Dortmund

Schwimmerin aus Dortmund jagt Rekorde – trotz schweren Schicksalsschlags

Janine Gallisch aus Dortmund kämpft als blinde Schwimmer bei Wettbewerben um Gold.
Janine Gallisch aus Dortmund kämpft als blinde Schwimmer bei Wettbewerben um Gold.
Foto: Janine Gallisch

Dortmund. Zwei Jahre ist es her, dass Janine Gallisch aus Dortmund das Schwimmen wieder aufgenommen hat. „Ich habe mit meinen Kindern, die im Verein schwimmen, an einer Familienstaffel teilgenommen und dann wieder Lust darauf bekommen“, erzählt die 37-Jährige.

Seitdem hat sie das Fieber gepackt, die Dortmunderin nimmt an verschiedenen Wettkämpfen teil, kann große Erfolge verbuchen. Aber Janine Gallisch ist keine herkömmliche Schwimmerin. Sie ist blind.

Schon seit ihrer Kindheit kann Gallisch nicht richtig sehen. „Ob ich auf dem rechten Auge jemals etwas gesehen habe, ist fragwürdig. Im Kindergarten wurde festgestellt, dass ich auf dem Auge blind bin“, so die Schwimmerin. Daraufhin musste sie sich zahlreichen Operationen unterziehen, weswegen sie ihre Leidenschaft, das Schwimmen, schließlich aufgab.

Dortmund – Schwimmerin Janine Gallisch: „Schwimmen ist mein Leben“

Doch jetzt ist sie zurück. „Schwimmen ist mein Leben“, sagt Janine Gallisch. „Ein Leben ohne Schwimmen kann ich mir momentan nicht vorstellen.“ Vier- bis siebenmal pro Woche trainiert die 37-Jährige, teilweise mit einem persönlichen Schwimmtrainer.

Ihr Stammverein ist der TV Grüne Linde Lütgendortmund, dem sie sehr dankbar ist. „Es ist nicht selbstverständlich, eine Schwimmerin mit Behinderung aufzunehmen. Ich bin die einzige im Verein, auch sonst in Dortmund ist mir zumindest niemand bekannt, der auch blind ist.“

Janine Gallisch unterbietet Rekord um 15 Sekunden

Bei Wettkämpfen startet Janine Gallisch für die SG Dortmund, ein Zusammenschluss aller Dortmunder Vereine. Seit September 2018 nimmt die Sportlerin wieder an Wettkämpfen teil.

So auch im Juni dieses Jahres, als Gallisch bei den „Internationalen Deutschen Meisterschaften“ (IDM) in Berlin antrat. Sie wurde Klassensiegerin über 50 Meter Brust und unterbot einen sieben Jahre alten Rekord über 200 Meter Brust um 15 Sekunden.

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Bei der Landesmeisterschaft des „Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen“ (BRSNW) gewann Janine Gallisch dann in fünf Disziplinen, wurde einmal Zweite und einmal Dritte.

Sie brach einen weiteren Rekord und konnte ihren eigenen über 200 Meter von den IDM einstellen. Aber das ist noch längst nicht alles: In diesem Jahr stehen weitere Wettkämpfe an.

Unter anderem kämpft sie im September bei einem Wettbewerb des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und beim „BRSNW“-Cup um Gold.

Janine Gallisch: „Sehe nur noch hell und dunkel“

Viel Zeit- und Kraftaufwand sind mit den Wettbewerben verbunden. Aber: „Ich fühle mich im Wasser einfach gut. Es ist mein Element. Ich weiß nicht, ob das mit meiner Blindheit zusammenhängt, dass ich dadurch etwas kompensieren kann. Aber Schwimmen bringt meinen Körper und Geist in Einklang“ erzählt die 37-Jährige.

Mittlerweile liegt die Sehkraft der Dortmunderin auch auf dem linken Auge nur noch bei etwa einem Prozent. Nach ihrem Abitur an der Blindenschule Marburg entzündete sich ihr Auge, sodass ihre Sehkraft von damals 30 auf zehn Prozent sank. In den letzten Jahren sei es dann immer schlechter geworden.

Im Spiegel kann sie sich nicht mehr sehen, nur noch hell von dunkel unterscheiden. Ein Trost für Janine Gallisch: „Aber immerhin konnte ich meine Kinder noch sehen, als sie geboren wurden.“

Gallisch: „Mein Ehemann unterstützt mich wirklich oft“

Neben der Schwimmerei hat auch ihre Familie einen äußerst hohen Stellenwert im Leben von Gallisch. Besonders dankbar ist die 37-Jährige ihrem Ehemann Thorsten, der „mich wirklich oft unterstützt, sei es im Training oder bei den Wettkämpfen.“

So springt er manchmal als sogenannter Tepper ein, der am Beckenende steht und der Schwimmerin signalisiert, wann sie die Wende einleiten muss. Gallisch: „Ich stehe vor Wettkämpfen immer ziemlich unter Druck, Personen zu finden, die mich unterstützen.“ Nur mit der Hilfe ihres Mannes und anderer Personen, die sie unterstützen, kann Janine Gallisch ihren Traum trotz ihrer Blindheit ausleben.

 
 

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