So entwickelt sich der Wirtschaftsstandort Dortmund

Dortmund und RWE haben eine spezielle Beziehung. Unter den Kommunen, die zusammen knapp 25 Prozent am Energiekonzern halten, sind die Dortmunder Stadtwerke (DSW 21) größter Einzelaktionär mit 23,6 Millionen Aktien. Groß war daher der Aufschrei in der Stadt, als der RWE-Vorstand Mitte Februar ankündigte, dieses Jahr die Dividende fast komplett zu streichen.
Dortmund und RWE haben eine spezielle Beziehung. Unter den Kommunen, die zusammen knapp 25 Prozent am Energiekonzern halten, sind die Dortmunder Stadtwerke (DSW 21) größter Einzelaktionär mit 23,6 Millionen Aktien. Groß war daher der Aufschrei in der Stadt, als der RWE-Vorstand Mitte Februar ankündigte, dieses Jahr die Dividende fast komplett zu streichen.
Foto: Dieter Menne
Dortmund ist ein interessanter Wirtschaftsstandort, an dem sich vieles entwickelt. Wir stellen ihn anhand zehn wissenswerter Punkte vor.

Dortmund.. Lange Zeit prägte der Dreiklang von Kohle, Stahl und Bier die Stadt Dortmund. Das waren die Branchen, die Zehntausenden Arbeit gaben, die die Familien ernährten, und den Wirtschaftsstandort Dortmund ausmachten.

Bierstadt ist Dortmund schon eine ganze Weile nicht mehr, und auch der Niedergang der Montanindustrie hat die Ruhrpott-Metropole hart getroffen. Dieser liegt allerdings ebenfalls schon einige Jahre zurück. Anlass genug, um einmal darauf zu blicken, was heute den Wirtschaftsstandort Dortmund ausmacht, und wie er sich entwickelt.

Wir haben zehn wissenswerte Punkte zusammengetragen.

1. Der Phoenix-See zieht viele Firmen an

Im Zuge eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Deutschlands ist auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände Phoenix-Ost in Dortmund-Hörde zwischen 2005 und 2011 der Phoenix-See entstanden. Am Nordufer reiht sich Villa an Villa, einige BVB-Stars, wie zum Beispiel Mats Hummels, wohnen hier.

Der See ist nicht nur ein beliebtes Wohnquartier und Naherholungsgebiet geworden. Entlang der Hafenpromenade haben sich bis heute nach Angaben der Dortmunder Wirtschaftsförderung auch 120 Unternehmen mit rund 1100 Beschäftigten niedergelassen. Die Bandbreite reicht von Mikrosystemtechnik über Gastronomie und Handwerk bis zur Werbeagentur, von A wie Acardo (Anbieter von Coupon-Aktionen) bis Z wie Zalando. In zwei Jahren richtet sich in der Hörder Burg am See auch die Sparkassenakademie Nordrhein-Westfalen ein.

2. Nennenswerte Unternehmens-Ansiedlungen und -Erweiterungen

Auch auf dem Gelände Phoenix-West, wo früher im Hochofen das Roheisen hergestellt wurde, haben sich längst neue Unternehmen angesiedelt. Hier befinden sich ein Kompetenzzentrum für die Mikro- und Nanotechnologie und das Zentrum für Produktionstechnologie. Ende 2016 kommt die Nordwest Handel AG aus Hagen; 2018 verlegt der Netzbetreiber Amprion seine Zentrale für 750 Mitarbeiter vom Rheinlanddamm auf das Phoenix-West-Gelände.

Überhaupt zählte die Stadt Dortmund seit 2007 mehr als 110 "nennenswerte Unternehmens-Ansiedlungen und -Erweiterungen". Neben dem Pumpenhersteller Wilo investiert beispielsweise auch der Pharmahersteller Boehringer Ingelheim kräftig und lässt bis 2018 für 90 Millionen Euro eine weitere Montagelinie für seinen Inhalator bauen. In Eving entsteht ein Instandhaltungswerk von Siemens: Der Technologiekonzern liefert 82 Züge für den geplanten Rhein-Ruhr-Express (RRX) und wartet sie in Dortmund.

3. In Dortmund entsteht der größte Geldspeicher der Region

Der prestigeträchtigste Neubau in Dortmund soll 2019 - umgeben von einem Wassergraben - seine Pforten öffnen: Nahe der Bundesstraße 1 baut die Bundesbank für 300 Millionen Euro einen neuen Geldspeicher als Filiale für die bis Düsseldorf reichende Region.

4. Dortmund ist ein "Tausendfüßler" mit einer breiten Branchenstruktur

Trotz namhafter Unternehmen und großer Neuansiedlungen in den vergangenen Jahren fußt die Dortmunder Wirtschaft vor allem auf dem Mittelstand. "Dortmund ist ein Tausendfüßler mit einer breiten Branchenstruktur", wie es der Chef der Dortmunder Wirtschaftsförderung, Thomas Westphal, ausdrückt.

Die Zahl der Unternehmen (mit mehr als 17.500 Euro Jahresumsatz) ist laut Statistischem Landesamt IT NRW zwischen 2003 und 2013 von 16.931 auf 18.222 gestiegen. Die Wirtschaftsförderung hat hochgerechnet, dass in den vergangenen 20 Jahren 60.000 neue Arbeitsplätze in Unternehmen entstanden sind, die es zuvor in Dortmund noch nicht gab.

5. Beschäftigungsniveau von Anfang der 1980er-Jahre wieder erreicht

Ende 2014 gab es in der Stadt 315.000 Arbeitsplätze, inzwischen sind es sogar fast 320.000; knapp 220.000 davon sind sozialversicherungspflichtige Jobs. Das sind starke Zahlen für Dortmund. Erstmals ist wieder das Beschäftigungsniveau von Anfang der 1980er-Jahre erreicht. Mit dem damals beginnenden Ende des Montanzeitalters gingen rund 100.000 Arbeitsplätze verloren. Viele davon beim Stahlkonzern Hoesch beziehungsweise beim damaligen Krupp-Konzern, der Hoesch 1991 übernahm.

6. Der Arbeitsmarkt bleibt das große Sorgenkind

Obwohl sich die Beschäftigung in Dortmund also gut entwickelt, bleibt der Arbeitsmarkt das große Sorgenkind. Genauer: die hohe Zahl an Langzeitarbeitslosen - auch wenn diese zuletzt gesunken ist. Im März waren von den 37.316 Arbeitslosen in der Stadt 16.513 seit einem Jahr und länger ohne Job.

Viele Langzeitarbeitslose haben keinen Schul- und keinen verwertbaren Berufsabschluss, können nur einfache Helfertätigkeiten erledigen. Dortmunds Stadtspitze forderte gemeinsam mit anderen Städten jüngst die Einrichtung eines "Kommunalen Arbeitsmarktfonds". Mit Geld vor allem vom Bund soll ein öffentlich geförderter Beschäftigungssektor entstehen, um Langzeitarbeitslose als Quartierskümmerer, in der Grünpflege und als Helfer in Kitas, Schulen und Seniorenheimen einzusetzen.

7. Dortmund ist eine bedeutende Logistik-Drehscheibe

Eine Chance haben Ungelernte in der Logistik - und Logistikfirmen gibt es in Dortmund viele. Die Stadt hat zwar kein Label wie Frankfurt (Finanzmetropole) oder Düsseldorf (Werbe-Hauptstadt), ist aber eine bedeutende Logistik-Drehscheibe. Rund 900 Firmen geben 25.000 Menschen Arbeit: Von DHL über GLS bis Dachser, Rhenus hat gar seine Zentrale an der Stadtgrenze in Holzwickede. Auf dem Gelände des ehemaligen Hoesch-Stahlwerks Westfalenhütte entsteht ein Logistikpark: DB Schenker betreibt hier bereits zwei Logistikzentren, Paket-Verteilzentren für Ikea und die Deutsche Post DHL sind bald fertig.

Für Dortmund sprechen die Anbindung an die Autobahnen 1, 2, 40, 44 und 45, der Flughafen sowie der mit elf Kilometern Uferlänge und zehn Becken größte Kanalhafen Europas. Anfang Februar wurde in Hafennähe eine neue Umladestation für den "kombinierten Verkehr" eröffnet.

8. Dortmund ist auf dem Weg zur "Wissensmetropole"

In der alten Malocher-Stadt Dortmund gibt es noch immer viele industrielle Arbeitsplätze, sogar im Stahlbereich wie bei Thyssen Krupp Steel auf dem Gelände der Westfalenhütte. Allerdings hat es Ende 2015 wieder ein traditionsreiches Stahlunternehmen erwischt: Nach 113 Jahren musste die Salzgitter-Tochter Hoesch Spundwand und Profil (HSP) schließen.

Neben der Industrie gibt es in Dortmund inzwischen allerdings einige andere starke Branchen. Dazu zählt neben der Logistik auch die Gesundheitswirtschaft mit 35.000 Beschäftigten und der Bereich, den die Wirtschaftsförderung "wissensintensive Dienstleistungen" (15.000 Menschen) nennt. Hierzu gehören Maschinen- und Fahrzeugbauer (Zulieferer) sowie die IT-Branche. Die Stadt sieht Dortmund auf dem Weg zur "Wissensmetropole" - was eng verknüpft ist mit sechs Hochschulen, zig Forschungseinrichtungen und dem Technologiepark mit 280 Firmen und mehr als 8500 Mitarbeitern.

9. Der Handel ist ein starker Wirtschaftszeig

Ein wichtiger Wirtschaftszweig in Dortmund ist mit 30.500 Beschäftigten schließlich der Handel. Vor allem in der Innenstadt, wo der Westenhellweg als eine der am stärksten frequentierten Einkaufsmeilen des Landes täglich tausende Besucher anzieht.

Einer der größten Anziehungspunkte in der Innenstadt ist die 2011 eröffnete Thier-Galerie. Das "Forum Stadtbaukultur" diskutierte zuletzt Ende 2015, was das Einkaufszentrum Dortmund - positiv wie negativ - gebracht hat.

10. Dortmund entwickelt sich zum Touristenmagnet

Besucher kommen längst nicht mehr nur zum Shoppen und für BVB-Spiele nach Dortmund. Sondern auch als Touristen, um etwa den U-Turm und das 2015 eröffnete Deutsche Fußballmuseum zu besuchen. Für 2015 weist die Statistik 1.134.632 Übernachtungen in Dortmunder Hotels aus - 5,9 Prozent mehr als 2014.

Die alte Malocher-Stadt Dortmund als Touristenmagnet? Klingt noch ungewohnt. In diese Richtung geht es aber. Im November 2016 findet in Dortmund erstmals der Deutsche Tourismustag statt.

 
 

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