Stichwahl in Dortmund: Knapp, knapp! Doch SPD verteidigt ihre Herzkammer

Stichwahl in Dortmund: Hier jubelt der neue Oberbürgermeister der Stadt! Thomas Westphal von der SPD.
Stichwahl in Dortmund: Hier jubelt der neue Oberbürgermeister der Stadt! Thomas Westphal von der SPD.
Foto: Jonas Güttler/dpa

Die Herzkammer der SPD bleibt weiter in SPD-Hand!

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs stellt die SPD in Dortmund ununterbrochen die Oberbürgermeister. Bei der Stichwahl in Dortmund wollten CDU und Grüne erstmals überhaupt die SPD vom Stadt-Thron stürzen. Doch denkste!

SPD-Kandidat Thomas Westphal hat sich in der Stichwahl in Dortmund knapp durchgesetzt und damit eine historische Niederlage verhindern können Hier findest Du das Ergebnis und Reaktionen in Dortmund.

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Stichwahl in Dortmund: Ergebnis der OB-Wahl 2020

Zwischenergebnis der OB-Stichwahl in Dortmund (671/671 Stimmbezirke ausgezählt)

Thomas Westphal (SPD): 51.97% (Ergebnis im 1. Wahlgang: 35,87%)

Dr. Andreas Hollstein (CDU): 48,03% (Ergebnis im 1. Wahlgang: 25,87%)

Wahlbeteiligung: 32,61% (Wahlbeteiligung im 1. Wahlgang: 47,05%)

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27. September 2020: Stichwahl in Dortmund - News-Ticker zur OB-Wahl

21:50 Uhr: Eigentlich könnten die Sozialdemokraten an diesem Sonntagabend ziemlich erleichtert, gelassen und entspannt sein: Knapp konnte die SPD ihre Hochburg Dortmund verteidigen. Doch ein WDR-Moderator bringt sie mit einem einzigen Satz auf die Palme - mehr zum Aufreger hier!

20.40 Uhr: Das deutlichste Ergebnis holte Thomas Westphal im Stadtbezirk Innenstadt-Nord. Hier kam er auf 64,7 Prozent.

19.25 Uhr: Kevin Kühnert freut sich, dass mit Thomas Westphal ein Vorgänger von ihm als Juso-Bundesvorsitzender jetzt Oberbürgermeister von Dortmund ist. Dann zählt er noch weitere Jusos mit Wahlerfolgen auf. Ob er sich über seine eigene berufliche Zukunft jetzt Gedanken macht?

19.10 Uhr: Auszählung beendet! Die SPD darf sich freuen. Sie hat sich gegen CDU und Grüne durchgesetzt. Mit Thomas Westphal hat auch der nächte Oberbürgermeister von Dortmund ein SPD-Parteibuch.

18.48 Uhr: Das Ergebnis festigt sich. Nur noch neun Wahlbezirke stehen aus und SPD-Kandidat Westphal liegt mit rund vier Prozentpunkten weiter vorne. Es dürfte reichen für ihn!

18.40 Uhr: Es ist zwar eng, aber SPD-Kandidat Westphal liegt weiter stabil mit über vier Prozentpunkten vorne und es sind nur noch wenige Wahlbezirke offen. Es scheint erneut zu reichen für die SPD in Dortmund.

18.25 Uhr: Der schwarz-grüne Plan scheint gescheitert: Es sind knapp Dreiviertel der Stimmbezirke ausgezählt und SPD-Kandidat Thomas Westphal liegt mit über sechs Prozentpunkten vorne. Es sieht so aus, als würde Dortmund weiter in SPD-Hand bleiben.

17.20 Uhr: Die Spannung steigt in Dortmund! In 40 Minuten schon schließen die Wahllokale und dann werden die ersten Ergebnisse der Auszählung der OB-Stichwahl erwartet.

14.50 Uhr: Dortmund meldete am Sonntag mit Stand 13 Uhr eine Wahlbeteiligung von 10,2 Prozent. Das sind 1,9 Prozentpunkte mehr als bei der Stichwahl 2014 um diese Uhrzeit.

8.30 Uhr: Tag der Entscheidung in Dortmund. Können CDU und Grüne gemeinsam mit dem Kandidaten Dr. Andreas Hollstein die rote Vorherrschaft in der Westfalen-Metropole stürzen.

Die Grünen rechtfertigen über Twitter vor der Stichwahl, was sie mit CDU-Kandiaten Hollstein vereinbart haben. Unter anderem den Ausschluss eines Flughafen-Ausbaus, was mit SPD-Mann Westphal undenkbar gewesen wäre.

Ein großes Thema wurde vor der Stichwahl der Verkauf der Anteile an Stromerzeuger Steag. Das Ende der städtischen Beteiligung haben Grüne und CDU-Hollstein beschlossen. Für SPD-Kandidat Thomas Westphal undenkbar. Er drehte mit dem Steag-Konzernbetriebsratsvorsitzender ein Video für Instagram. Die Belegschaft sei „ein bisschen geschockt“ über die grün-schwarzen Pläne.

23. September 2020: Paukenschlag vor dem Wahlsonntag! Grüne schlagen sich auf die Seite des CDU-Kandidaten

Jetzt wird es so richtig eng für die SPD in ihrer Herzkammer Dortmund. Die Grünen schlagen sich auf die Seite von CDU-Kandidat Dr. Andreas Hollstein!

Am Dienstagabend veröffentlichte die Dortmunder Grünen ein Statement mit dem Titel „Demokratie braucht den Wechsel.“ Darin heißt es, dass Dortmund sich verändert habe und die Antworten der Vergangenheit nicht mehr ausreichen würden. Man habe Gespräche mit beiden Kandidaten zur Stichwahl geführt und empfehle nun den Grünen-Mitgliedern und -Wählern für Hollstein zu stimmen.

Offenbar haben die Grünen von der CDU das Zugeständnis, dass es keinen Ausbau der Landebahn am Dortmunder Flughafen geben soll, dafür mehr in Radwege und den ÖPNV in der Stadt investiert werden solle.

17. September 2020: Steckt in diesem Wahlplakat eine geheime Botschaft?

im ganzen Stadtgebiet haben SPD und CDU neue Plakate vor der Stichwahl aufgestellt. Besonders auffällig ist dabei die Farbgebung auf den SPD-Plakaten. Dort steht in einem hellgrünem Balken: „Bei der Stichwahl am 27.9. Thomas Westphal wählen!“ Steckt dahinter etwa eine geheime Botschaft an die vielen Grünen-Wähler in der Stadt? Schließlich dürfte es den Ausgang der Stichwahl eindeutig beeinflussen, auf welche Seite sich diese Wählerschaft schlägt.

CDU-Kandidat Andreas Hollstein fordert dagegen auf den neuen Plakaten zum „Wechsel wählen!“ auf. Auf grüne Farbe hat die CDU dabei verzichtet.

Stichwahl in Dortmund: Termin, Briefwahl und die Oberbürgermeister-Kandidaten

Die Ausgangslage nach der Kommunalwahl 2020 in Dortmund

Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stellt die SPD ununterbrochen den Oberbürgermeister in der Westfalenmetropole. Die SPD-Legende Herbert Wehner sprach von Dortmund als "Herzkammer der Sozuialdemokratie". Bei den NRW-Kommunalwahlen musste die Partei bittere Verluste hinnehmen, besonders auch im Ruhrgebiet. Sollte sie nun auch den Oberbürgermeister-Posten in Dortmund verlieren, wäre das Desaster perfekt!

Ein Wahlsieg der CDU geht nur mit Unterstützung der grünen Wählerschaft. Sollte das Gelingen, hätte das eine große symbolische Dortmund weit über Dortmund hinaus. Für Ministerpräsident Armin Laschet würde ein Wahlsieg in Dortmund außerdem Rückenwind für seine bundespolitischen Ambitionen bedeuten, schließlich ist Dortmund die neuntgrößte Stadt in Deutschland und die CDU hat Schwierigkeiten in Großstädten Wahlerfolge zu erzielen. Im Stadtrat hätte dann theoretisch auch ein Jamaika-Bündnis aus Grünen, CDU und FDP gegen die SPD eine Mehrheit.

Stichwahl in Dortmund: Das sind die beiden OB-Kandidaten Thomas Westphal und Andreas Hollstein

Thomas Westphal (SPD): Der 53-Jährige will seinem Genossen Ullrich Sierau nachfolgen und der siebte SPD-Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg werden. Der Diplom-Volkswirt ist derzeit Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund. Mitte der 1990er-Jahre war er das, was heute Kevin Kühnert ist: Bundesvorsitzender der Jusos. Nun will er Stadtoberhaupt in Dortmund werden, muss aber zittern. Im ersten Wahlgang bekam er 35,8 Prozent der Stimmen. Das ist zwar ein klarer Vorsprung von zehn Prozent auf Dr. Andreas Hollstein von der CDU, aber noch weit entfernt von einer absoluten Mehrheit.

Dr. Andreas Hollstein (CDU): 57-Jährige bringt viel kommunalpolitische Erfahrung mit: Von 1999 an war er Bürgermeister in Altena, nun scheidet er dort aus dem Amt aus und will in Dortmund seine Arbeit als Stadtoberhaupt fortsetzen. Punkten könnte er bei der grünen Wählerschaft vielleicht mit seinem Engagement gegen Rechtsextremismus und für Flüchtlinge. Seine Stadt Altena erhielt von Angela Merkel 2017 den Nationalen Integrationspreis und 2018 wurde Hollstein mit einem UN-Preis für seine Flüchtlingsarbeit geehrt. Im ersten Wahlgang holte er 25,8 Prozent.

Wann findet die OB-Stichwahl in Dortmund statt?

Der Termin der OB-Stichwahl ist der 27. September 2020, somit genau zwei Wochen nach dem ersten Wahlgang. Dann wird in einer Stichwahl entschieden, wer neuer Oberbürgermeister in Dortmund wird. Die Wahllokale sind an dem Wahlsonntag erneut zwischen 8 bis 18 Uhr geöffnet.

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Mehr zu den OB-Stichwahlen in NRW:

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Dortmund: Ist eine Briefwahl bei der Oberbürgermeister-Stichwahl möglich?

Klar, eine Briefwahl ist möglich. Wer schon beim ersten Wahlgang eine Briefwahl beantragt hat, erhält die Briefwahlunterlagen zur OB-Stichwahl automatisch per Post zugeschickt. Wer im ersten Wahlgang noch keine Briefwahl beantragt hatte, kann das jetzt noch für die Stichwahl noch tun. Es reicht ein schriftlicher, aber formloser Antrag bei der Stadt, etwa per E-Mail an wahlen@dortmund.de, unter Angabe des Namens, der Wohnanschrift und des Geburtsdatums. Man kann auch persönlich in das Wahlamt am Königswall 25-27 kommen. Ein telefonischer Antrag auf Briefwahl ist nicht möglich.

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Ergebnis der Kommunalwahl in Dortmund 2020:

  • Auch in Dortmund ließ die SPD deutlich Federn. Am Ende lag die Partei mit 29,96 Prozent sogar unter 30-Prozent-Marke. Zwar ist die SPD damit weiterhin stärkste Kraft im Stadtrat, aber der Vorsprung auf Grüne und CDU schrumpft.
  • Die klaren Gewinner der Stadtratswahl 2020 in Dortmund waren die Grünen: Über neun Prozentpunkte ging es nach oben. Die CDU wurde bereits abgehängt und auch die SPD spürt die Grünen nun im Nacken. Laut einer infratest-dimap-Nachwahlbefragung für den WDR wählten 42 Prozent der 16-24-Jährigen die Grünen.
  • Die CDU spielt im Dortmunder Rat weiterhin nur eine Nebenrolle, nun wurden die Christdemokraten sogar von den Grünen überholt.
  • Zwölf Parteien zogen in den Stadtrat ein. Rot-Grün hätte eine Mehrheit von 49 der 90 Sitze. Mit der Stimme des Oberbürgermeisters sogar 50. Auch Rot-Schwarz wäre mit 47+1 Sitzen ein denkbares Bündnis im Rat. Die AfD und Die Linke (jeweils 5 Sitze) dürften keine Rolle bei möglichen Bündnissen spielen.
  • Spannend könnte es bei der FDP werden: Eine Jamaika-Koalition mit CDU und Grünen sowie den drei Sitzen der FDP wäre möglich, wenn Hollstein die Wahl gewinnt und man so auf 46 Stimmen zusammen kommen würde.
  • Mehr zur Kommunalwahl in Dortmund findest du hier.

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So läuft die Stichwahl in Dortmund genau ab: Termin, Wahllokale, Wahlbenachrichtigung, Maskenpflicht und eigener Stift

Alle, die lieber in einem Wahllokal abstimmen wollen, können am 27. September 2020 im Zeitraum zwischen 8 und 18 Uhr ihre Stimme dort abgeben. Dazu sucht man einfach erneut das Wahllokal auf, in dem man bereits im ersten Wahlgang der NRW-Kommunalwahl abgestimmt hat.

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Mehr Informationen über Dortmund:

  • Dortmund ist mit rund 588.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in NRW.
  • In der Vergangenheit prägten Kohle, Stahl und Bier das Wirtschaftsleben, mittlerweile scheint der Strukturwandel zu einem IT- und Logistik-Standort zu glücken.
  • Durch den BVB und den Signal-Iduna-Park, mit der legendären Südtribüne, sowie dem Deutschen Fußballmuseum gilt Dortmund als heimliche „Fußballhauptstadt“ Deutschlands.
  • Seit 2012 spielt auch eine Tatort-Reihe in Dortmund, jedoch wird die Rolle des depressiven Hauptkommissars Peter Faber und die oft trübe Darstellung der Stadt kontrovers aufgenommen.

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Wer die Wahlbenachrichtigung in der Zwischenzeit verlegt hat, kann trotzdem wählen gehen. Nötig ist lediglich entweder ein Personalausweis oder Reisepass zur Identifizierung. Wie am 13. September 2020 sollen die Wählerinnen und Wähler wegen Corona einen eigenen Stift mitbringen. Außerdem gilt Maskenpflicht im Wahllokal. (mag)

 
 

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