Dortmund: SPD stocksauer, weil WDR-Moderator DAS nach der Stichwahl sagt

„Ich habe auch gedacht, ich höre nicht richtig!“: Mit einem Satz zur Stichwahl in Dortmund bringt WDR-Moderator Hübschen SPD-Anhänger gegen sich auf.
„Ich habe auch gedacht, ich höre nicht richtig!“: Mit einem Satz zur Stichwahl in Dortmund bringt WDR-Moderator Hübschen SPD-Anhänger gegen sich auf.
Foto: WDR/Mediathek, DERWESTEN Montage

Eigentlich können die SPD-Genossen ziemlich erleichtert sein: Knapp konnte die SPD ihre Hochburg Dortmund verteidigen. Seit dem Zweiten Weltkrieg gab es durchgehend nur SPD-Oberbürgermeister in der Westfalen-Metropole. Es bleibt dabei, dank eines hauchdünnen Vorsprungs von 51,97 Prozent für Kandidat Thomas Westphal (hier mehr zum Ergebnis der Stichwahl).

Doch ein WDR-Moderator bringt einige Sozialdemokraten mächtig auf die Palme! Ein einziger Satz in der WDR-Sendung „Aktuelle Stunde“ lässt sie stinksauer werden!

Stichwahl in Dortmund: WDR-Reporter macht Sozialdemokraten stinkwütend

WDR-Mann Henrik Hübschen (43), der sonst das Polit-Magazin „Westpol“ moderiert, leistet sich einen Fauxpas in der Live-Sendung „Aktuelle Stunde“. Als er die ersten Ergebnisse und Trends der Stichwahlen aus NRW vorstellt, kommt er auch auf Dortmund zu sprechen. Er sagt wörtlich:

„Wenn wir nochmal auf Dortmund gucken, was bei euch gerade im Beitrag anklang, da sieht es im Moment so aus, als wäre tatsächlich der SPD-Mann Thomas Westphal doch noch vor dem Herausforderer von Andreas Hollstein von der CDU, obwohl er von den Grünen unterstützt wird. Es sieht also so aus, als könnte die SPD diese vielbeschworene Herzkammer doch noch ein letztes Mal verteidigen.“

SPD-Ärger über WDR-Moderator nach Stichwahl: Ich habe auch gedacht, ich höre nicht richtig!

Ein letztes Mal? Hat Hübschen etwa eine Glaskugel und kann die nächsten Wahlen in Dortmund schon vorhersagen? Auch einige SPD-Anhänger hören da genau hin und ärgern sich. Der Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels twittert zorning, dieser Satz sei „kein objektiver Journalismus“. Seine Parteigenossin Christina Kampmann, die im Rennen um den SPD-Vorsitz war, stimmt zu: „Das habe ich auch eben gedacht!“

Weitere SPD-Genossen stimmen in den WDR-Ärger mit ein:

  • „Ich habe auch gedacht, ich höre nicht richtig!“
  • „Wie kann es sein, dass ein WDR-Reporter sinngemäß vor laufender Kamera sagt: SPD holt ein letztes Mal Dortmund. Das hat mit Journalismus nichts zu tun.“
  • „Zumal das Ergebnis 2014 knapper war!“ (Anmerkung der Redaktion: Damals siegte SPD-OB Ullrich Sierau mit 51,6 Prozent in der Stichwahl)

Doch einige SPD-Anhänger versuchen auch die Gemüter zu beruhigen: „Vielleicht sollten wir alle mal nicht nur bei unserer eigenen Partei jedes Wort auf die Goldwaage legen...“ Und tatsächlich wirkt es eher so, als sei der provokant klingende Satz dem erfahrenen WDR-Moderator nur herausgerutscht, zumal Hübschen zuvor über allgemeine Wahltrends in NRW sprach und dabei auch die absteigenden Kommunalwahl-Ergebnisse der SPD im Ruhrgebiet erwähnte. In diesen Kontext ist der Satz wohl einzuordnen.

WDR-Moderator Hübschen reagiert auf Kritik: „Falls es in 5 Jahren doch...“

Noch am Wahlabend reagiert Henrik Hübschen auf die SPD-Wut im Netz. Der Satz sei weder Prognose noch Hochrechnung, sondern „einfach unpräzise formuliert“ gewesen in der Live-Sendung. Dann fügt er ironisch hinzu: „Und falls es in 5 Jahren doch tatsächlich so kommen sollte, wie von mir heute vermeintlich vorhergesagt, spiele ich ab dann häufiger Lotto.“

WDR: Auch FDP-Abgeordneter regt sich am Wahlabend über den Sender auf

Aber damit nicht genug WDR-Ärger am Wahlabend: Die Programmgestaltung des Senders sorgt auf Twitter ebenso für Empörung. Diesmal nicht im SPD-Lager, sondern beim FDP-Bundestagsabgeordneten Otto Fricke.

Erst ab 18.45 Uhr werden die Stichwahlen erstmals Thema im WDR, nämlich in eben jener „Aktuellen Stunde“. Wobei auch hier zunächst verständlicherweise der Tod von Ex-Ministerpräsident Wolfgang Clement im Vordergrund steht.

Die Zuschauer müssen sich somit lange gedulden, bis sie überhaupt im Fernsehen von den Trends aus den Stichwahl-Städten und -Landkreisen erfahren, obwohl diese zu diesem Zeitpunkt bereits vielerorts klar sind.

Auch MdB Fricke wundert sich darüber, denn bis zur „Aktuellen Stunde“ sendet der WDR unbeirrt „Tiere suchen ein Zuhause“. Er erinnert den öffentlich-rechtlichen Sender deshalb über Twitter an seinen Auftrag. Ulrich Deppendorf, früher selbst WDR-Fernsehdirektor und Leiter des ARD-Hauptstadtstudios, kontert die Kritik sarkastisch in einem Tweet: „Bürgermeister/Bürgermeisterinnen suchen ein Zuhause!“

Stichwahlen in NRW im News-Ticker: Ergebnisse und Reaktionen

Hochspannung an Rhein und Ruhr, vom Lipper Land bis nach Westfalen: Am Sonntag fand die zweite Runde der NRW-Kommunalwahlen statt. In fast allen Großstädten in NRW gab es spannende OB-Stichwahlen. (mag)

 
 

EURE FAVORITEN