Stadt Dortmund sieht Südtribüne als Denkmal

Foto: foto.schwatzgelb.de

Dortmund. Die Südtribüne des Dortmunder Stadions ist mit ihren knapp 25.000 Stehplätzen die größte frei stehende Stehplatztribüne in Europa. Dieses Monument des Fußballsports soll jetzt in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen werden. Ein "schönes Geschenk" zum 100. Geburtstag des BVB.

Die Südtribüne wird Denkmal. Der Verwaltungsvorstand stimmte in seiner Sitzung am Dienstag einer entsprechenden Vorlage der Unteren Denkmalbehörde zu und leitete sie zur Kenntnisnahme an Hauptausschuss und Rat der Stadt weiter. Beide Gremien werden sich schon am 10. Dezember mit dem Thema befassen.

„Ein schöneres Geschenk kann man unserer Borussia zu ihrem 100. Geburtstag eigentlich nicht machen. Denn die Südtribüne und ihre Geschichte symbolisieren in ganz besonderer Weise die enge Verbundenheit des BVB zu seinen Fans“, spielte Oberbürgermeister Ullrich Sierau auf die unmittelbar bevorstehende große Geburtstagsfeier im Rathaus an.

Enge Gemeinschaft und pures Fußballvergnügen

„Es war nicht das Streben nach Komfort und Luxus, sondern der Wunsch nach enger Gemeinschaft und purem Fußballvergnügen, der sich in der Ausbildung von Stehrängen und deren unverminderter Akzeptanz bis heute nachvollziehen lässt.“ So heißt es in der Begründung des Denkmalwertes, die die Dortmunder Denkmalbehörde vorgelegt hatte. Am 2. April 1974 wurde das Stadion als erste reine Fußballarena in Deutschland eingeweiht. Erst die Benennung Dortmunds als Spielort für die 1974-er Weltmeisterschaft und die damit verbundenen Zuschüsse hatten den Neubau eines Stadions möglich gemacht. Aus Kostengründen ließen sich die Verantwortlichen damals von einem Stadionneubau in Montreal, Kanada, inspirieren, der in Fertigbauweise errichtet wurde. So entstanden vier Tribünen aus vorgefertigten Stahlbetonelementen, die ohne trennende Laufbahn dicht an das Spielfeld heranreichten.

Anders als die Ost- und Westtribüne hatte man die Süd- und Nordtribüne als Stehtribünen konzipiert. Unter der Südtribüne befanden sich Fitness- und Umkleideräume, eine Sanitätsstation und Toilettenanlagen.

Drei Ausbaustufen

Zwischen 1995 und 2003 wurde das Stadion in drei Ausbaustufen umgestaltet, wovon auch die Südtribüne betroffen war. Sicherheitsaspekte und wirtschaftliche Gründe waren dafür ausschlaggebend.

Nachdem es 1989 in England auf einer überfüllten Stehtribüne zu einem tragischen Unfall mit 96 Toten kam, wurden die Stehtribünen für den internationalen Spielbetrieb nach und nach abgeschafft. Zudem mussten die Stadionbetreiber den wirtschaftlichen Zwängen entsprechen und die Stadien durch mehr Komfort auch für neue Zielgruppen interessant machen. Fußballstadien entwickelten sich zu multifunktionalen Arenen. Dies entsprach nicht unbedingt dem Bedürfnis der Fußballfans, die der festen Überzeugung waren und sind, dass Fußball mit großer Begeisterung sich nur im Stehen zelebrieren und feiern lässt.

Gelbe Wand

Auch der Signal-Iduna-Park konnte sich diesem Trend nicht gänzlich ver-schließen. Die Verantwortlichen leisteten sich beim Umbau des altehrwürdigen Westfalenstadions allerdings den „Luxus“, einem zentralen Wunsch der Fußballfans zu entsprechen: Zwar wurde das Fassungsvermögen der Südtribüne erweitert, sie blieb aber im Grundsatz eine Stehplatztribüne. Lediglich bei internationalen Spielen werden gemäß der Verbandsvorgeben temporär 10.500 Sitzschalen montiert. Damit trotzt „die gelbe Wand“, so wird die Südtribüne in eigenen und generischen Fankreisen respektvoll genannt, den modernen Entwicklungen in der internationalen Welt der Fußballstadionbauten – sicher zur Freude der Anhänger des BVB 09.

 
 

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