SPD Dortmund - Souveräne Missachtung

Foto: Knut Vahlensieck
Franz-Josef Drabig, seit 2006 an vorderster Stelle, bleibt Vorsitzender der Dortmunder SPD. Er wurde mit 83,5 Prozent der Stimmen wiedergewählt: 229 Ja, 35 Nein, 11 Enthaltungen.

Dortmund. Kein Rekordergebnis, aber Drabig zeigte sich zufrieden. Zuvor hatte er in seinem Rechenschaftsbericht auch kritische Töne anklingen lassen. Die Klage gegen die Wiederholungwahl „war nicht mein Weg“, formulierte Drabig und rief die Partei auf, politisch zu überzeugen, „wieder nach draußen zu gehen und wie bei den Stadtbezirken mit den Bürgern zu reden.“ Die SPD müsse auch deutlich machen, dass „Dortmund die Hauptstadt des Kampfes gegen die Nazis“ sei.

OB Sierau gegen Jamaika

In die Kerbe schlug auch OB Ullrich Sierau. Wer glaube, Jamaika sei eine politische Schatzinsel, sei in einem Bermuda-Dreeick gelandet. „da verliert man Stimmen.“ CDU-Chef Steffen Kanitz bedachte Sierau angesichts der gescheiterten Abstimmung über die Bezirke mit Hohn und bezeichnete ihn als „Herr Gar Nicht“ und „Herr Kann Nicht“. Außer dem Saufraum sei für Jamaika nichts herausgekommen, rief Sierau ins Mikro - die Delegierten johlten. Auf ebenso großen Applaus stieß Sierau mit seiner Ankündigung, er freue sich darauf, „mit Marco Bülow in den nächsten Bundestagswahlkampf zu ziehen“ - ein Schlag für Bülows Gegenkandidaten Dirk Goosmann. Damit nicht genug: Als Sierau in seiner Rede auch noch die nächste Kandidatur von Bernhard Rapkay für die Europa-Wahl 2014 ansprach, verfinsterte sich Rapkays Gesicht zusehends.

Konflikt zwischen Stadtwerke-Chef Pehlke und SPD-Chef Drabig

Den Arbeitnehmern in der SPD sicherte Sierau zu, er werde als OB alles tun, die städtischen Unternehmen trotz veränderter Rahmenbedingungen „stabil zu halten und ihnen mehr Arbeit zu verschaffen.“ Das dankte der Parteitag mit großem Beifall - Stadtwerke-Chef Guntram Pehlke war da schon auf dem Weg zum nächsten Termin. Während SPD-Mitglied (und Regierungspräsident) Gerd Bollermann und OB Sierau sich kurz vor der obligatorischen Erbsensuppe mit Würstchen zu kurzen Gesprächen am Rande des Parteitage zurückzogen, straften sich Stadtwerke-Chef Pehlke und SPD-Chef Drabig gegenseitig mit souveräner Missachtung - zu schwer wiegt zwischen Beiden der Konflikt um die künftige Aufstellung des Stadtwerke-Konzerns mit seinen Energietöchtern. Auch Manfred Kossack als Stadtwerke-Vorstand war nicht entgangen, wen der SPD-Parteichef als „Holding“ der städtischen Unternehmen sieht: den Rat der Stadt. Der Konflikt, der an vielen Delegierten völlig vorbei ging, ist noch lange nicht entschieden..

Finanzielle Nöte plagen die SPD auch angesichts kommender Wahltermine hingegen nicht. Schatzmeister Neuschäfer (er wurde mit 243 Ja-Stimmen gewählt) wartete aus 2011 mit 67 000 Euro Überschuss auf.

 
 

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