Serdar Somuncu setzt Vulgär-Humor gegen Terror-Angst

Serdar Somuncu in der Westfalenhalle 3a in Dortmund. Er will sich den Mund nicht verbieten lassen.
Serdar Somuncu in der Westfalenhalle 3a in Dortmund. Er will sich den Mund nicht verbieten lassen.
Foto: Oliver Schaper
"Ich lasse mir das nicht von irgendwelchen Mullahs verbieten", sagt Serdar Somuncu und nimmt damit seinen Zuschauern in Dortmund eine Menge Angst.

Dortmund. Der 47-jährige Deutschtürke Serdar Somuncu ist der, der jahrelang unter Polizeischutz aus Adolf Hitlers "Mein Kampf" vorgelesen hat. Am Tag nach den Pariser Terroranschlägen, sagt er, habe er überlegt, ob er seine Show absagen soll, kam aber zu dem Schluss: "So wenig wie ich mir das Theaterspiel von Nazis verbieten lasse, lasse ich es mir von irgendwelchen Mullahs verbieten!"

Also springt der 47-jährige Choleriker mit kahler werdendem Kopf und runder werdendem Bauch in der Dortmunder Westfalenhalle zwischen allen Themen, die ihn beschäftigen: Er regt sich auf über Öko-Supermärkte, über scheinheilige Willkommenskultur-Trittbrettfahrer, über nervige Straßenmusiker und spricht tatsächlich relativ viel über den Islamischen Staat (IS). Einen großen Anteil daran hätten schließlich die USA mit ihrem hausgemachten Problem in der Golfregion, aber auch der deutsche Autofahrer, der sich freut, wenn der Sprit billig ist - egal, wie dieser Preis zustande kommt.

So hat es uns gefallen:

Eigentlich gehört hinter jeden von Somuncus Sätzen aus Ausrufezeichen: Denn der Mann hat Recht! Mit fast allem. Und er hat ein ganz starkes Gefühl für die Stimmung im Raum. Viele Leute kamen zumindest mit einem mulmigen Hintergedanken - erst recht als sie sahen, dass die Einlasskontrollen an der Halle gleich Null waren. Sie kamen, um sich abzulenken und Somuncu redet bei der Show beruhigend auf sie ein.

Er vermeidet das Thema Terror nicht, schließlich hat er dazu etwas zu sagen, aber er bringt schnell genug wieder platte Vulgär-Witze, wenn das Grübeln unangenehm wird. Und das Publikum prustet dann spürbar dankbar wieder los - auch an Stellen, die der Künstler gar nicht witzig meint.

So hat es dem Publikum gefallen:

Dominik (30): Die Kontraste, dieses Schwanken zwischen sehr Ernstem und den Beleidigungen, das ist krass - aber sehr intelligent. Man darf sich bei ihm nur bloß nicht in die erste Reihe setzen.

Christian (30): Somuncu ist schon sehr radikal und unheimlich schlagfertig. Wenn man nicht zwischen den Zeilen lesen kann, versteht man ihn vielleicht nicht. Ich kenne ihn aber schon länger, in der Schule habe ich mal eine seiner Lesungen aus "Mein Kampf" gesehen."

 
 

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