.