Stadt trennt sich von Jac van Steen

GMD Jac van Steen bei Klangvokal. Foto: Franz Luthe
GMD Jac van Steen bei Klangvokal. Foto: Franz Luthe
Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Die Stadt hat Jac van Steens Vertrag als Generalmusikdirektor des Theaters nicht verlängert. Wie Kulturdezernent Jörg Stüdemann bestätigte, habe er van Steen mitgeteilt, dass der in zwei Jahren auslaufende Vertrag nicht fortgesetzt werden soll. Ein offizieller Grund: das neue Profil des Musiktheaters.

Van Steen sei unter Opernintendantin Christine Mielitz eingestiegen und habe mit ihr eine bestimmte Auffassung von Musiktheater vertreten, so Stüdemann. „Schon jetzt ist ablesbar, dass Jens-Daniel Herzog das Repertoire ändern will und da sucht man sich einen musikalischen Chef, der zu den Wünschen passt.“

Auch die aktuellen Auslastungszahlen der Dortmunder Philharmoniker – 62 Prozent zum Ende des dritten Quartals – kommentiert Stüdemann mit: „Man kann sich immer mehr wünschen.“ Gerade in der „unglaublich harten Konkurrenz“ mit dem Konzerthaus, das an der „Weltspitze“ spiele, könnten die Philharmoniker eine andere Akzentuierung vertragen.

„Ich bin kein Don Quijote“

Jac van Steen habe zwar viele Vorzüge, so Stüdemann, aber „wir können uns nun auch einen anderen Dirigenten vorstellen“. Nach Gesprächen im Rat und mit OB Sierau habe er van Steen Ende Juni über die Nicht-Verlängerung informiert. Dies sei nichts Ungewöhnliches – die meisten Dortmunder GMD hätten in Dortmund einen Fünf-Jahres-Vertrag gehabt, der nicht verlängert wurde – „Schüchter war die große Ausnahme“.

Jac van Steen jedenfalls erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung, er sei über die „Art und Weise überrascht“ gewesen. Informationen unserer Zeitung, dass der Nichtverlängerung auch ein Zerwürfnis mit Dominique Caron zu Grund liege, die die Oper kommissarisch geleitet hatte, weist van Steen von sich. „Das hat nichts damit zu tun.“ Auch von einer Abstimmung innerhalb der Philharmoniker, bei der sich eine große Mehrheit gegen ihn ausgesprochen haben soll, wisse er nichts. Seinen laufenden Vertrag über die beiden nächsten Spielzeiten, einschließlich des Philharmoniker-Jubiläums 2012/13, wolle van Steen „verantwortungsvoll“ erfüllen. Gegen seine Nicht-Verlängerung aber wolle er sich nicht wehren: „Ich bin kein Don Quijote.“

„Eine große Chance“

Die Grünen jedenfalls haben keine Einwände gegen die Nicht-Verlängerung: „Die Art, wie er die Zahl der Konzerte eigenmächtig reduziert hat, war ärgerlich“, so der kulturpolitische Sprecher Jürgen Brunsing, der auch die Auslastung und van Steens geringe Präsenz moniert. „Er hat zwar gut begonnen, aber die vergangenen Jahre waren mager.“

Der neue Opernintendant Herzog erklärte, er freue sich auf die nächsten Spielzeiten mit van Steen. Gleichzeitig sieht er den Wechsel an der Spitze des Orchesters als „Aufbruch und Neubeginn“: „Es gilt jetzt, eine starke Musikerpersönlichkeit für diesen wichtigen und schwierigen Posten zu finden“, so Herzog, der sich jemanden wünscht, der in der Oper und als Konzertdirigent überzeugen kann. „Ein solcher Wechsel ist immer auch eine große Chance.“

 
 

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