Sound-Anlage war nicht nur gegen BVB-Fans im Einsatz

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Dortmund. Die Lärm-Attacke auf BVB-Fans in Hoffenheim ist laut einer Mitteilung der Sinsheimer Polizei aufgeklärt. Ein Mitarbeiter der TSG Hoffenheim und ein Bekannter von ihm haben sich der Polizei gestellt und zugegeben, das Gerät konstruiert zu haben. Die Anlage befindet sich nun bei der Polizei.

Neu ist das Lärm-Gerät nicht. Bereits in der vorigen Saison wurde es aufgestellt und auch eingesetzt. Auf ihrer Homepage schreibt die TSG Hoffenheim, der Mitarbeiter habe die Anlage bereits bei vier Spielen während der abgelaufenen Saison 2010/2011 aufgebaut. Sie sei aber nicht immer eingesetzt worden. "Es handelt sich dabei nach Aussage des Mitarbeiters um die Spiele gegen Dortmund, Mainz, Köln und Frankfurt", so der Verein weiter.

Frankfurt-Fans erinnern sich an Geräusch

Ob die Aussage des Mitarbeiters stimmt, darf bezweifelt werden. Im Forum des Fanzines schwatzgelb.de berichteten mehr und mehr Fans von einem Vorfall, den es bereits beim Gastspiel von Eintracht Frankfurt in der vergangenen Saison gegeben hätte. So berichten im April 2011 mehrere Frankfurt-Fans im offiziellen Eintracht-Forum von den Störgeräuschen. „Man sollte erwähnen das bei Anti-Hopp Gesängen immer eine Sirene abgespielt wurde, die die Gesänge übertönen sollten...“, heißt es da etwa. Und User „6:3“ verweist auf „2 riesige Hörner unter der Plane, die über den Bereich gespannt war, der die beiden Stehplatzblöcke unterbrochen hat“.

Axel Hoffmann befand sich damals im Frankfurter Block: „Als die üblichen Gesänge kamen, gab es kurzzeitig einen merkwürdigen Ton im Stadion, der für uns in dem Moment gar nicht greifbar war. Ich habe es zuerst mit dem Gepfeife der Einheimischen assoziiert, aber es war klar, dass es das nicht ist“, sagt er der Agentur dapd. Als er am Sonntagabend einen Fernsehbericht gesehen habe, sei ihm die Sache sofort wieder eingefallen: „Meine erste Reaktion war: Hey, das gab’s doch bei uns auch“, sagt Hoffmann.

Hat die Beschallung kritischer Fans möglicherweise System bei dem Bundesligisten? Die Hoffenheimer wollten sich am Dienstagmorgen mit Hinweis auf das schwebende Verfahren zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern, kündigten aber eine weitere Mitteilung im Laufe des Tages an.

Mann vom Fan-Projekt hat Anlage gesehen

Thilo Danielsmeyer vom Dortmunder Fan-Projekt hat die Soundanlage mit eigenen Augen gesehen und bezweifelt, dass es sich um einen Einzelfall handelt. Der Sozialarbeiter hatte sich am Spielfeldrand vor dem Gästeblock postiert, um seine Klientel im Auge behalten zu können. „Nach dem 1:0 haben unsere Fans dann zum ersten Mal im Spiel zu Schmährufen angesetzt“, erinnert sich Danielsmeyer. Darauf sei ein „extremes Geräusch aus einem kuriosen Gerät im Gang“ ertönt. Der Fan-Arbeiter habe sich daraufhin schlau machen wollen, um was es sich bei dem Gerät handele. „Von offizieller Seite wurde mir erklärt, dass die Anlage dazu da sei, um auf Schmähgesänge gegen Dietmar Hopp zu reagieren“, so Danielsmeyer zu DerWesten. Auf die Nachfrage, ob das eine offizielle Anordnung sei, habe er keine Antwort erhalten.

Die These, dass offizielle Stellen der Hoffenheimer Kenntnis über die Sound-Anlage gehabt haben müssen, erhält durch einen Bericht des Berliner Tagesspiegel Nahrung. Dort heißt es, der Frankfurter Fanbeauftragte habe nach dem Spiel der Eintrach in Hoffenheim mit dem dortigen Fanbeauftragten über den Einsatz der Anlage gesprochen. Und auch die Sinsheimer Polizei können nicht ausschließen, dass Beamte Kenntnis über die Sound-Machine hatten - kein Wunder, denn auch Danielsmeyer bestätigt, dass sich Polizisten in unmittelbarer Nähe des Geräts aufgehalten hätten.

Die vormals von der TSG Hoffenheim verbreitete Auflösung der Geschichte, hier seien Einzeltäter am Werk gewesen, zweifelt Danielsmeyer an: „Da standen Polizisten und Ordner in unmittelbarer Nähe. Das wussten eine ganze Reihe von Leuten. Der Gästebereich ist so sensibel, da kann doch niemand unbemerkt so ein Gerät aufstellen.“ Allerdings glaubt Danielsmeyer auch nicht, dass die Benutzung des Geräts von der Hoffenheimer Vereinsspitze angeordnet worden sei: „Gut möglich, dass hier einige dem Dietmar Hopp einen Gefallen tun wollten.“

Täter stellen sich der Polizei

Am Dienstagmittag hat sich laut einer Mitteilung der Sinsheimer Polizei ein Angestellter der TSG Hoffenheim bei der Kriminalpolizei gemeldet und dort angegeben, zusammen mit einem Bekannten der Verantwortliche für die Installation der Lautsprecheranlage zu sein.

"Der Angestellte brachte die ca. 130 x 100 cm große Apparatur mit auf die Dienststelle, wo sie sichergestellt wurde. Es handelt sich um zwei über einen Verstärker betriebene Druckkammer-Lautsprecher, die über ein ca. 60 Meter langes Kabel von der dem Auswärts-Fanblock gegenüberliegenden Stadionseite mit einem Laptop gesteuert wurden", so die Erklärung der Polizei. Ebenfalls sei eine Holzkonstruktion, auf die die Apparatur mobil montiert werden konnte, sichergestellt worden.

"Die Beschuldigten gaben weiter an, die Apparatur selbst konstruiert und eigenverantwortlich betrieben zu haben. Die Frage, ob bzw. in welcher Form die Apparatur auch bei weiteren Heimspielen der TSG 1899 Hoffenheim verwendet wurde, ist noch nicht geklärt. Die Ermittlungen hierzu dauern an", schreibt die Polizei weiter.

Anhaltspunkte dafür, dass Verantwortliche der TSG 1899 Hoffenheim in die Installation der Apparatur involviert waren, gebe es nicht.

Ein Rückschritt

Im Falle des BVB sei der Einsatz des Lärm-Geräts um so ärgerlicher, weil im Vorfeld der Partie gar nicht mit allzu wüsten Beschimpfungen zu rechnen gewesen sei. „Wir haben viele Gespräche geführt und den Fans gesagt, sie sollen als Deutscher Meister auftreten und sich auf das Sportliche konzentrieren“, so der Mann vom Fan-Projekt. Es habe keinen Grund zur Besorgnis gegeben, zumal die Schmähungen in der Vergangenheit weniger geworden seien. „Jetzt sind wir wieder da, wo wir nach dem Plakat mit dem Fadenkreuz waren“, bedauert Danielsmeyer.

(Mit Material von dapd)

 
 

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