Schwere Krankheiten sanieren das Klinikum

Das Klinikum Dortmund ist mittlerweile über den Berg, so die Botschaft gestern.  FOTO: Ralf Rottmann
Das Klinikum Dortmund ist mittlerweile über den Berg, so die Botschaft gestern. FOTO: Ralf Rottmann
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Dortmund. Der Patient ist über den Berg. Diese Botschaft wurde gestern im Jahresbericht des Klinikums Dortmund vermittelt. Zum erstenmal seit acht Jahren ist im operativen Geschäft ein Gewinn erzielt worden. Der wurde allerdings durch Zins und Tilgung mehr als aufgezehrt. Unter dem Strich blieb ein Minus in Höhe von 5,8 Millionen Euro. In diesem Jahr will das Klinikum erstmals wieder eine „schwarze Null“ erwirtschaften.

Im Jahr zuvor war noch ein Fehlbetrag von 14,4 Millionen Euro ausgewiesen worden. Entsprechend zuversichtlich gab sich gestern Klinik-Chefin Mechthild Greive. „Das Minus von 5,8 Millionen ist deutlich besser als die Planzahl“, führte Greive aus, „aber es ist immer noch ein Defizit und wir sind noch nicht am Ende der Sanierung.“ Die Unternehmensberatung Roland Berger hat noch einen Vertrag bis November dieses Jahres.

Die Leistungsausweitung mit einer überdurchschnittlichen Fallzahlsteigerung von 3,8 Prozent und die Zunahme schwerer Operationen haben dem kommunalen Krankenhaus aus der Misere geholfen.

Am Klinikum werde „Hochleistungsmedizin“ geboten, betonte die Geschäftsführerin. Neben der Herzchirurgie und der Neurochirurgie habe das Klinikum mit dem Ausbau der Pneumologie, also der Lungenklinik, aufs richtige Pferd gesetzt. Durch das industrielle Erbe wie auch das Rauchen nehmen die Lungenkrankheiten weiter stark zu.

Fast 55.000 Patienten lagen im letzten Jahr im Klinikum. 40 Prozent der Patienten kommen als Notfall ins Haus. Oliver Rong vom Berater Berger stellte klar: Die Notaufnahme muss immer offen sein!“ Das Klinikum könne es sich nicht erlauben, potenzielle Patienten abzuweisen.

Der Stellenabbau am Klinikum setzte sich im letzten Jahr fort. Statt der angepeilten 50 Stellen wurden sogar 70 abgebaut. Die Ärzteschaft hat dies nicht betroffen: Es wurden 20 neue Mediziner eingestellt. Es sei für das Haus mittlerweile nicht mehr schwer, auf dem leergefegten Markt der Mediziner gutes Personal zu finden, „weil wir am besten bezahlen“, wie Greive erklärte. Überstunden könnten am Klinikum dokumentiert und in Geld oder Freizeit ausgeglichen werden. In der Pflegesparte wurden weiter Stellen gestrichen. Unterbesetzungen sollen durch einen 30-köpfigen Springer-Pool aufgefangen werden, erläuterte Pflegedirektorin Sabine Zettel. Insgesamt sind 3890 Personen am Klinikum beschäftigt - verteilt auf 2731 Vollzeitstellen.

Die Hoffnung, bereits in diesem Jahr einen kleinen Gewinn auszuweisen, hat durch den dreiwöchigen Ärztestreik einen Dämpfer erhalten. „Der Streik hat uns 2,5 Millionen Euro gekostet“, so Greive. Der Tarifabschluss schlage außerdem mit 3 Millionen Euro zu Buche. Das belaste den erfolgreichen Start im ersten Quartal.

Zu einer spürbaren Größe werden inzwischen die säumigen Selbstzahler, bzw. Nichtzahler. Im letzten Jahr blieb das Klinikum auf Rechnungen in Höhe von 2,7 Millionen Euro sitzen. Es wird weiter investiert: Die westfälische Kinderklinik, eine Geriatrie, die Sanierung von vier Alt-Stationen und der Neubau von Stationen steht auf der Liste.

 
 

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