Slow Food Dortmund bietet Essen ohne Nachgeschmack

Anja Schröder
Evelyn Wilke und Horst Welkoborsky vom Convivium Dortmund von Slow Food Deutschland e.V.
Evelyn Wilke und Horst Welkoborsky vom Convivium Dortmund von Slow Food Deutschland e.V.
Foto: WR/Franz Luthe
Gut. Sauber. Fair. Drei Worte, die grundsätzlich auf dem Einkaufszettel von Horst Welkoborsky stehen. Und nicht nur auf seinem. Die rund 100 Mitglieder von Slow Food, Convivium Dortmund, geben als Gegner des schnellen Bissens lustvolle Tipps für Besseresser.

Dortmund. Gut. Sauber. Fair. Drei Worte, die grundsätzlich auf dem Einkaufszettel von Horst Welkoborsky stehen. Und nicht nur auf seinem. Die rund 100 Mitglieder von Slow Food, Convivium Dortmund, eifern dem italienischen Vorbild nach. Sie legen Wert auf Qualität auf dem Teller, auf Lebensmittel, die ohne Chemie oder Gen-Technik auskommen und Nahrung, die weder beim Produzenten noch beim Konsumenten einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Und so machen sich die Gegner des schnellen Bissens lustvoll auf die Suche nach nachhaltigen regionalen Leckerbissen und geben Impulse für Besseresser.

Leckerbissen

Keine Sorge. Carl Bleyert, Kartoffelgroßhändler in der dritten Generation, hat seine Stromrechnung bezahlt. Warum er im Dustern hantiert? „Weil Kartoffeln kein Licht vertragen können“. Der Mann versteht was von der tollen Knolle und deshalb steht er mit auf dem Jahresprogramm von Slow Food Dortmund. Johannisbeeren pflücken bei Permakultur, eine Kräuterwanderung mit anschließendem Kräutermenü – die gemeinsamen Aktionstage sind schmackhafte und informative Leckerbissen. Dabei sind die Slow Food-Anhänger nicht nur auf Schmusekurs: Die Produkte von Givaudan, Weltmarktführer von Aromen und Duftstoffen mit Sitz in Dortmund, schaffen schließlich eine hauptsächlich künstliche Geruchskulisse und Geschmackswelt.

Sterne

Wofür sie ihre Sterne vergeben? Dafür, dass die Martinsgans nur kurz über den Zaun geflogen ist, bevor sie auf dem Teller landet. Und das Dezember-Dessert nicht aus Erdbeeren besteht. „Wir achten auf regionale und saisonale Produkte“, sagt Welkoborsky.

Ausgezeichnet werden Restaurants, die ihre Zutaten beim Bauern nebenan beziehen, bei denen zum Beispiel Fertigsaucen nicht in die Tüte (oder aus derselben) kommen. „Das wird kein Michelin“, betont er. Dennoch: „Schmecken muss es natürlich auch“.

Genussführer

Keine Schweinereien. Das ist so ein Grundprinzip für die Slow Food-Anhänger. Und auch für die Neuland-Produzenten, bei denen Metzger Jörg Bachstein sein Fleisch bezieht. Denen es eben nicht Wurst ist, ob ihr Borstenvieh auch mal die Sonne sieht oder mit Antibiotika vollgestopft wird... Gleiches gilt für Brot, für Honig, für Käse – die Suche nach den „lokalen Genusshandwerkern“ soll in einem „Genussführer“ münden.

Dortmunder Herbst

„Slow Wine“ heißt frei übersetzt nicht etwa: „Betrinken Sie sich langsam“. Garantiert aber auf jeden Fall, dass der Rebensaft nicht gepanscht ist. Nachhaltige Weinwirtschaft sollen Winzer im Rahmen von „Slow Food“ beim Dortmunder Herbst vorstellen; dazu können die „Genusshandwerker“ aus besagtem Führer auf der Ausstellungsfläche ihre Produkte bewerben und auf der Bühne gibt’s statt Show- ein Slow-Kochen.

Auf den Geschmack kommen

„Es gibt Familien, die haben keinen Esstisch“. Weil eh vorm Fernseher gefuttert wird. Schnell, billig, fertig. Drei Worte, bei denen Ökotrophologin Evelyn Wilke gleich Messer und Gabel bei Seite legen würde. Aber sie weiß: „Es gibt viele Erwachsene, die nicht kochen“. Und Kinder, die auch deshalb erst wieder den Unterschied zwischen Esskultur und Nahrungsaufnahme kennenlernen müssen. Wie sinnlich essen sein kann, erfahren sie bei Geschmacksschulungen, die Wilke für Slow Food in den Schulen anbietet, kostenlos im übrigen. Wie riecht guter Geschmack? Wie hört er sich an? Nicht nur das Auge, auch Nase, Ohren, Hände, Zunge essen da mit. Und schmecken plötzlich mehr...