Dortmund

„Spiegel.TV“ im Dortmunder „Nazi-Kiez“: Aussage des Vermieters macht fassunglos

„Spiegel.TV“ war im sogenannten „Nazi-Kiez“in Dortmund unterwegs. (Archivbild)
„Spiegel.TV“ war im sogenannten „Nazi-Kiez“in Dortmund unterwegs. (Archivbild)
Foto: Funke Foto Services

Dortmund. „Hier ist so eine Art Technologiepark für Neonazis“, sagt Michael Brück, Landesvorsitzender der Kleinpartei „Die Rechte“, und blickt auf die Nazi-Schmierereien in Dortmund-Dorstfeld.

„Wir hatten hier schon Touristen aus Bayern, die sich haben ablichten lassen, das ist ein sehr großer Publikumsmagnet“, sagt er. „Eigentlich sollte die Stadt Dortmund bemüht sein, diesen Schutz zu erhalten, ihn unter Denkmalschutz zu stellen, ihn aufzuwerten oder vielleicht zu bewerben“, spottet er über die Bemühungen von Stadt und Polizei, die Nazi-Grafitti entfernen zu lassen.

„Spiegel.TV“ war im „Nazi-Kiez“ in Dortmund und erzählt, wie es überhaupt soweit kommen konnte, dass ein ganzer Straßenzug in den Händen von Neonazis ist.

„Spiegel.TV“: So wurde Dortmund-Dorstfeld zum Nazi-Kiez

Der ehemalige Steuerberater Kurt Poth war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich hier in Dortmund-Dorstfeld ein Nazi-Kiez herausbildete. Er ist der Besitzer der Häuser, in dem mittlerweile Brück und andere Nazis wie Siegfried Borchardt („SS-Siggi“) untergekommen sind.

Vor zehn Jahren siedelten sich die ersten in einem seiner Häuser an, es folgten viele weitere. „Ich bin 90, seit 70 Jahren kriege ich mich mit Mietern rum, die letzten zehn Jahre hab ich noch nie so gute Mieter gehabt im Mietverhältnis. Alles andere ist egal. Bevor die hier drin waren, war jeden Tag laute Musik, die Blagen spielten hier, jeden Tag saßen sie oben auf den Dächern. Das ist alles vorbei. Seitdem die hier wohnen, ist hier Ruhe und Frieden, es wird bezahlt“, sagt der Rentner.

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Mit den Aufmärschen habe er nichts am Hut. Auch wenn er 50 wäre, wäre das nichts für ihn. Er sei schließlich in der CDU. Nazis in seinem Haus, für ihn kein Problem: „Die sind doch in Ordnung, die machen mir doch nix.“

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Und so konnte der Nazi-Kiez über die Jahre wachsen und gedeihen. Der Journalist Peter Bandermann sagt darüber: „Wer bundesweit oder in seiner eigenen Szene was werden will, der muss mal in Dortmund gewesen sein. Und nicht nur mit dem Fuß, sondern auch mit dem Kopf.“

Dorstfeld sei längst Ausbildungsstelle, hier erhielten die Nazis in der Wohngemeinschaft eine „ideologische Schulung“, würden über Finanzen, Merchandising oder das Versammlungsrecht geschult.

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So marschierten die Rechten auch auch am vergangenen Samstag, mit dabei auch der „Hitler aus Kerkrade“. Wahlkampf für ihre Spitzenkandidatin Ursula Haverbeck. Die 90-jährige Holocaust-Leugnerin sitzt derzeit im Gefängnis.

„Wir unterstützen Ursula Haverbeck, weil sie eine Kämpferin für die Meinungsfreiheit ist“, sagt Brück, der in Dorstfeld einen Online-Shop betreibt, mit „allem was das Nazi-Herz begehrt.“

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633 Stimmen hat „Die Rechte“ bei den Europawahlen in Dortmund bekommen und blieb damit knapp hinter der Tierschutzpartei zurück. Den Einzug ins Europaparlament haben sie damit klar verpasst. (ms)

 
 

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