Schweres Gepäck für den Flughafen Dortmund angesichts finanzieller Not

Viele Segmente am Flughafen Dortmund stehen wegen finanzieller Probleme auf dem Prüfstand.
Viele Segmente am Flughafen Dortmund stehen wegen finanzieller Probleme auf dem Prüfstand.
Foto: WAZ FotoPool

Dortmund.. Gesundschrumpfen scheint das Gebot der Stunde für Dortmunds Flughafen zu sein - sicher zur Freude von Fluglärmgegnern und Umweltschützern. Weniger erfreulich dagegen für die Steuerzahler: Die Airport-Mutter DSW21 will für diesen Prozess Beihilfe-Mittel der EU kassieren.

Das alles geht aus Unterlagen hervor, die der WAZ vorliegen. In den Papieren ist sogar von einem „bestandsgefährdenden Risiko“ für die Startbahn Ruhrgebiet die Rede. Doch um an die besagte EU-Hilfe für bedrohte Unternehmen zu gelangen, müsste der Flughafen selbst ans Eingemachte gehen. Ertragsverbesserungen und Kostenreduzierungen in Höhe von bis zu 45 Prozent der Fördermittel seien als „Eigenleistung“ einzubringen.

Umstrukturierung

Zur Rede stehen dabei Maßnahmen, die nicht nur tief ins Selbstverständnis der auf Expansion gepolten Airportleitung schneiden, sondern auch spürbare Einbußen für die Arbeitnehmer des dauerdefizitären Flughafens nach sich ziehen könnten. Ein Gutachten im Auftrag der Stadtwerke schlägt gleich ein ganzes Bündel von Maßnahmen vor, die als „Ansätze einer Umstrukturierung“ deklariert werden, de facto aber einer am Flughafen nie dagewesenen Streichliste gleichkämen.

Neben dem Verkauf von Flächen und der Aufgabe des Frachtbereichs gehören auch die Fremdvergabe der Gepäckabfertigung, die Übernahme von Personal durch die Stadtwerke, die Kappung von Gehaltszulagen sowie der Abbau der Dienstwagenflotte auf der Agenda. Selbst Dienstreisen und -handys stehen zur Disposition.

Gravierender noch als dieses Sparpaket könnte jedoch der letzte Punkt auf der Liste das bisherige Geschäftsmodell der Wickeder Landebahn untergraben. Denn die ebenfalls vorgeschlagene Anhebung der Gebühren für die Fluggesellschaften dürfte Wickede im harten Wettbewerb der Billigflieger empfindlich den Wind aus den Segeln nehmen. Empfohlen wird auch, dass Airlines in Dortmund nicht weniger abgeknöpft werden darf als an den Nachbar-Flughäfen.

Preis-Dumping

Genau über Dortmunder Preis-Dumping aber hatte sich der Flughafen Paderborn vor kurzem beschwert. Doch sollte es so kommen, dürfte der in der vergangenen Woche bekannt gewordene Abzug von Air Berlin zum Winterflugplan 2012 wohl nur ein erster Vorgeschmack gewesen sein.

Noch ist von diesen Maßnahmen nichts beschlossen. Ohnehin steht in den Sternen, ob dem Airport die Rettungshilfen, in deren bisherigen Genuss beispielsweise darbende Zuckerrübenbauern aus Süddeutschland kamen, überhaupt genehmigt werden. Beantragen können die Stadtwerke die Hilfen nur über die zuständigen Verkehrsministerien von Land und Bund.

Konkurrentenklage

Nach Informationen der WAZ sind die Stadtwerke-Emissäre von dort bislang mit leeren Händen zurückgekommen. In Düsseldorf wollte man den Dortmundern einen Besprechungstermin nur unter der Bedingung einräumen, die Notwendigkeit des Antrags zunächst schriftlich zu begründen und gutachterlich untermauern zu lassen.

Dass die Stadtwerke mit ihrer Luftverkehrstochter inzwischen ihre liebe Not zu haben scheinen, legt auch ein DSW-Vorstandsbeschluss vom April dieses Jahres nahe. Darin wird die Umstrukturierungsbeihilfe - verknüpft mit dem Antrag auf Beendigung des leidigen EU-Beihilfeverfahrens - als eine Maßnahme beschlossen, um „den Fortbestand von Dortmund Airport dauerhaft zu sichern“.

Auslöser für die Nervosität in der DSW-Zentrale an der Deggingstraße dürfte unter anderem ein Urteil des Bundesgerichtshofes vom Februar sein. Darin ging es um die so genannte Konkurrentenklage.

Erstmals erlaubte das oberste deutsche Zivil- und Strafgericht damit konkurrierenden Unternehmen, gegen die kommunale Subventionierung von Mitbewerbern vor einem deutschen Zivilgericht zu klagen. Bisher war das nur auf EU-Ebene möglich.

Jederzeit könnte jetzt etwa der Flughafen Paderborn Klage erheben gegen die Übernahme der Verluste der Dortmunder Konkurrenz durch die Stadtwerke. Sollte dieser Fall eintreten, müsste Wickede umgehend entsprechende Rückstellungen in seiner Bilanz verbuchen, was nur mit Hilfe einer weiteren Subventionierung durch die Stadtwerke gelingen könnte.

 
 

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