Stadt diskutiert Aktien-Kauf bei RWE-Tochter

Soll sich Dortmund auch an der neuen Öko-Tochter des Energiekonzerns RWE beteiligen, die im Herbst an die Börse geht? Oberbürgermeister Ullrich Sierau sieht darin eine große Chance. Im Energieausschuss der Stadtwerke wurde jetzt erstmals diskutiert, wie ein Einstieg bei "Newco" aussehen könnte. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Dortmund. Was hat der RWE-Konzern vor?

Der Energiekonzern stellt sich neu auf. Dazu hat er seine neue Tochter Newco gegründet, in der RWE die Zukunftssparten Erneuerbare Energien, Netze und Vertrieb bündelt. Bei der Muttergesellschaft RWE AG verbleiben die konventionellen Kraftwerke, der Energiehandel und die Atomsparte. Die Zukunft aber soll bei Newco liegen, mit der RWE im Herbst an die Börse gehen und Kapital einsammeln will. Die Erlöse sollen maßgeblich in Investitionen für Erneuerbare Energien fließen.

Was macht die Diskussion um einen Einstieg bei Newco so schwierig?

Dafür gibt es viele Gründe. Ohnehin sind etliche wichtige Punkte noch offen. Niemand weiß, wie hoch der Ausgabekurs der Aktien liegen wird; zudem gibt es auch noch keinen Börsenprospekt. Das Problem liegt darin, dass niemand zuverlässig vorhersagen kann, wie sich der Aktienkurs bei Newco entwickelt.

Mit ihren gut 23,6 Millionen Aktien, die die Stadt über ihre Tochter Dortmunder Stadtwerke (DSW21) an der RWE AG hält, hat sie zuletzt böse Erfahrungen gemacht. Früher waren RWE-Aktien eine sichere Bank. Noch im Jahre 2000 etwa hat RWE gut 40 Millionen Euro an Dortmund ausgeschüttet. 2015 war es fast nur noch die Hälfte (22 Millionen Euro). Und für 2016 gibt es gar keine Dividende mehr auf Stammaktien. Dadurch gehen DSW21 in diesem Jahr rund 20 Millionen Euro verloren. Die Energiewende fordert ihren Tribut. Das hatte auch RWE noch vor Jahren nur bedingt auf dem Radar. Mit der Öko-Tochter Newco soll nun das Ruder herumgerissen werden.

Wie könnte sich ein Einstieg bei Newco darstellen?

Mögliche Modelle sind erstmals vergangene Woche im Energieausschuss von DSW21 vorgestellt worden. Dabei wurde unterstellt, dass Newco im Herbst mit einer ersten Tranche von rund 2 Milliarden Euro an die Börse geht. Diskutiert wird über eine Beteiligung zwischen 100 und 200 Millionen Euro. Das ist aus Sicht von RWE sicherlich eine Mini-Beteiligung, für die Stadt und DSW21 aber eine hohe Summe. Möglich wäre, das Geld auf dem Kapitalmarkt aufzunehmen. Ein Teil der Kreditkosten, so die Überlegung, könnt dadurch getilgt werden, dass sich DSW21 zu einem späteren Zeitpunkt zumindest einen Teil ihrer Aktienbestandes an der Mutter RWE AG abstößt.

Wie hoch sollen denn die Erlöse für Aktien sein, deren Kurs gerade noch 11 Euro beträgt?

Deshalb ist ein Verkauf zum jetzigen Zeitpunkt für Dortmund keine Lösung. Analysten gehen davon aus, dass die RWE-Aktie momentan unterbewertet sei und RWE AG auf Dauer auch wieder Dividende ausschütten werde. Die Aktie werde sich erholen, wenn die Rahmenbedingungen für die Haftungsfragen der Energiekonzerne beim Atomausstieg geklärt seien. Es sei aber nicht vorstellbar, dass die neue Öko-Tochter ihre Aktionäre befriedige, während die Anteileigner der Obergesellschaft RWE AG dauerhaft leer ausgingen.

Das klingt ein bisschen nach "Alles wird wieder gut". Sieht das die Dortmunder Politik ähnlich?

Nicht ganz. Sie hat sich mit der Frage, ob Dortmund bei Newco einsteigen soll, noch gar nicht umfassend auseinander gesetzt. Das Thema ist bislang weder im Rat der Stadt noch im DSW21-Aufsichtsrat diskutiert worden. Das müsste aber bald der Fall sein, wenn Dortmund wirklich schon im Herbst dabei sein will. Im Energieausschuss von DSW21 haben die Politiker jetzt erstmals gehört, wie eine Beteiligung funktionieren könnte - aber entschieden ist noch lange nichts.

CDU-Fraktionschef Ulrich Monegel gibt zu bedenken, dass es sich um "ein hochspekulatives Geschäft" handele. "Ich weiß nicht, ob wir gleich schon zum Start des Börsenganges dabei sein müssen." Monegel verweist auf die Millionenverluste, die Dortmund zuletzt mit anderen Geschäften im Energiebereich hinnehmen musste. SPD-Fraktionschef Norbert Schilff dagegen sagt, er wünsche sich den Einstieg bei Newco. Er warnt aber gleichzeitig vor dem "fatalen Signal", sich im Gegenzug aktuell aus der RWE AG zurückzuziehen.

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