Sieben Jahre unschuldig in Haft? - Prozess um falsche Aussage gestartet

Thomas Ewers aus Hamm saß fast sieben Jahre wegen Vergewaltigung im Gefängnis. Er hat die Tat immer abgestritten. Jetzt steht seine Ex-Freundin vor Gericht.
Thomas Ewers aus Hamm saß fast sieben Jahre wegen Vergewaltigung im Gefängnis. Er hat die Tat immer abgestritten. Jetzt steht seine Ex-Freundin vor Gericht.
Foto: Volker Hartmann
Wegen Vergewaltigung saß Thomas Ewers knapp sieben Jahre im Gefängnis. Weil er sich hartnäckig weigerte zu gestehen, musste er seine Strafe absitzen bis zum letzten Tag. Dann gestand seine Ex-Freundin eine falsche Aussage. Seit Mittwoch steht sie deshalb selbst in Dortmund vor Gericht.

Dortmund. Fast sieben Jahre lang hat Thomas Ewers aus Hamm-Bockum im Gefängnis gesessen. Verurteilt im Jahr 2002 für die Vergewaltigung seiner Ex-Freundin. Der heute 45-Jährige hat die Tat immer abgestritten, musste auch deswegen die Strafe bis zum letzten Tag absitzen. Erst danach meldete sich seine Ex-Freundin zu Wort, schrieb einen Brief - und nahm die Vorwürfe wieder zurück.

Jetzt steht diese Frau selbst vor Gericht. Am Mittwoch hat in Dortmund am Landgericht der Prozess gegen sie begonnen. Der Vorwurf der Falschaussage ist heute zwar verjährt, angeklagt ist Ewers' frühere Partnerin wegen "mittelbarer Freiheitsberaubung". Ebenfalls angeklagt: ihr damaliger, neuer Freund. Er soll sie zur Falschaussage angestiftet haben. Thomas Ewers, der womöglich zu Unrecht Verurteilte, ist als Nebenkläger beim Prozessauftakt dabei.

Landgericht Essen prüft Wiederaufnahme des Verfahrens

Die Geschichte, in der im Jahr 2002 die Rollen so klar verteilt schienen, sie ist längst mehr als löchrig. Ewers habe sie mit einem Messer zum Sex gezwungen, sie an die Heizung gekettet, sagte die einstige Freundin damals vor Gericht aus. Und Ewers hatte eine Vorgeschichte: eine, in der Drogen stehen, Gelegenheitsjobs als Ungelernter, Vorstrafen wegen Diebstahls und Körperverletzung.

Während das Landgericht in Essen die Wiederaufnahme des alten Verfahrens prüft, wird die Ex-Freundin am Mittwoch bereits in Dortmund mit ihren früheren Aussagen konfrontiert. Sie weint vor Gericht, versteckt ihr Gesicht hinter einer großen Sonnenbrille, schüttelt den Kopf. Der mitangeklagte Ex-Freund leugnet, von der falschen Aussage etwas gewusst zu haben.

Welche Strafe der Angeklagten droht, ist noch nicht absehbar - das Gericht hat vier Verhandlungstage anberaumt. Fest steht: In den vergangenen Jahren hat sie Rente nach dem Opferschutzgesetz bezogen. Diese muss sie womöglich zurückzahlen. (shu/AFi)

 
 

EURE FAVORITEN