Stadt Dortmund will getötete Hexen rehabilitieren

Gaby Kolle
Foto: Stadtarchiv Dortmund
Gerechtigkeit nach 425 Jahren: In seiner Sitzung am Donnerstag will der Rat der Stadt Dortmund die Hexen rehabilitieren, die im 16. Jahrhundert in der mittelalterlichen Stadt hingerichtet wurden. Bis zu 25 Hexen kamen in Stadt und Grafschaft Dortmund pro Jahr auf den Scheiterhaufen.

Dortmund. Sie hießen Korte Enne, Mümmel Elsken und Else Müller, genannt die "Heiligenschiedersche". Diese Frauen und viele weitere Opfer der Hexenprozesse im 16. Jahrhundert sollen am Donnerstag offiziell durch den Stadtrat rehabilitiert werden. Das hat der Ausschuss für Bürgerdienste auf Initiative des Heimatmuseums Lütgendortmund einstimmig beschlossen.

In den Jahren 1581 und 1593 sind in Stadt und Grafschaft Dortmund Menschen wegen Zauberei und Hexerei auf unmenschliche Weise verfolgt, angeklagt, gefoltert und getötet worden, führt die Verwaltung aus. Allein im Jahr 1593 lassen sich bis zu 25 Hinrichtungsopfer in Dortmund ausmachen. Sie kamen aus allen sozialen Schichten. Nicht alle sind heute namentlich bekannt.

Ein Beschluss des Rates, so der Verein Heimatmuseum Lütgendortmund, soll als symbolischer Akt daran erinnern, "dass Unrecht nicht das letzte Wort behält, egal wie viel Zeit vergangen ist." Es gehe nicht um eine juristische Rehabilitierung, da die Stadt Dortmund nicht Rechtsnachfolgerin der Reichsstadt Dortmund ist, sondern nur um eine sozialethische und moralische.

Andere Städte als Vorbilder

"Damit kommt endlich etwas zum Abschluss, für das sich viele Menschen in Dortmund in den letzten Jahren eingesetzt haben", freut sich Svenja Noltemeyer (Grüne). Ihre Ratsfraktion hatte schon vor zwei Jahren Entsprechendes gefordert, damals ohne Erfolg. Auch andere Städte wie Düsseldorf, Köln und Osnabrück haben die Opfer der Hexenprozesse bereits rehabilitiert.