So mieten Sie das Auto ihres Nachbarn

Wer kein Auto hat, aber für eine Tour zu Freunden eines benötigt, geht meist zu einem gewerblichen Autovermieter. Es gibt aber auch Anbieter, die Autos von Privatleuten vermitteln. In Dortmund startet jetzt Drivy, ein Dienst, über den man Autos mieten kann, die Leute in der Stadt und der eigenen Nachbarschaft anbieten. Wir erklären, wie das geht.

Dortmund. Was ist Drivy?

Drivy ist ein aus Frankreich nach Deutschland expandierendes Start-up-Unternehmen, das seit Anfang des Jahres in Metropolen wie Hamburg, Berlin und München aktiv ist. Drivy stellt eine Internet-Plattform zur Verfügung, auf der Privatleute ihre Autos zur Miete anbieten können. Auf der anderen Seite können Leute, die ein Auto für einen Tag oder auch ein Wochenende mieten möchten, dort nach einem Wagen in ihrer Nähe suchen. Vermieter und Mieter können sich nach einem Geschäft online gegenseitig bewerten.

Ab wann ist der Dienst in Dortmund verfügbar?

Laut Gero Graf, Deutschland-Chef von Drivy, soll die Plattform ab Dienstag, 31. März, für Dortmund verfügbar sein. Wie viele Autos man dann mieten kann, hängt davon ab, wie viele Leute ihre Autos dort einstellen. Nach Grafs Erfahrung würden schnell die ersten Leute ihre Fahrzeuge anbieten. Wenn innerhalb von drei Monaten 50 bis 60 Anbieter in Dortmund mitmachen würden, "wäre das eine riesige Menge", sagt Graf.

Wie ist die Erfahrung in anderen Städten?

In Frankreich hat Drivy seit 2010 nach eigenen Angaben 500.000 Nutzer gewonnen; 20.000 von ihnen bieten Fahrzeuge an. In Berlin, Hamburg und München gibt es laut Gero Graf seit Januar 300 Auto-Angebote.

Warum sollte man sein Auto anderen überlassen?

In Deutschland ist das Auto für viele Leute noch immer ein Statussymbol. Nicht wenige lieben ihr Fahrzeug heiß und innig und pflegen es penibel. Warum es dann an andere Leute vermieten? "Die Leute können über uns ihr Auto Geld verdienen lassen", sagt Gero Graf. Sprich: Viele Autos stünden die größte Zeit herum. Wer sein Auto tageweise vermietet, kann einen Teil der Kosten für Kauf, Versicherung und Steuern refinanzieren. Der Vermieter behält bei Drivy 70 Prozent der Miete; 30 Prozent gehen an Drivy.

Was unterscheidet Drivy von Autovermietern und Carsharing-Diensten?

Drivy will günstiger sein als herkömmliche Autovermieter; Kunden zahlen durchschnittlich 20 bis 35 Euro pro Tag. Zudem könne man Mietautos statt bei einer Firma eben künftig "in der Nachbarschaft abholen", sagt Gero Graf. Wenn denn genügend Leute mitmachen und ihr Auto anbieten. Im Unterschied zu normalen Carsharing-Diensten, die es auch in Dortmund gibt, geht es bei Drivy wie gesagt um das Anmieten von privaten Autos. Carsharing-Anbieter wie in Dortmund Citee-Car vermieten Autos auch für eine Stunde; bei Drivy muss man ein Auto mindestens für einen halben Tag mieten.

Wie funktioniert das Ver- und Anmieten?

Alles läuft über die Drivy-Plattform. Vermieter und Mieter müssen sich jeweils (kostenlos) registrieren. Vermieter stellen dann ihr Auto samt Bildern und beschreibenden Informationen ein und legen einen Preis fest, den die Anmietung kostet. Interessierte können auf der Seite oder per Handy-App nach Autos in ihrer Nähe suchen. Die Übergabe von Mietvertrag und Schlüssel regeln Vermieter und Mieter persönlich. Die Bezahlung funktioniert ausschließlich per Kreditkarte. Mieter müssen mindestens 21 Jahre alt und seit zwei Jahren im Besitz des Führerscheins sein.

Wie sieht es mit der Versicherung aus?

Drivy kooperiert mit der Versicherung Allianz, die eine Versicherung für den Dienst entwickelt hat. Die Versicherung deckt Haftpflicht- und auch Teil- und Vollkaskoversicherung mit Selbstbeteiligung in Höhe von bis zu 800 Euro ab. Die Selbstbeteiligung kann reduziert werden. Die Versicherung wird durch einen Schutzbrief ergänzt, durch den der Mieter eines Autos im Fall eines Unfalls oder einer Panne Hilfe bekommt.

Michael Schnitzler