Dortmund

Sicherheitsdienst musste Diakonie Dortmund vor Roma-Gruppe aus Bulgarien schützen

Letzter Ausweg Sicherheitsdienst: Anders konnte man den Betrieb in der Wohnungslosenberatung nicht mehr gewährleisten. Foto: Uwe Schaffmeister
Letzter Ausweg Sicherheitsdienst: Anders konnte man den Betrieb in der Wohnungslosenberatung nicht mehr gewährleisten. Foto: Uwe Schaffmeister
Foto: Uwe Schaffmeister
Es war ein Akt der Verzweiflung: Ein Sicherheitsdienst musste die Wohnungslosen-Beratung der Diakonie in der Nordstadt vor Roma aus Bulgarien schützen. 50 Personen hatten die Räume mit Gewalt in Beschlag genommen — und die Kleiderkammer ausgeräumt.

Dortmund. Es war ein Akt der Verzweiflung: Ein Sicherheitsdienst musste die Wohnungslosen-Beratung der Diakonie in der Nordstadt vor Roma aus Bulgarien schützen. 50 Personen hatten die Räume mit Gewalt in Beschlag genommen — und die Kleiderkammer ausgeräumt.

Zu einem ungewöhnlichen Schritt hat sich jüngst die Wohnungslosenberatungsstelle der Diakonie in der Rolandstraße genötigt gefühlt: Dort wurde ein privater Sicherheitsdienst engagiert, um die Räume wieder zugänglich zu machen für diejenigen, für die sie eigentlich gedacht sind. Inzwischen ist die Security aber wieder abgezogen.

Etwa im Februar, erinnert sich Regina Adams, Fachbereichsleiterin der Suchtkranken- und Wohnungslosenhilfe der Diakonie, waren „gefühlte 50“ bulgarische Roma bei der Wohnungslosenhilfe aufgetaucht. „Da waren Frauen mit Kindern dabei, aber auch Männer. Aggressive Männer“, erinnert sich Regina Adams. Statt die Gemeinschaftsräume samt Duschen im Wechsel mit den anderen Wohnungslosen zu nutzen, wurden die Räume einfach in Beschlag genommen, die Wohnungslosen wurden verdrängt.

Sozialarbeiter mit Messer bedroht

Die Türen wurden kurzerhand mit Stuhllehnen von innen blockiert, ein Mitarbeiter wurde mit einem Messer bedroht, als er versuchte zu schlichten.Binnen weniger Tage wurde die hauseigene Kleiderkammer „komplett leergeräumt“, jedoch nicht für den eigenen Bedarf: „Uns wurde zugetragen, dass die Kleidungsstücke an einem Parkplatz in der Nordstadt weiterverkauft wurden“, berichtet Regina Adams. Ein Parkplatz, an dem ein Reisebus hält, der zwischen Dortmund und Plowdiw verkehrt, der bulgarischen Stadt, aus der bisher mehrere tausend Roma nach Dortmund gereist sind.

Eine Gepräch, so Reiner Rautenberg, Pressesprecher der Diakonie, sei nicht möglich gewesen, da niemand aus der Gruppe deutsch sprach. Man habe sich die Sache einige Wochen lang angeschaut und schließlich beschlossen, zu handeln.

„Wenn eine große Gruppe von Menschen auf alle Regeln pfeift, ist eine soziale Einrichtung nicht mehr funktionsfähig“, bedauert Reiner Rautenberg. Man habe einen Sicherheitsdienst beauftragt, „der weiß, was Sicherheitsdienst in einer sozialen Einrichtung bedeutet“, betont Regina Adams, „Wir haben das gut vorbereitet.“

Sicherheitsdienst mittlerweile wieder abgezogen

Man habe Handzettel in rumänischer und bulgarischer Sprache verteilt und angekündigt, dass die Räumlichkeiten ab einem bestimmten Zeitpunkt bis auf weiteres nicht mehr nutzbar seien. Zusätzlich sei ein türkischer Sicherheitsmitarbeiter im Einsatz gewesen, der sich mit den Bulgaren verständigen konnte. Am Tag X dann standen zwei Sicherheitsleute an der Pforte, auf deren Kleidung in großen Buchstaben das Wort „Security“ prangte. Das hätten auch diejenigen verstanden, die sonst keiner mitteleuropäischen Sprache mächtig seien.

Schließlich sei der Clan verschwunden und nicht wieder aufgetaucht, ohne irgendeine Form der Beratung oder sonstiger Hilfe angenommen zu haben. Der Sicherheitsdienst wurde mittlerweile wieder abgezogen. Zurück bleibt die Frage, die Regina Adams seitdem beschäftigt: „Was können wir anderes tun, als sie nur zu vertreiben?“

 
 

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