Sollen Schüler von Raum zu Raum laufen?

In den Niederlanden und den USA ist es die Regel, in Deutschland eher die Ausnahme: das Fachraumprinzip. Nicht die Schüler haben einen festen Klassenraum, sondern den Lehrern und Fächern sind eigene Räume zugewiesen. Immer mehr Dortmunder Kinder laufen von Raum zu Raum, viele Eltern sind derweil sauer.

Dortmund. Klassenraum oder Lehrerzimmer? Über das Fachraumkonzept an Schulen streiten sich die Geister. "Das ist nur für die Lehrer bequem, die Schüler rennen mit Sack und Pack herum", sagen viele Eltern. "Das ist eine super Sache, weil in den Räumen alle Materialien vorliegen und sie beaufsichtigt sind", meinen andere.

Folgende Vor- und Nachteile tauchen der Argumentation der Gegner und Befürworter auf:

Pro Fachraumprinzip

  • Materialien können vom Lehrer gesammelt und einsatzbereit vorbereitet werden.
  • Dem Fach angepasste Sitzordnungen können ohne ständiges Umstellen des Mobiliars eingesetzt werden.
  • Durch Karten, Bilder, Ausstellungen usw. kann der Raum individuell und fachspezifisch gestaltet werden.
  • Instandhaltungskosten für Schäden, die durch Vandalismus entstehen, sinken, weil die Schüler nicht unbeaufsichtigt in den Räumen sind.
  • Lehrer haben einen Arbeitsplatz, den sie nutzen können, z.B. zur Unterrichtsvor- und -nachbereitung, für Korrekturen oder Beratungsgespräche.
  • Die Verantwortung für den Zustand des Raumes trägt der Lehrer. Er könnte motivierter sein, den Raum ansprechend zu gestalten.
  • Ausstattung der Räume mit Beamer, PCs, Whiteboards etc. lohnt sich, weil Beschädigungen durch unbeaufsichtigte Schüler oder Transporte wegfallen.

Contra Fachraumprinzip
  • Schüler müssen zwischen den Stunden "auf Wanderschaft" gehen und all ihre Materialien und Bücher mitschleppen.
  • In Fünf-Minuten-Pausen kann die Zeit fürs Einpacken und Umziehen je nach Schulgröße knapp werden.
  • Die Wechselzeit geht von der Zeit für Essen, Trinken, Toilettenbesuch, Spielen usw. ab.
  • Auf den Fluren sind Schülermassen in Bewegung, was zu Chaos und hoher Verschmutzung führen könnte.
  • Die Identifizierung der Schüler mit dem Gebäude leidet, da es keine "eigenen" Klassenräume gibt. Aktionen wie gemeinsam streichen, putzen, schmücken oder Ausstellungen haben keinen Platz.
  • Wenn Lehrer ihren Fachraum auch in den Pausen beaufsichtigen sollen, bleibt ihnen weniger Gelegenheit zum Austausch mit Kollegen usw.

Susanne Riese