Sexualstraftäter will nach Dortmund ziehen

Dortmund.. Ein Sexualstraftäter will nach seiner Entlassung aus der Sicherungsverwahrung in der JVA Werl zu Bekannten nach Dortmund ziehen. Das Oberlandesgericht Hamm will in zwei Monaten über den Fall entscheiden.

Nach seiner Entlassung aus der Sicherungsverwahrung will ein Sexualstraftäter offenbar zu Bekannten nach Dortmund ziehen. Das teilte die Dortmunder Polizei am Donnerstagmittag mit. Derzeit sitzt der Mann (Ende 40) noch in der JVA Werl in Haft. Er hatte angegeben, nur in Dortmund soziale Kontakte zu hegen – er selbst stammt nicht aus Dortmund. Diese „Kontakte“ hatte er offenbar in der Haftzeit geschlossen. Der Mann hat rund 20 Jahre wegen mehrerer Sexualstraftaten im Gefängnis gesessen.

Eine Entscheidung darüber, ob der Mann auf freien Fuß kommt oder nicht, erwartet die Dortmunder Polizei in rund zwei Monaten. Erst wolle das OLG Hamm ein Urteil des Bundesgerichtshofs abwarten, das sich mit einem ähnlichen Fall befasst.

Dortmunds stellvertretender Polizeipräsident Ingolf Möhring kündigte an: „Um alles für den Schutz der Bevölkerung zu tun, wird die Polizei bis an die Grenzen des rechtlich Möglichen gehen“. Im Klartext hieße das: Vollobservierung rund um die Uhr – falls sich der Mann nicht von sich aus zur Zusammenarbeit mit der Polizei bereit erklärt. Der finanzielle Aufwand wäre enorm.

Polizei setzt auf Kooperationsbereitschaft

„Wir können wirklich erst sagen, dass er nach Dortmund kommt, wenn er die Tore der JVA verlässt “, erklärte Kriminalrat Christian Vosskühler, Leiter Führungsstelle Kriminalität. Gleichwohl beschäftige man sich seit einiger Zeit mit dem Thema, um nicht überrascht zu werden. Man sei bemüht, die Sicherheit der Bevölkerung „so weit es geht zu gewährleisten“. Dabei setze man auf die Kooperationsbereitschaft des Mannes, von der auch die Maßnahmen der Polizei abhängen. In anderen Fällen observieren Beamte die als rückfallgefährdeten geltenden Täter rund um die Uhr. „Und das ist nicht mit ein oder zwei Beamten getan“, so Möhring.

Das Problem sei, dass der Mann „ein ganz normaler freier Mensch ist, wenn er die JVA verlässt“, so Vosskühler. Für die Polizei sei es eine Gratwanderung zwischen dem Schutzbedürfnis der Bevölkerung und den Individualrechten des Betroffenen. Darüber sei bundesweit ein heftiger Streit entfacht. „Die Polizei Dortmund setzt den Schutz der Bevölkerung allerdings so hoch, dass wir bis an die Grenzen des Möglichen gehen“, bekräftigte Möhring. „Dabei lassen wir uns davon auch nicht abschrecken, wenn ein Rechtsgelehrter meint, dass das nicht rechtmäßig ist.“

Dutzende Schwerverbrecher vor der Entlassung in NRW

Einem Urteil des EU-Menschenrechtshofs zufolge könnten in den kommenden Monaten in Deutschland bis zu 120 Schwerverbrecher aus der Sicherungsverwahrung freikommen. Das Urteil erzwingt eine Freilassung dann, wenn die Sicherungsverwahrung nachträglich auf unbegrenzte Zeit verlängert wurde.

Potenzielle Sexualstraftäter im Haus nebenan – das schürt Ängste in der Bevölkerung. Wie etwa in Heinsberg: Hier wird der aus der Haft entlassene Sexualstraftäter Karl D. seit mehr als einem Jahr rund um die Uhr von Polizisten bewacht. Nun steht in NRW die Entlassung von über weiteren 20 Sicherungsverwahrten an. Zwei wollen nach Duisburg ziehen.

Laut dem Essener Psychiater Prof. Norbert Leygraf indes sei die Angst vor sicherungsverwahrten Straftätern größtenteils unbegründet. Nur ein Bruchteil der entlassenen Schwerverbrecher werde wieder kriminell, sagte der Experte in einem WAZ-Interview.

Die Polizei hat für heute Mittag zu einer Pressekonferenz eingeladen. Wir berichten nach!

 
 

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