Staatssekretär Eumann bangt um seinen Doktortitel

Medienstaatssekretär Jan Marc Eumann muss um seinen Doktortitel bangen. Er soll bei seiner eigenen Magisterarbeit abgeschrieben haben, ohne dies ausreichend kenntlich gemacht zu haben.
Medienstaatssekretär Jan Marc Eumann muss um seinen Doktortitel bangen. Er soll bei seiner eigenen Magisterarbeit abgeschrieben haben, ohne dies ausreichend kenntlich gemacht zu haben.
Foto: Stephan Glagla
Die TU Dortmund entscheidet in Kürze über die Aberkennung des Titels von Medienstaatssekretär Jan Marc Eumann. Eine Klage des SPD-Politikers gegen die Uni ist wahrscheinlich. Eumann, der um sein Amt fürchten muss, fühlt sich zu Unrecht als „Promotionsbetrüger“ an den Pranger gestellt.

Düsseldorf.. Am Freitag erhielt Marc Jan Eumann Post der unangenehmen Sorte. Die Technische Universität (TU) Dortmund eröffnete dem NRW-Medienstaatssekretär, dass der Rat der Fakultät 15 unmittelbar vor der Entscheidung im Verfahren über die Aberkennung seines Doktorgrads stehe. Es wird, da macht sich Eumann offenbar kaum Illusionen, nur noch Tage dauern, bis er als erster prominenter SPD-Politiker seinen Doktortitel verliert – und ein Rechtsstreit mit der Dortmunder Uni beginnt. Denn der 47-Jährige, der um sein Amt fürchten muss, fühlt sich zu Unrecht als „Promotionsbetrüger“ an den Pranger gestellt.

Eumann wird im Kern vorgeworfen, 2011 am Institut für Journalistik eine Doktorarbeit unter dem Titel „Der Deutsche Presse-Dienst. Nachrichtenagentur in der britischen Zone 1945 – 1949“ eingereicht zu haben, die eine Art Zweitverwertung seiner 20 Jahre alten, an der Uni Köln geschriebenen Magisterarbeit sein soll. Eine Prüfungskommission hat zwar ermittelt, dass lediglich 31 Prozent der Dissertation auf der Magisterarbeit fußen. Dennoch empfinden die Experten „den Abstand“ zwischen den beiden Abhandlungen als zu gering.

Der Bonner Rechtsgelehrte Wolfgang Löwer als externer Gutachter sieht zudem einen Verstoß gegen die Promotionsordnung, weil Eumann bei Einreichung der Arbeit nicht ausdrücklich erklärt habe, dass sie „ganz oder in einer anderen Fassung oder in Teilen“ schon einmal Gegenstand einer Prüfung war. Das Rektorat der TU Dortmund ist schon vor dem zuständigen Fakultätsrat mit der Feststellung an die Öffentlichkeit gegangen, Eumann werde „erhebliches wissenschaftliches Fehlverhalten“ zur Last gelegt.

Was wusste der Doktorvater?

Eumanns Anwälte dürften darauf pochen, dass ihr Mandant die Magisterarbeit quantitativ und substanziell weiterentwickelt habe. Ein verbotenes „Selbstplagiat“ könne nicht vorliegen, weil Eumann seine Magisterarbeit 1991 nicht im Rechtssinn veröffentlichte und so nicht wissenschaftlich zitieren musste. Eumann will mit dem Ursprungstext dennoch offen umgegangen sein. Bei der Anmeldung zur Promotion habe er ein Magisterzeugnis eingereicht, auf dem der Titel seiner Arbeit ausgewiesen war. Die Doktorarbeit wiederum beinhalte keinen geschlossenen Textblock, der schon einmal Gegenstand einer anderen Prüfung war.

Eine sonderbare Rolle spielt Eumanns Doktorvater, der emeritierte Professor Horst Pöttker. Er hatte das Überprüfungsverfahren nach einer kritischen Rezension selbst in Gang gesetzt und behauptet, die Magisterarbeit nicht gekannt zu haben. Allerdings hat Pöttker Eumanns Vorwort zur Druckfassung, in dem die Magisterarbeit erwähnt wird, selbst redigiert. Zudem war ihm Eumann im Januar 2010 als Doktorand mit einer fast fertigen Dissertation vom späteren Zweitgutachter Professor Ulrich Pätzold vorgestellt worden. Nachfragen zur Historie eine solchen Arbeit wären da die Regel.

 
 

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