Stadt will gute Ideen versilbern

Peter Ring
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Not macht erfinderisch. Der Spruch stimmt. Funktioniert aber auch andersherum. Patentierte Erfindungen und Lizenzen sollen der Stadt aus der Not helfen.

Denn ihr Know-How, ob in der Softwareschmiede des Dortmunder Systemhauses (dosys), bei der Erfindung von Angeboten (vom Kultur- bis zum Seniorenbüro) oder auch bei Mitarbeitern, deren Dienste für Bares an Nachbarstädte ausgeliehen werden könnten, sollen sich rechnen - vielleicht sogar in Millionenhöhe. Theoretisch.

Die Stadtverwaltung will der Politik vorschlagen, eine Patent-Agentur einzurichten, um die Leistungen der Stadt besser zu vermarkten. Wenn der Rat zustimmt, könnten sich schon bald drei Mitarbeiter darum kümmern, Ideen, Konzepte und Dienstleistungen effektiver zu vermarkten. Wie das geschehen könnte? Vier Beispiele von vielen:

Beispiel 1: Das Dortmunder Systemhaus (dosys) habe hochwertige, teils einmalige Programme entwickelt. Schon jetzt bestehe eine Nachfrage anderer Städte - es gibt aber noch Luft nach oben, ist sich Kämmerer Jörg Stüdemann sicher. „Wir haben nicht die beste Vertriebsstruktur. Warum sollen wir etwas nur fünf Mal verkaufen, wenn wir es auch zehn mal könnten?” Warum solle ein Programm zur Personaldaten-Pflege im Krankenhaus nicht auch von anderen Häusern übernommen werden? Schon jetzt erwirtschafte dosys gut 1,5 Millionen Euro durch Vermarktung. „Vielleicht können wir das auf 2, 3 Millionen steigern”, hofft Stüdemann.

Beispiel 2: Die Stadt Dortmund hat Einrichtungen entwickelt, die anderen Städten fehlen - wie etwa die Seniorenbüros oder Kulturbüros. Denkbar ist, andere Kommunen beim Aufbau solcher Strukturen konzeptionell und personell zu helfen - und sich dafür bezahlen zu lassen.

»Wir entwickeln gerade einen Produktkatalog«

Beispiel 3: Die Dortmunder VHS sei führend in ihren Angebotsstrukturen, ihrer Arbeitsweise und mit ihrer Erfolgsquote in NRW. Man sei Marktführer. Auch hier könnte die Stadt anderen Nachhilfe geben - gegen Geld.

Beispiel 4: Trainer-Teams. Die Verwaltung habe überdurchschnittlich gut ausgebildete Moderatoren und Mediatoren - „da sind wir anders als andere Großstädte” - die könne man als so genannte „Change-Teams” bezahlt auf die Reise schicken, um anderen Kommunen zu helfen.

Wissen, Erfindungen (etwa im Katasterwesen, Stichwort: Geoplan), Strukturaufbau, Unternehmensberatung - vieles ist denkbar. Unterm Strich, hofft der Kämmerer, seien vier bis fünf Millionen Euro auf der Einnahmeseite drin: „Wir entwickeln gerade einen Produktkatalog”, um die Angebote auf den Markt bringen zu können.