8. Jahrhundert: Drama um Reinoldus' Wunderpferd Bayard

Der „Ros Beiaardommegang“ im belgischen Dendermonde erinnert an die Haimonskinder.
Der „Ros Beiaardommegang“ im belgischen Dendermonde erinnert an die Haimonskinder.
Foto: imago stock&people
Die Situation zwischen den Haimonskindern und Karl dem Großen spitzt sich zu. Reinhold tötet Karls Sohn Ludwig, die Brüder müssen fliehen. Karl fordert den Tod des treuen Wunderpferdes Bayard — es wird dramatisch!

Dortmund. Bei einem Fest an Karls Hof in Aachen schlägt Reinhold seinem Cousin Ludwig, einem Sohn des Kaisers, den Kopf ab. Auslöser soll ein Schachspiel auf Leben und Tod zwischen Ludwig und Reinholds Bruder Adelhard gewesen sein. Adelhard siegt, und in einem darauf entstehenden Streit schlägt Reinhold Ludwig den Kopf ab.

Kaiser Karl ist außer sich und verfolgt die Brüder. Sie fliehen zu König Ivo und bauen die Burg Montalban (oder Montauban). Die Festung erweist sich als uneinnehmbar, sieben Jahre lang trotzen Reinhold und seine Brüder den Angriffen des Kaisers. Doch durch einen Verrat verliert Reinhold die Burg und flieht auf Bayard nach Tremonia — Dortmund —, wo er eine Burg besitzt.

Karl aber wird ihres Vaters habhaft und verlangt, dass die Haimonskinder das Pferd Bayard im Tausch für ihren Vater töten. Das Pferd soll schließlich mit einem umgehängten Mühlstein ertränkt werden – entweder an der Mündung von Dender und Schelde oder an der Maas. Bayard kann sich ans Ufer retten. Erst als Reinhold sich von dem Pferd abwendet, ertrinkt es – aus Kummer.

Wo lag die Festung Montalban?

Wo genau die sagenhafte Festung Montalban gelegen haben könnte, ist umstritten. Es gibt einen gleichnamigen Ort bei Nizza, der es aber höchstwahrscheinlich nicht war. Viel wahrscheinlicher ist der Ort Montauban in der Dordogne als Heimatort Reinholds anzusehen. Darauf weisen französische und englische Varianten der Legende um die Haimonskinder hin. Möglicherweise lag das sagenumwobene Montalban aber auch in den Ardennen. Dafür spräche die Tatsache, dass die Haimonskinder per Pferd aus Aachen flohen – eine Festung in den nahen Ardennen wäre da ein realistischer Zufluchtsort. Außerdem wurde das Wunderpferd Bayard im Gebiet des heutigen Dreiländerecks ertränkt.

Noch heute wird die Legende der Haimonskinder im belgischen Ort Dendermonde am Leben gehalten. Seit 1461 findet dort der „Ros Beiaardommegang“ – ein Umzug – statt, bei dem ein 4,85 Meter großes und 800 Kilo schweres Riesenpferd von zwölf Männern durch die Straßen getragen wird. Die Einwohner Dendermondes sehen sich offenbar als unmittelbare Erben der Haimondskinder, denn die Anforderungen an die Darsteller der Brüder sind streng:

  • Es müssen vier Brüder sein, deren Geburtsfolge nicht von Mädchen unterbrochen sein darf.
  • Sie müssen in Dendermonde geboren sein.
  • Die Eltern und Großeltern müssen in Dendermonde geboren sein.
  • Sie müssen zwischen sieben und 21 Jahre alt sein.
  • Sie müssen in Dendermonde oder einem Stadtteil wohnen.

Bewiesen ist dadurch allerdings nichts.

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