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Revierderby

So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen

22.10.2012 | 16:04 Uhr
Beim Revierderby in Dortmund kam es am Samstag zu Ausschreitungen.Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Gewalt beim Revier-Derby ist nicht neu. Doch so heftig wie am vergangenen Samstag war es in den vergangenen Jahren selten. Beobachter stellten eine ungewohnte Aggressivität der Fans auf beiden Seiten fest. Eine Zusammenfassung der Ereignisse.

„Dortmunder und Schalker Gewalttäter haben unser Sicherheitskonzept bewusst unterlaufen und sind entgegen der Ankündigung konspirativ angereist“, klagte der Einsatzleiter der Dortmunder Polizei, Dieter Keil, nach den Ausschreitungen vor dem Spiel.

Doch außergewöhnlich war die separate Anreise der Schalker Ultras der Gruppen „Ultras Gelsenkirchen“ (UGE) und „Hugos“ beileibe nicht. In den vergangenen Jahren ist es immer wieder vorgekommen, dass Ultras, darunter auch gewaltbereite, eben nicht mit den bereitgestellten Sonderzügen zum Stadion gefahren sind, sondern separat – teilweise auf abenteuerlichen Umwegen.

Randale beim Derby

 

Warum konnten Schalker Ultras separat anreisen?

So konnten rund 600 Schalker aus dem Umfeld der UGE zur Dortmunder Uni fahren, um von dort beinahe unbehelligt von der Polizei zum Stadion zu marschieren. Friedliche BVB-Fans, die den Shuttle-Service von der Uni zum Stadion nutzen wollten, sahen sich plötzlich einer großen Anzahl gewaltbereiter Schalker gegenüber. Die Polizei teilte auf Nachfrage mit, die szenekundigen Beamten hätten die Gruppe „im Blick“ gehabt. Ein inzwischen nur einem eingeschränkten Personenkreis zugängliches Video der Ultras Gelsenkirchen zeigt jedoch, dass die Schalker offenbar ohne Polizeibegleitung marschieren konnten.

Revierderby
Dortmunds NPD-Chef bei Derby-Randale festgenommen

Bei den schweren Ausschreitungen rund um das Revierderby in Dortmund am Samstag ist auch der Kreisvorsitzende der Dortmunder NPD, Matthias Wächter, festgenommen worden. Aus der Gruppe, in der sich der Ratsherr befand, sollen Bierbänke, Flaschen und Helme auf Schalker Ultras geworfen worden sein.

Eine weitere Gruppe Schalker Ultras der Gruppierung „Hugos“ reiste unbemerkt zur S-Bahn-Station Möllerbrücke und randalierte anschließend auf der Lindemannstraße. Die Polizei bestätigt diese „konspirative“ Anreise . Die Polizei sei „gezielt getäuscht“ worden. Das Ziel der Gruppe sei offenkundig gewesen, „in Stadionnähe zu gelangen, um Gewalt zu verüben“, so die Polizei.

Polizei wurde in Gelsenkirchen ausgetrickst

Bereits in Gelsenkirchen hätten die Ultras mit der Täuschung begonnen. Etliche Schalke-Anhänger hätten dort versucht, die Polizei „regelrecht abzuschütteln“. Sie wechselten die U-Bahnen und verwickelten die Polizei in sogenannte „Laufspielchen“. „Diese absichtlichen Täuschungen zeigten die Schalker bis zur Konfrontation mit den BVB-Anhängern und der Polizei“, heißt es von Seiten der Polizei Dortmund. Die Beamten hätten dann einschreiten müssen, um die Gewalttäter beider Fanlager voreinander zu schützen.

Eine große Gruppe BVB-Fans, ein Zeuge spricht vom größten Dortmunder Fanmarsch seit Jahren, wurde währenddessen von der Polizei daran gehindert, über die Hohe Straße und die Ardeystraße zum Stadion zu gehen. Stattdessen führten die Beamten die Fans durch das enge Kreuzviertel. Doch diese Umleitung führte die zum Teil aggressiven und gewaltbereiten Dortmunder genau auf die auf der Lindemannstraße randalierenden Gelsenkirchener „Hugos“ zu. „Stellenweise gab es sogar Blickkontakt“, erinnern sich mehrere Zeugen.

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    Seite 3: Sorge um Entwicklung der Ultra-Szene

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Kommentare
23.10.2012
12:14
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von Herby52 | #32

Dortmund und friedlich?
Kann ich mir kaum vorstellen. Schon vor Jahren war man als "auswärtiger" Fan vor übergriffen nicht sicher...... selbst dann nicht wenn man Frau und Kinder dabei hatte.....

Das Problem ist aller auch die Gesellschaft selber schuld....
Wie war dass noch mit der antiautoritäre Erziehung?

2 Antworten
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von borussenhelmut | #32-1

Einseitige, und deswegen falsche Aussage.

Ist das Ihr Ernst?
von Stefan2 | #32-2

Sie geben die Schuld an diesen gewalttätigen Ausschreitungen allen Ernstes der antiautoritären Erziehung?

23.10.2012
11:01
Ein Toter zu viel - sport-inside-Film von gestern
von westfaIenborusse | #31

Wer gestern den WDR-Filmbeitrag "Ein Toter Fan zu viel" bei sport-inside verpasst hat, kann sich das noch einmal angucken. Vielleicht werden dann die letzten User wach und hören auf, dieses Thema zu verharmlosen. Und dieser toter Bremer-Fan ist bereits 30 Jahre tot...Warum haben wir nichts daraus gelernt? Was muss denn noch alles passieren?

Vereine und Politik haben versagt, die Gewalt hat noch zugenommen und es wird immer gefährlicher, ins Stadion zu gehen. Dabei ist es auf anderen Gebieten gelungen, Veränderungen im Verhalten zu erreichen. Im Bereich des Umweltschutzes inkl. Mülltrennung ist z.B. ein Stand erreicht, der weltweit vorbildlich ist und selbst das Problem "Rauchen" wird kleiner, weil immer mehr Jugendliche aufgeklärt wurden.

Ich weiß, dass diese Beispiele nichts mit der Randale und Gewalt zu tun haben.
Es soll nur zeigen, dass sich etwas verändern lässt, wenn man an die Wurzeln geht.
WDR-link:
http://www.wdr.de/tv/sport_inside/sendungsbeitraege/2012/1022/maleika.jsp

23.10.2012
10:07
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von ExWalsumer | #30

Da es ja eindauerproblem ist mit Randalierern die als Fans getarnt zu Fußballspielen gehen und weder Verein noch Fans eine Chance haben das Problem selbst zu lösen hilft nur eine Null-Toleranz-Politik. Wer Glasflaschen dabei hat - Gewahrsam. Wer andere anpöbel - gewahrsam. Wer irgendwelche Sprüche gegenüber der Polizei macht - Gewahrsam. Wen jemand nicht den vorgeschriebenen Weg zum Stadion nimmt -Y Weg zeigen, will er sich nciht fügen, Gewahrsam! Und das immer bis Montagsnachmittags, damit man auch dem Chef erklären muss, wo man denn Montags war.
Das wird am Anfang zu noch mehr Krawallen führen und noch mehr Polizei benötigen, aber es wird immer erst schlimmer, bevor es besser wird.
Ich bin eigentlich immer der meinung, das man einen gemeinsamen Weg finden sollte, aber wenn das nciht funktioniert, weil die eien Seite total blockiert hilft nur Brattons Zero-Tolerance-Modell auch zu finden unter Broken-Windows-Theorie!

23.10.2012
09:05
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von DerHunter04 | #29

"Friedliche BVB-Fans (...) sahen sich plötzlich einer großen Anzahl gewaltbereiter Schalker gegenüber."

Ja, so wars. Eine Horde bis an die Zähne bewaffneter Schalker trafen auf friedliche BVB-Fans, die alle eine Rose in der Hand hielten und "Ein bisschen Frieden" sangen.

Ich lach mich tot.

4 Antworten
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von simmes | #29-1

Wie war es denn wirklich bei den Shuttle-Bussen an der Uni? Sie waren ja offenbar vor Ort.

Sie lachen sich tot?
von westfaIenborusse | #29-2

Geht es um Schuldzuweisungen?
Oder geht es um Lösungen?
Die Ursachen finden und dann daraus lernen, wie es zukünftig verhindert werden kann. Beispiel: die Teile des gestohlenen Banners wurden provokativ von Schalkern gezeigt und haben sicher dazu beigetragen, dass sich einige Fanatiker mit Gewaltmitteln dieses Banner zurückholen wollten. Warum wurde auf diese Provokation nicht verzichtet?

So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von DerHunter04 | #29-3

So wie es in der bisherigen Berichterstattung - bis zu diesem Artikel - schon berichtet wurde: Vollidioten auf beiden Seiten.

So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von DerHunter04 | #29-4

Ihr checkt es echt nicht. Das Aufeinandertreffen der Hools war nicht Gut gegen Böse. Die Hirnlosen sind auf beiden Seiten zu finden. IMMER.

23.10.2012
09:02
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #28

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.10.2012
08:21
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von bluewhitepower | #27

Nun habe ich aber mal langsam die Schnauze voll hier! Vielleicht einfach mal Gedanken machen, warum das "Sicherheitskonzept" (Gott bewahre, es hat diese Bezeichnung nicht verdient!) unterlaufen wurde. Seit Jahren wird dieses Konzept kritisiert, die Polizei führt S04 Anhänger an mehreren kritischen Punkten vorbei und es ändert sich nichts! Den empfohlenen Weg der Anreise, den die Polizei vorgibt, kann man nur meiden! Und "Randale" lässt sich dehnen. Soweit ich Kenntnis genommen habe, sind die Ultras ohne große Zwischenfälle bis zum Stadion gelangt. Die andere Gruppierung..naja, wenn ihr die mal gesehen hättet...

2 Antworten
@bluewhitepower - zur Kenntnisnahme
von simmes | #27-1

"Zahlreiche Schalke-Anhänger reisten konspirativ nach Dortmund an und schlossen sich im Bereich Vogelpothsweg zu einer Gruppe von ca. 600 Personen zusammen. Von dort aus liefen sie über die Straße "An der Palmweide", Wittekindstraße und Strobelallee zum Stadionvorplatz. Dort griffen sie unvermittelt BvB-Anhänger an."
(aus dem Polizeiberichtvom Samstag)

Sie singen hier die nächste Strophe des alten Liedes "Schuld sind immer die anderen".

So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von bluewhitepower | #27-2

Hallo simmes,

ich kenne den Polizeibericht. Die Erstdverfassung lautete auch, dass die Gruppe an der Lindemannstraße / Ecke Wittekindstraße eine Kneipe zerstört hätte, das wurde dann aber wieder zurückgezogen. Des Weiteren berichtete die Polzei, dass Beamte mit Mülltonnen beworfen worden seien, auch dass wurde wieder zurückgezogen.

Die Truppe / Horde an diesem Punkt bestand zum Großteil aus 12 - 13 Jährigen und Mädchen, glaubs mir - ich habs gesehen.

Nur eine Anmerkung: Nein, ist sind nicht immer die anderen Schuld. Ich verurteile Gewalttaten. Diese gehören nicht zum Fussball, diese sollten nicht zur Gesellschaft gehören. Aber die Gruppe, die die Polizei festgenommen hat, das ist witzig. Es waren die Quotenfestnahmen - oder möchte jemand bezweifeln, dass die richtigen im Stadion waren? Vermummt, Pyro, Banner....naja, wenn ihr meint.

23.10.2012
07:58
Sind die 48 Stunden ...
von Partik | #26

... in der Arrestzelle vorbei, oder warum sind hier plötzlich so viele "Fans" unter den Kommentatoren? :-))

Trotz aller Sicherheitskonzepte, trotz aller Worte nach dem Spiel - dass man in den Proletensport Fußball Ruhe hineinbringen kann, ist eine Illusion.

Allein, dass Fans immer von "wir haben so und so gespielt" reden zeigt, dass die Identifikation mit dem Verein so intensiv ist, dass ein Funke reicht, um einen Flächenbrand während eines solchen Spiels zu entzünden.

Gewalttäter haben es da sehr leicht, denn es werden sich nur wenig Fans finden, die aktiv einschreiten, wenn jemand eine Pyrostange in den gegnerischen Fanblock feuert, oder die gegnerische Stammkneipe zerlegt.

Die Polizei ist sicherlich auch nicht gerade der Freund eines Fußballfans.

Solange es also die Massenveranstaltungen gibt, wird sich an dem Problem nichts ändern. Oder man müsste diese ohne-Publikum-Strafen einführen, wo nach extremer Gewalt das nächste Event ohne Zuschauer stattfindet.

23.10.2012
07:54
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von Kravattenmuffel | #25

Du liebe Güte. Was soll denn der Bericht?
Die Polizei wurde „ausgetrickst“, die Anhänger sind „konspirativ“ angereist, es wurde „gezielt getäuscht“, usw.
Ich kann den Bericht nicht deuten. Möchte der Autor hier seine Naivität zum Ausdruck bringen oder beschreibt er die Seelenlage der Polizei?

23.10.2012
07:37
Neofaschisten
von Stefan2 | #24

Für die Dortmunder organisierten Neofaschisten ist es schon seit Jahren eine bewährte Strategie, wenn sie mit ihren eigentlichen Organisationen unter Verfolgungsdruck geraten, ihre Gewaltexzesse nahtlos im Fußballumfeld fortzuführen und dort auch noch Nachwuchs zu werben.

1 Antwort
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von borussenhelmut | #24-1

Sehr kluger Beitrag. Du bisst wohl auch an der Uni Dortmund vorbeigezogen.

23.10.2012
07:32
Fußball ist Lebensersatz
von Stefan2 | #23

Meiner Meinung nach geht es bei dem ganzen Zirkus um nichts weniger als um "Fußball". Ich glaube, es geht in Wahrheit um Identität (Quasi-Nationalismus entwurzelter Menschen), Anerkennung (besser: Unterwerfung unter als übermächtig hingenommene Prinzipien wie Konkurrenz, Leistung und Selektion), Integration in ein Kollektiv mit möglichst wenig eigenem Aufwand (durch Konsum) und, im Falle der Gewalt, um Abbau von Frustrationen und Aggressionen (Kanalisierung). Fußball ist mithin eine Art Lebensersatz.

1 Antwort
So konnten die Randalierer beim Derby die Polizei austricksen
von runningvalentino | #23-1

Da sind aber fünf Euronen für das Phrasenschwein fällig, Kollege !

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