Still-Leben auf Friedensplatz ist für die Grünen in Dortmund „eine Karikatur“

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Die Idee von Dortmunds Oberbürgermeister Sierau, das Projekt Still-Leben nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und ein „Überbrückungsformat“ auf dem Friedensplatz zu veranstalten, kritisieren die Grünen. Sie schlagen dies auf dem Wall vor.

Martin Tönnes, Dortmunds Sprecher der Grünen-Fraktion im RVR, meint: „Natürlich lässt sich ein solch besonderes Ereignis nicht jährlich wiederholen. Der Koordinationsaufwand und letztlich auch die Kosten wären hoch und die Gefahr der Kommerzialisierung ebenfalls.“ Das Still-Leben auf der B1 habe aber gezeigt, wie sehr Menschen solche gemeinschaftsbildenden Projekte annehmen und wie intensiv die Möglichkeit genutzt werde, alternativ mobil zu sein.

„Als Grüne sehen wir viele Gelegenheiten, die Menschen des Ruhrgebiets durch ähnliche Aktionen wie das Stillleben miteinander zu verbinden. Ein Stillleben auf dem Friedensplatz ist allerdings nur eine Karikatur der Ursprungsidee. Wenn Ulli Sierau einen autofreien Tag auf dem Wallring vorgeschlagen hätte, wie Grüne es schon seit vielen Jahren thematisieren, wäre zumindest ein kleines Still-Leben in Dortmund denkbar gewesen.“

An Still-Leben-Idee anknüpfen

Die grüne Fraktionssprecherin Ingrid Reuter meint, dass der Charme des Großereignisses anlässlich der Kulturhauptstadt 2010 darin bestand, „eine Tag und Nacht befahrene Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets begehbar und erlebbar zu machen. Das Besondere bestand zum einen in der ausschließlichen Nutzung durch FußgängerInnen, Skater und RadfahrerInnen, zum anderen in der Möglichkeit, sich als Verein, Firma und Initiative an einer langen Tafel zu präsentieren.“

Reuter und die Grünen „werden sowohl auf Ruhrgebietsebene als auch in Dortmund Ideen für Projekte entwickeln, die an das Still-Leben 2010 anknüpfen, ohne es zu kopieren, und versuchen, das vorhandene kreative Potenzial im Ruhrgebiet zu nutzen. Das schließt eine neue Kulturmeile B1 nicht aus.“

Dortmunder Piraten für Still-Leben auf dem Wallring

Die Dortmunder Piratenpartei begrüßt Sieraus Vorstoß zu einer Neuauflage des Still-Lebens in Dortmund. Gleichzeitig fordert Kreisvorsitzende Manon Heiland mehr Mut bei der Ausgestaltung der Idee: „Hat man sich im Kulturhauptstadtjahr noch getraut, mit der B1 eine viel befahrene Straße für das Kulturereignis zu sperren, reicht der kulturelle Horizont des Bürgermeisters heute gerade mal bis über den Friedensplatz."

Sie plädiert für die Nutzung der inneren Fahrbahnen des Wallringes: „Das Dortmunder U, das Theater, der Adlerturm und die Volkshochschule sind Wegmarken völlig unterschiedlicher, aber gleichberechtigter Formen des Kulturschaffens und der Kulturhistorie in unserer Stadt." Gleichzeitig böte ein solcher Rundweg genug Platz für alle sozialen Gruppen, aktiv teilzuhaben, findet John Martin Ungar, Kulturpolitiker der Piratenpartei, und sieht in den praktischen Belangen des Vorschlages noch kulturelle Aspekte: „Auf den Außenbahnen des Wallrings könnte der Verkehr in gewohnter Weise weiter fließen. Damit hätte Dortmund für die Dauer des Still-Lebens gleich auch einen weiteren Titel Inne: den der Stadt mit dem größten Kreisverkehr der Welt."

 
 

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