Spezialeinsatzkommando erschießt Mann (53) in Dortmund

Polizisten des Spezialeinsatzkommandos haben das Haus Am Funkturm in Dortmund-Neuasseln verlassen.
Polizisten des Spezialeinsatzkommandos haben das Haus Am Funkturm in Dortmund-Neuasseln verlassen.
Foto: Peter Bandermann, RN-Foto
  • Spezialeinsatzkommando wollte in Dortmund 53-Jährigen festnehmen, der mit Haftbefehl gesucht wurde
  • Der Gesuchte soll auf die Polizisten geschossen haben – diese erschossen ihn daraufhin
  • Staatsanwaltschaft Kleve ermittelte gegen ihn unter anderem wegen Zuhälterei, Betrugs und Urkundenfälschung

Dortmund.. Bei einem Einsatz eines Spezialeinsatzkommandos der Polizei ist in einem Hochhaus in der Funkturm-Siedlung im Dortmunder Stadtteil Neuasseln ein 53-jähriger Mann erschossen worden. "Ich hörte Schüsse und dann hieß es: Waffe runter – dann fielen wieder Schüsse. Und dann war Ruhe" - so schilderte ein Mieter aus einer Nachbarwohnung die ersten Sekunden am Donnerstagmorgen. "Ich wusste nicht, was da los war und wollte erst die Polizei sehen. Beim Blick aus dem Fenster war mir klar: Die Polizei ist schon da."

Polizist leicht verletzt

Das Spezialeinsatzkommando soll gegen 8.30 Uhr in die Wohnung in der zweiten Etage des Hochhauses Am Funkturm 53 eingedrungen sein. Sofort fielen Schüsse – die zuerst der Mieter abgegeben haben soll. Das SEK erwiderte das Feuer. Der 53 Jahre alte Mann wurde tödlich getroffen. Ein Polizeibeamter wurde leicht verletzt.

Über den Grund für den SEK-Einsatz gab es zuerst keine Angaben – außer, dass die Polizei in Kleve am Niederrhein den Einsatz veranlasst hat. Zuständig ist auch die Staatsanwaltschaft in Kleve. Der Mann wurde mit einem Untersuchungshaftbefehl gesucht. Das SEK wurde für die Festnahme eingesetzt, da der Gesuchte gefährlich gewesen sein soll.

Ermittlungen wegen Zuhälterei und Betruges

Mittags äußerten sich dann Staatsanwaltschaft und Polizei Kleve: Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen den Mann wegen Zuhälterei, gewerbsmäßigen Betruges, veruntreuende Unterschlagung sowie Urkundenfälschung. Der 53-Jährige habe wiederholt Internetbetrügereien begangen und Geld einer durch seine Vermittlung tätigen Prostituierten veruntreut, heißt es aus Kleve. Und weiter: "In weiteren Strafverfahren wurde er wegen gleichgelagerter und anderer Delikte zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt."

Doch am Dienstag (16. August 2016) sei der 53-Jährige in dieser Sache nicht zur Berufungsverhandlung gekommen. Daher wurde seine Berufung verworfen. Bei besagtem Verfahren, so Klever Staatsanwaltschaft und Polizei, habe er eine Zeugin bedroht und sie zu einer für ihn positiveren Aussage bewegen wollen.

Obduktion am Freitag

Die Dortmunder Staatsanwaltschaft sagte am Donnerstagmorgen, dass der Fall genau untersucht werde - wie jedes andere Tötungsdelikt auch. Seit dem Mittag untersucht eine Mordkommission den Tatort und erstellt ein Spurenbild. Die Ermittler versuchen, den Einsatz zu rekonstruieren. In der Wohnung des Getöteten wurde eine Schusswaffe entdeckt. Sie stammt nicht von Polizeibeamten. "Wir führen ein ganz normales Ermittlungsverfahren, wie bei jedem anderen Tötungsdelikt auch", sagte Staatsanwältin Sandra Lücke. Die Frage, ob das Spezialeinsatzkommando in Notwehr gehandelt habe, habe dabei eine "große relevante Rolle".

Am Nachmittag äußerten sich die Dortmunder Staatsanwaltschaft und Polizei: "Nach den bisherigen Ermittlungen ist davon auszugehen, dass der 53-jährige Mann im Besitz einer Schusswaffe war. Diese konnte sichergestellt werden." Nach den bisherigen Aussagen und der vorläufigen Auswertung der Spurenlage sei davon auszugehen, dass der 53-Jährige in Richtung der SEK-Beamten geschossen habe, nachdem diese die Wohnungstür gewaltsam geöffnet hätten. Dann soll es zu einem Schusswechsel gekommen sein, nach dem der 53-Jährige starb. Die umfangreiche Spurenauswertung dauert laut Staatsanwaltschaft und Polizei noch an. Die Obduktion findet am Freitag statt. (we)

 
 

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