Stadt Dortmund hisst vor dem Rathaus die tibetische Flagge

Timo Baudzus
Anlässlich des Volksaufstandes in Tibet 1952 wird die Stadt Dortmund am 10. März die tibetische Flagge vor dem Rathaus hissen. Foto: Knut Vahlensieck
Anlässlich des Volksaufstandes in Tibet 1952 wird die Stadt Dortmund am 10. März die tibetische Flagge vor dem Rathaus hissen. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Die Stadt Dortmund erklärt sich Tibet gegenüber solidarisch und hisst am Samstag bereits zum zweiten Mal nach 2011die tibetische Flagge vor ihrem Rathaus. Oberbürgermeister Sierau erklärte, man wende sich so gegen fortdauernde Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der tibetischen Kultur.

Dortmund. Unter dem Motto „Flagge zeigen für Tibet“ wird am Samstag in mehreren hundert deutschen Städten auf öffentlichen Gebäuden die tibetische Flagge gehisst - so auch in Dortmund. Dazu ruft bereits zum 16. Mal seit 1996 die Tibet Initiative Deutschland e.V. auf. Die Aktion soll das Recht des tibetischen Volkes auf Selbstbestimmung und Bewahrung seiner kulturellen, religiösen und nationalen Identität bekräftigen.

„Durch das Hissen der tibetischen Flagge vor dem Rathaus“, so Oberbürgermeister Ullrich Sierau, „wollen wir stellvertretend für viele Bürgerinnen und Bürger deutlich machen, dass das tibetische Volk ein verbrieftes Recht auf Selbstbestimmung hat.“ Der Dortmunder Oberbürgermeister erklärte in einer Mitteilung, dass man sich mit der Aktion gegen fortdauernde Menschenrechtsverletzungen und die Zerstörung der tibetischen Kultur, Religion und nationalen Identität durch die chinesischen Machthaber wende.

Hintergründe verstehen

Lothar Wendler vom Arbeitskreis Tibet begrüßt diese Aktion als Möglichkeit, auf die „desolate Situation der Tibeter“ aufmerksam zu machen. Wendler kritisierte, dass das „Tibet-Thema“ in der westlichen Medienlandschaft nicht mehr so präsent sei wie in der Vergangenheit. Wendler konstatiert jedoch, dass die Tibeter seit Langem schon einen Platz im Herzen der deutschen Bevölkerung haben. Dennoch hält er es für unwahrscheinlich, dass sich die Kampagne nachhaltig auf das politische Handeln auswirkt. „Aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Wendler gegenüber DerWesten.

Karin Zhang hingegen mahnt, das Thema etwas differenzierter zu betrachten. Die Leiterin des deutsch-chinesischen Länderkreises, ist „grundsätzlich gegen die Misshandlung jeglicher Menschen“. Bei dem Thema Tibet müsse man jedoch die historischen Hintergründe verstehen, die die Chinesen zu dem rigorosen Vorgehen gegen die Tibeter veranlassten. Dennoch räumt sie ein, es liege bei der chinesischen Regierung vieles im Argen, jedoch sei auch die Darstellung der westlichen Welt in der Tibet-Thematik einseitig und nicht immer korrekt.

Deutschland weltweit an der Spitze

Seit 1996 hissen Städte und Gemeinden aus Sympathie für die gewaltlose, versöhnliche Politik des Dalai Lama die tibetische Nationalfahne, in deren Zentrum zwei Schneelöwen vor einem schneebedeckten Berg stehen, über dem die Sonne aufgeht. Das Motiv, das tief in der tibetischen Tradition fußt, ist das äußere Symbol des Rechts der Tibeter auf Eigenständigkeit. Die Schneelöwen stehen für die Regierung, die geistliche und weltliche Macht vereint. Die aufgehende Sonne symbolisiert das immer wiederkehrende Leben und der überdimensionale rote und blaue Strahlenkranz die sechs alten Völker Tibets sowie die vom Himmel kommende Ordnung, die bewahrt und beschützt werden muss.

Bei der Anzahl der Teilnehmer an der Flaggen-Aktion liegt Deutschland weltweit an der Spitze. 1996 waren es 21 Städte, die dem Ruf der Initiative gefolgt sind und die Flagge gehisst haben, im Jahr 2009 waren es bereits rund 1000. In diesem Jahr sind 133 Städte in Nordrhein-Westfalen beteiligt.