SPD entdeckt die Basisdemokratie in Dortmund

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Dortmund. Der Medienauflauf im Saal Tremonia des Dortmunder Rathauses war erheblich. Mehrere TV-Sender und Radio-Stationen, die großen, überregionalen Zeitungen: alle in Erwartung einer Überraschung. Was SPD-Landeschefin Hannelore Kraft dann präsentierte, hatte tatsächlich niemand auf der Rechnung.

Die Parteimitglieder - und das sind in Dortmund, dem bundesweit größten Unterbezirk, trotz dramatischen Schwundes immer noch gut 9.000 - sollen entscheiden, wer sich 2009 für die SPD um das OB-Amt bewirbt.

Am Montag hatte es in Dortmund noch einen SPD-Kandidaten gegeben: den amtierenden Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer, seit 1999 im Amt, zuletzt arg ins Trudeln geraten. Am Dienstag gab es einen zweiten Kandidaten: Jörg Stüdemann, Kulturdezernent und vom Vorsitzenden Franz-Josef Drabig sowie von Fraktionschef Ernst Prüsse als Herausforderer seines eigenen Chefs ins Rennen geschickt. Nun müsse man Langemeyer nur noch zum Verzicht bewegen.

Wobei Kraft den örtlichen SPD-Granden tatkräftig helfen sollte. Doch die Landeschefin, wegen ihres mangelhaften Krisenmanagements in der SPD-Hochburg selbst in der Kritik, dachte nicht daran. Bei einem Gipfeltreffen im Rathaus griff sie durch.

„Ich muss doch nicht alles verraten”

Ergebnis: Seit Mittwoch 12.45 Uhr gibt es drei SPD-Kandidaten:

Gerhard Langemeyer, der sich schon vor Wochen bereit erklärt hatte, sich „auch intern jedem Herausforderer stellen” zu wollen.

Jörg Stüdemann, am Dienstag noch „Wunschkandidat”, am Mittwoch nur noch einer unter dreien.

Und, nicht neu, sondern wieder dabei: Ullrich Sierau, Stadtdirektor und eigentlich schon aus dem Rennen. Denn Sierau war Drabigs Wunschkandidat, als die SPD-Spitze im Frühjahr erstmals gegen Langemeyer aufbegehrte. Und gegen die eigene Basis verlor - auch deshalb, weil Sierau seinerzeit erklärte, zwar OB werden zu wollen, keinesfalls aber gegen seinen Chef Langemeyer antrete.

Bis Mittwoch Frau Kraft in Dortmund vorbeischaute und die SPD im Handumdrehen von links auf rechts und wieder zurück zog. Nun soll ein basisdemokratischer Akt verhindern, dass die Sozialdemokraten in ihrer „Herzkammer” den Infarkt erleiden. Ob sie diese Lösung bereits im Kopf hatte, als ihr Dienstwagen um kurz vor 10 Uhr auf den Friedensplatz rollte, oder ob sie das Ergebnis der „offenen und schonunglosen Analyse” war? Kraft: „Ich muss doch nicht alles verraten.”

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