Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchter Tötung eines Polizisten

DerWesten
Proteste gegen die Nazi-Demo in Dortmund. Foto: Bauer
Proteste gegen die Nazi-Demo in Dortmund. Foto: Bauer
Nach Unruhen während der Proteste gegen den Dortmunder Nazi-Aufmarsch ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchter Tötung. Ein Demonstrant soll mit einem Stein auf den Kopf eines Polizisten gezielt haben. Derweil meldet sich ein Beamter zu Wort.

Dortmund. Schwere Vorwürfe gegen einen bisher unbekannten Teilnehmer der Demonstration gegen den Nazi-Aufmarsch in Dortmund: Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts der versuchten Tötung eines Polizisten.

In der Nordstadt waren am Samstag zwei Beamte in einem Polizei-Bulli von Demonstranten angegriffen worden. „Auf einen der Beamten soll gezielt mit einem Stein geworfen worden sein. Dazu gibt es zwar kein Bildmaterial, aber Zeugenaussagen“, so Staatsanwalt Henner Kruse. Der Polizist habe sich rechtzeitig wegducken können, sonst wäre er vermutlich aus nächster Nähe am Kopf getroffen worden. „Aussagen und Spuren werden derzeit ausgewertet, es wird aber schwierig werden, den Täter zu finden“, sagt Kruse.

Den Angriff Autonomer auf einen weiteren Polizei-Bulli wertet die Staatsanwaltschaft hingegen nicht als gezielten Angriff auf dessen Fahrer. „Der Angriff war zwar massiv, galt aber vermutlich vor allem dem Wagen“, sagt Kruse. Zu dieser Einschätzung sei die Staatsanwaltschaft nach Auswertung von Videobildern gekommen. Der Polizist, der allein im Wagen saß, war durch Glasscherben der geborstenen Scheiben verletzt worden und hatte einen Schock erlitten.

„Wenn du hier lebend rauskommen willst, muss du Gas geben“

Der „Bild“-Zeitung sagte der 42-Jährige, er habe unmittelbar beim Angriff gedacht, er solle getötet werden. „Als erstes schlug irgendein Gegenstand in die Frontscheibe ein, dann prasselte Glas von allen Seiten. Ich wurde getroffen, habe schnell meine Jacke über den Kopf gezogen, mich geduckt“, so der Vater eines 18 Monate alten Sohnes.

Die Videobilder zeigen, dass der 42-Jährige Sekunden später seinen Wagen wieder in Bewegung setzt. „Ich dachte: Wenn du hier lebend rauskommen willst, musst du Gas geben.“

Bis heute leidet der Beamte an den Folgen des Schocks. Er habe Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Schweißausbrüche. Er sei noch immer entsetzt, dass sein Leben aufs Spiel gesetzt worden sei, nur weil er eine Uniform getragen habe.