Sprach-Preis für Buhrow und Rüge für Pleitgen

„Sprachpanscher des Jahres: Fritz Pleitgen. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool
„Sprachpanscher des Jahres: Fritz Pleitgen. Foto: Karl Gatzmanga / WAZ FotoPool
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Dortmund als neues linguistisches Zentrum? Während der hier ansässige Verein Deutsche Sprache nun Fritz Pleitgen zum „Sprachpanscher des Jahres“ kürte, erhält Tom Buhrow von der Gesellschaft für Sprachheilpädagogik den Preis „Gute Sprache“.

Schon der Name und die Zielrichtung: Die Deutsche Gesellschaft für Sprachheilpädagogik (dgs e.V.) versteht sich als Fachverband, der sich für die Interessen der von Sprachbehinderung bedrohten oder betroffenen Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen durch Frühförderung, durch ambulante, schulische und/oder stationäre Rehabilitation und durch Nachsorge einsetzt. Kurz: Also irgendwas Gutes zur Rettung der deutschen Sprache.

Anlässlich des Bundeskongresses vom 23. bis 25. September 2010 im Kongresszentrum der Westfalenhallen Dortmund wird in diesem Jahr erstmalig der Preis „Gute Sprache“ verliehen. Ausgezeichnet werden Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und durch innovative Projekte vorbildhafte, kindgerechte Sprache in den Vordergrund stellen. Den Blick auf gute Sprache zu richten, sei in Zeiten sich wandelnder Kommunikationsstrukturen mehr denn je von immenser Notwendigkeit, meint der Verein dgs. „Sprache ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe, ist sowohl in schriftlicher als auch in mündlicher Form zentrales Kommunikationsmedium und zugleich wichtigste Determinante jeden Lernens.“ Wer hätte das gedacht.

Der Preis „Gute Sprache“ von den Sprachheilpädagogen geht nun an den (wohl gemerkt) deutschen Fernsehjournalisten und Moderator der ARD-Tagesthemen Tom Buhrow für sein innovatives Radioprojekt „SWR3 Tim fragt Tom“: Hier versucht der Nachrichtenmann „Tom“, dem kleinen „Tim“ aktuelle Begriffe und Themen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (z.B. Ratingagentur, Demoskopie, Integration, UNO) möglichst einfach, anschaulich und vor allem kindgerecht in vorbildhafter Sprache zu erklären. Quasi Dingsda für Fortgeschrittene. Dafür erhält Buhrow die Auszeichnung am Donnerstag, 23. September, um 12.30 Uhr im Anschluss an die Eröffnungsveranstaltung des Kongresses, zu dem etwa 1000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet werden. Vielleicht nehmen Österreicher, Schweizer und Bayern wichtige Erkenntnisse mit von Themen wie dem Impulsreferat von Prof. Dr. Ute Ritterfe4ld (TU Dortmund), die sich - Zitat - „den Problemen rund um die Sicherstellung und die Qualität von spezifischen Sprachfördermaßnahmen aus den Blickwinkeln der verschiedenen Professionen“ widmen will.

Der 51-jährige Buhrow moderiert seit 2006 die „Tagesthemen“ in der ARD. Zuvor war er Leiter des ARD-Studios Washington. Der gebürtige Rheinländer wurde bisher unter anderem mit dem 1. Preis der „RIAS-Kommission“ und dem Preis der Herbert-Quandt-Stiftung ausgezeichnet. Und wenn er sich nicht verhaspelt, dann folgen bestimmt noch weitere Ehrungen.

Kulturhauptstadt mit „volunteers“ und in „denglisch“

Des einen Freud, des anderen Leid: Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Ruhr.2010 GmbH, Fritz Pleitgen, ist vom Verein Deutsche Sprache zum „Sprachpanscher des Jahres“ gewählt worden. Wie der allzeit kritische Verein am Freitag in Dortmund mitteilte, habe Pleitgen nicht verhindert, dass die Kulturhauptstadt Essen für das Ruhrgebiet mit zahlreichen „denglischen Imponiervokabeln“ arbeite. So würden freiwillige Helfer der Kulturhauptstadt beispielsweise als „volunteers“ bezeichnet. Ein ziemliches no-go, wie der Verfasser dieser Zeilen meint.

Marc-Oliver Hänig, Sprecher der Ruhr.2010, verteidigt den „denglischen“ Duktus in einer Stellungnahme: „Die Kulturhauptstadt Europas ist, wie es der Name ausdrückt, eine europäische Angelegenheit. Unser Programm ist überdies betont auf Europa ausgerichtet. Nicht nur viele Städte, sondern auch hunderte Künstlerinnen und Künstler, die unser Programm mitgestalten, kommen aus Mitgliedsländern der Europäischen Union. Für diese Partner haben wir einige der Titel seriös in der Hauptverkehrssprache der EU ausgedrückt. Anbiederung oder Wichtigtuerei stecken nicht dahinter. Denglisch ist dabei gemieden worden.“

Pleitgen unschuldig und gegen Anglizismen

Von Fritz Pleitgen, so Hänig, stamme kein einziger Titel. Pleitgen hätte immer wieder gemahnt, es mit Anglizismen nicht zu übertreiben. Andererseits hätten einige Autorenteams darauf bestanden, dass ihre mit Bedacht und Blick auf die Internationalität des Programms und der Besucher gewählten Titel nicht verändert würden. Hänig: „Da Fritz Pleitgen nicht den Zensor herauskehren wollte, hat er nach einigen Diskussionen zugestimmt, womit er – wie er selbst sagt – als Vorsitzender der Geschäftsführung der Ruhr.2010 die Letztverantwortung für alle Titel trägt.“

Der Verein Deutsche Sprache hat rund 30.000 Mitglieder und wählt seit 1997 einen „Sprachpanscher des Jahres“. Dabei werden Personen oder Institutionen mit dem Negativpreis gewürdigt, die aus Sicht des Vereins unnötigerweise englische Begriffe verwenden. Zu den bisherigen Preisträgern zählen Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel oder der deutsche EU-Kommissar Günther Oettinger von der CDU. (mit ddp)

 
 

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