Spatenstich für das erste deutsche Fußballmuseum in Dortmund

Die Erde muss fliegen: Fussballlegende Uwe Seeler, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau,  NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, und DFB-Chef Wolfgang Niersbach machten den ersten Spatenstich.
Die Erde muss fliegen: Fussballlegende Uwe Seeler, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau, NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, und DFB-Chef Wolfgang Niersbach machten den ersten Spatenstich.
Foto: Ralf Rottmann
In Dortmund gesellte sich eine Altherrenmannschaft großer Spieler zum ersten Spatenstich für den geplanten „Wallfahrtsort für die ganze Nation“ – das Fußballmuseum des DFB. Die Landeskasse sponsert das Museum, das jüngst der Steuerzahlerbund kritisierte, mit immerhin 18,5 Millionen Euro.

Dortmund.. Wichtig ist auf’m Platz, natürlich haben sie dieses Zitat wieder bemüht. „Standardsituationen“ kennt der Fußball auch. Ein Doppelpass aus beidem aber dürfte so neu sein wie das deutsche Fußballmuseum, das nun in Dortmund entsteht: Der erste Spatenstich, so erklärt ein DFB-Sprecher am Donnerstag, werde in der „Vorplatzsituation“ gesetzt. Die symbolische Aktion sei nämlich gar nicht echt: „Wir graben hier nicht den Keller aus.“ Uwe Seeler, Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, strengt sich trotzdem an: „Ein bisschen Sand muss schon fliegen.“

Recht eigentlich müsse man den Fußball ja noch nicht „ins Museum packen“, scherzt Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die als erste den Bauhelm auf die neue Frisur stülpt, aber nun: Beim Betrachten der Ehrengäste lässt sich der Gedanke nicht so einfach wegkicken wie der Ball aus dem Strafraum. Aufgereiht in der „Vorplatzsituation“ gegenüber vom Hauptbahnhof steht hinter „Uns Uwe“ eine Altherren-Mannschaft. Sigi Held, Hans Tilkowski, die Kremers-Zwillinge Erwin und Helmut, Hoppi Kurrat, Otto Rehhagel, all’ die alten Kämpen – und Klaus Fischer.

Der war vor drei Jahren noch das Gesicht der Gelsenkirchener Mit-Bewerbung um das Fußballmuseum, konnte ausnahmsweise aber mal nicht punkten. „Viele haben den roten Teppich ausgerollt“, erinnert sich Hannelore Kraft mitfühlend, eine der wenigen Frauen auf dem Platz neben Grünen-Chefin Claudia Roth, die sie herzlich umarmt. Dortmunds Erzrivale verlor damals das Finale. Zum Spatenstich aber kommt Fischer nun als fröhlicher Unterstützer, begleitet von Olaf Thon, Rüdiger Abramczik und Schalke-Manager Peter Peters.

Ach, und der Assauer

Und natürlich reden die Alten über alte Zeiten. Hamborn 07! Spielvereinigung Erkenschwick! Beckenbauer 1990, Gründung der Bundesliga, erste Spiele, große Turniere, unvergessene Tore. Ach, und der Assauer. „Traurig.“ Und der Neururer mit seinem Herzinfarkt. „Der hat sich auch zu viel zugemutet.“ So reden sie am Rande und spielen sich die Anekdoten zu auf einer kleinen Bühne, von der aus man den ehemaligen Busbahnhof nicht mehr sieht, wo nun zwei Jahre lang das Museum wachsen soll. Die alten Geschichten werden sie dort nicht alle unterbringen können, wahrscheinlich nicht einmal jedes Exponat, das sie schon gesammelt haben: goldene Fußballschuhe, historische Trikots, vergilbte Eintrittskarten.

Und das wollen sie ja auch nicht, wollen „keine Badelatschen hinter Glas sperren“, das haben sie immer gesagt. Viel Multimedia und Mitmach-Museum enthält das Konzept (aus der Kreativwerkstatt eines Schalke-Fans), das es schon vor dem Gebäudeentwurf aus Düsseldorf gab (die Architekten bauten auch eine gewisse Arena in Gelsenkirchen). Ein von außen durchsichtig anmutender Spiel- und Schauplatz, sicher auch einiger Eitelkeiten, aber auch das ist Fußball. „Nüchtern“ sehe das im Modell noch aus, hat jemand gesagt, wie viel Wein man wohl trinken müsse, um sich die Sache vorzustellen?

Nun, in Dortmund und im Fußball trinkt man Bier und ist außerdem überzeugt, dass das „Projekt 2014“, für das der Deutsche Fußballbund und die Stadt gemeinsam geradestehen, gelingen wird. Nicht nur der Steuerzahlerbund äußerte ja wiederholt Zweifel am 36-Millionen-Projekt und den durchaus ambitioniert geschätzten Besucherzahlen von bis zu 400 000 im Jahr. „Miesepeter“ schimpft Oberbürgermeister Ullrich Sierau solche Kritiker, „die in jeder Erfolgssuppe Haare finden, um daraus einen Rapunzelzopf zu flechten“.

„Wir brauchen nicht die Hand Gottes.“

Schließlich sagt auch die Ministerpräsidentin, deren Landeskasse das Museum mit immerhin 18,5 Millionen fördert, in Anspielung auf Diego Maradona: „Wir brauchen nicht die Hand Gottes.“ Obwohl die Macher „das Haus für den deutschen Fußball“ in einem Imagefilm „Wallfahrtsort für die ganze Nation“ nennen. Oder, wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, ein „einzigartiges Jahrhundertwerk“. Klingt, als könne der Segen des Fußballgotts, an den die Fangemeinde ja glauben soll, trotz allem nicht schaden.

Die Altherren-Mannschaft auf’m Vorplatz kann höchstens mit Erinnerungsstücken aushelfen. „Wir wollen euch nicht ausstellen“, beruhigte Niersbach. „Ihr sollt da nur regelmäßig hinkommen.“ Und sieben Euro Eintritt zahlen, vorerst.

 

EURE FAVORITEN