Skurriler Streit zwischen TU-Spitze und OB

Foto: WR Dortmund/Knut Vahlensieck

Dortmund. Zwischen der Stadtspitze und dem Rektorat der TU Dortmund ist ein offener Konflikt entbrannt. Die Vorwürfe der Uni gipfeln in der Behauptung: „Der Oberbürgerbürgermeister interessiert sich nicht für Wissenschaft.“

Mit kritischen Untertönen sparte Prof. Metin Tolan bei der Eröffnung der Ausstellung in der „MS Wissenschaft“ nun wirklich nicht. Leider, so Tolan, messe der OB der Hochschule nicht die Bedeutung zu, die sie mit 25 000 Studenten und als einer der größten Arbeitgeber der Stadt habe. Symptomatisch sei doch, dass Herr Sierau erst ein geschlagenes Vierteljahr nach seiner Wahl Zeit für die Rektorin Prof. Ursula Gather habe, die ihm unverzüglich zur Wahl gratuliert und um ein Gespräch zu Weiterentwicklung des Forschungsstandortes Dortmund gebeten habe. „Das war im Mai“, erinnert Tolan. „Das Gespräch findet nun Ende August endlich statt.

„An Peinlichkeit kaum zu überbieten"

„Ich denke mir mein Teil, wie wichtig die TU für den Oberbürgermeister ist,“ so Tolan. Sieraus Vorgänger Dr. Langemeyer habe Gather unverzüglich zur Wahl gratuliert und sofort ein Gespräch angeboten. Das müsse man „kritisch mal anmerken dürfen“.

Kritik vertrage OB Sierau aber nicht, bemängelt Tolan und erinnert an eine Begebenheit, die an „Peinlichkeit“ kaum zu überbieten sei. Bei einem Empfang der Elektrotechniker habe er, Tolan, den OB gefragt, wie er durch die Baustelle am Gardenkamp gekommen sei. „Herr Sierau hat mich sofort angebrüllt, ich müsse ganz vorsichtig sein“, erinnert Tolan. Vor versammelter Mannschaft. Bei der anschließenden formellen Begrüßung durch Sierau sei er als Prorektor nicht genannt worden. Daraufhin habe Tolan zu verstehen gegeben, dass er sich eine solche Behandlung nicht gefallen lasse und künftig auf keinem Pressefoto mehr neben Sierau stehen werde.

„Stattdessen wurde ich gemaßregelt"

Der Konflikt gärte weiter. Tolan erhielt Post von Sierau – nach Hause, beschwert sich der Prorektor und mit seinem Doppelnamen adressiert, der nur dem Einwohnermeldeamt zugänglich sei. „Ich dachte, es kommt eine Entschuldigung“, berichtet der Dozent. „Stattdessen wurde ich gemaßregelt, ich hätte keinen Sachverstand, was die Verkehrsführung auf dem Campus angehe.“ Es fließe dort gar nicht so viel Verkehr, wie behauptet. Und er, Tolan, solle sich nicht einmischen. Ein weiterer Affront in den Augen des Prorektors, der findet, dass die Stadt rechtzeitig mit der TU in einen Dialog hätte eintreten müssen, wie die Verkehrsströme auf dem Campus zu bewältigen seien, so der Prorektor.

Tolan tat erneut seinen Unmut bei der Sprecherin für Wissenschaft der Stadt kund: „Meine Kritik bezieht sich ausdrücklich nicht auf seine Stellvertreter Herrn Sauer und Frau Jörder, die hier wirklich sehr zugewandt sind und sich auch immer persönlich für die Uni eingesetzt haben.“

„Mich beunruhigt, wie er in dieser Sache versagt"

Bereinigt ist bis heute nichts. Tolan abschließend: „Ein OB hat doch Wichtiges zu tun. Mich beunruhigt, wie er schon in dieser Sache versagt.“

Aus Sicht der Stadt Dortmund ist „das Verhältnis zur TU intakt, die Zusammenarbeit konstruktiv und erfolgreich“, so eine Stellungnahme. „Dass der Stadt und ihrem OB daran viel liegt, belegt unter anderem die Tatsache, dass sich im Amt des Oberbürgermeisters eine Hochschul-Referentin seit Jahren speziell und ausschließlich um Fragen von Wissenschaft und Forschung kümmert, die auch in regelmäßigem Kontakt zur Spitze der TU steht.“

„Atmospärische Fragen werden eine Rolle spielen"

Stadtsprecher Udo Bullerdieck: „Die atmosphärischen Störungen, die Herr Prof. Tolan offensichtlich empfindet und öffentlich anspricht, gehen unseres Erachtens ausschließlich auf die verkehrlichen Belastungen zurück, denen die TU derzeit tatsächlich durch verschiedene Baumaßnahmen in ihrem Umfeld ausgesetzt ist. Dass die Universität hier das eine oder andere anders bewertet als die Stadt Dortmund, liegt auf der Hand.

Im übrigen wird am 24. August ein lange vereinbartes Gespräch zwischen TU-Rektorin Prof. Gather und OB Sierau stattfinden. Darin werden neben vielen Handlungsfeldern, die zum Wohle der Stadt gemeinsam beackert werden müssen, sicher auch diese atmosphärischen Fragen eine Rolle spielen.“

 
 

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