Spielsüchtige verzocken in Dortmund 37 Millionen Euro im Jahr

Glücksspiel-Süchtige verzocken an Dortmunds Automaten 37 Millionen Euro im Jahr. Foto: ddp
Glücksspiel-Süchtige verzocken an Dortmunds Automaten 37 Millionen Euro im Jahr. Foto: ddp
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Dortmund.. 5000 Dortmunder sind spielsüchtig. Allein im vergangenen Jahr haben sie an den rund 2100 Spielautomaten in der Stadt 37 Millionen Euro verzockt – und Sportwetten, Kasinos und Online-Glücksspiele kommen noch dazu.

Zuerst verdächtigt die Ehefrau ihren Mann eines ganz anderen Lasters. Weil er zu spät nach Hause kommt, andauernd abgelenkt und pleite ist. Sie denkt, er könnte vielleicht eine Geliebte haben, die ihn Zeit und Geld kostet.

Auf die Idee, dass ihr Mann süchtig danach ist, auf die rotierenden, mit Früchten oder Goldmünzen bedruckten Scheiben eines Geldspielautomaten zu starren, kommt sie nicht.

Solche Geschichten höre er oft von Angehörigen der von ihm betreuten Spieler, erklärt Jürgen Trümper. Er ist Geschäftsführer des Arbeitskreises Glücksspielsucht e.V. Bei ihm sitzen Spieler, die ihre Sucht nicht mehr verbergen können und Hilfe suchen.

5000, meist männliche Dortmunder sind süchtig nach Glücksspielen. Laut Caritas verzockten sie allein im letzten Jahr an den rund 2100 Dortmunder Spielautomaten 37 Millionen Euro. Hinzu kommen noch Spielangebote wie Sportwetten, Kasinospiele, Glücksspiel im Internet und legale sowie illegale Kartenspiele. Gerade der Markt im Internet wächst. Gemeinsam mit der immer nobler werdenden Ausstattung der klassischen Spielhallen macht das das Zocken auch für Frauen attraktiver.

Die krankhaften Spieler fallen in der Gesellschaft nicht auf. Im Unterschied zu Alkohol- oder Drogenabhängigen könnten sie ihre Sucht gut kaschieren, so Trümper. „Beim Glücksspiel sieht man es dem Menschen nicht unmittelbar an, dass er gespielt hat“. Fliegt der Deckmantel doch auf, dann meistens, weil die finanziellen Probleme nicht mehr zu verheimlichen sind.

Norbert Quinting, Teamleiter der Suchtberatung der Caritas in Dortmund, spricht von „bis zu Hunderttausenden von Euro“ Schulden und von Problemspielern, die stehlen und betrügen, um ihre Sucht zu finanzieren.

Beginnen sie eine Therapie, steht ihnen ein harter Weg bevor. Geld lässt sich nicht wie Schnaps aus der Wohnung, aus dem Alltag verbannen. Immer wieder sind die krankhaften Spieler der Versuchung ausgesetzt zu spielen.

Ein Lösungsansatz der Suchtberatungsstelle ist es, dass die Klienten die Verantwortung für ihr Geld abgeben. Sie verwalten beispielsweise das Konto zusammen mit einem Betreuer oder geben ihre Bankkarte ab. Parallel zu diesen Maßnahmen laufen Entschuldung und Therapie. In Gesprächsgruppen tauscht man sich über die Suchterfahrungen aus, motiviert einander. Damit der ehemalige Spieler irgendwann mit vollem Portemonnaie an einer der 160 Dortmunder Spielhallen vorbei gehen kann.

 
 

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