Schwarzhändler sorgten für Tumulte vor BVB-Shops

Am Megastore des BVB in Hörde kam es zu Tumulten.
Am Megastore des BVB in Hörde kam es zu Tumulten.
Foto: Dieter Menne
36 Stunden lang standen viele Fans in den Schlangen, um Tickets für das Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und Real Madrid zu bekommen. In die Schlangen eingereiht hatten sich offenbar auch Schwarzhändler und deren Strohmänner.

Dortmund.. Wer nach 36 Stunden Wartezeit, inklusive zweier durchwachter Nächte, endlich die begehrten Tickets für das Halbfinale der Champions League in den Händen hält, kann sicher sein, dass er den Normalpreis für seine Eintrittskarte bezahlt hat. Doch nicht alle Fans haben die nötige Zeit, sich tagelang in eine Warteschlange zu stellen. Darauf spekulieren Schwarzhändler, die das große Geschäft wittern.

Auch unter die wartenden Fans mischten sich am Dienstag Mittelsmänner von Schwarzhändlern. Das berichten Zeugen, die vor dem Fan-Shop am Alten Markt campiert hatten. Sie hatten beim Warten mit einem Jugendlichen gesprochen, der im Laufe des Gesprächs erzählte, dass er für das Warten bezahlt werde: 80 Euro. In der Nähe hätten die Fans beobachtet, wie ein Mann eine ganze Schar von Jugendlichen mit Geld ausgestattet und in die Warteschlange geschickt hätte. "so, wie ich das mitbekommen habe, haben die Jungs richtig Respekt vor dem. Keiner wäre auf die Idee gekommen, mit dem Geld abzuhauen", so der Augenzeuge. Ein Weiterer erzählt, der mutmaßliche Schwarzhändler habe auch "ständig mit Leuten an den anderen Verkaufsstellen telefoniert".

Unruhe in der Warteschlangen

Durch die mutmaßlichen Strohmänner sei Unruhe in die Warteschlange gekommen: "Die Schlange hat sich diszipliniert an die Regeln gehalten. Ab sechs Uhr kamen die wie eine Völkerwanderung, von links und rechts", erinnert sich einer der Zeuge und sein Kollege konstatiert: "Das Campen hat kein bisschen was gebracht. Man hätte auch heute Morgen kommen können und drängeln."

Auch die Polizei berichtet von mutmaßlichen Schwarzhändlern in den Warteschlangen. So sei es vor dem BVB-Megastore in der Felicitasstraße und auch am Fan-Shop am Stadion unruhig geworden. "Vordrängler peitschten die Stimmung gezielt auf. Nach Zeugenaussagen mutmaßlich auch organisierte Schwarzmarkthändler", heißt es im Polizeibericht. Die Schilderung der Polizei ähnelt der Beschreibungen von einem Vorfall an der BVB-Geschäftsstelle. Dort, so Fans, habe am frühen Morgen eine Gruppe versucht, in den vorderen Bereich der Warteschlange zu gelangen.

Studenten sollten sich in die Schlange stellen

Wie Schwarzhändler agieren, wurde am Montag offenbar, als ein Ticketagent eine Mail an die Fachschaften der Technischen Universität Dortmund schickte, um Studenten anzuwerben, die sich für ihn in die Warteschlangen einreihen sollten. 150 Euro für je zwei Tickets bot er ihnen als Prämie. Ein Reiseunternehmen habe ihn beauftragt, Karten zu besorgen.

Auch im Online-Auktionshaus ebay blüht der Handel mit BVB-Tickets. Die Preise für ein Einzelticket beginnen bei rund 340 Euro, nach oben kein Ende. Am Mittag endete eine Auktion bei rund 1200 Euro für zwei Tickets.

Nach den vereinzelten Tumulten in den Warteschlangen hatte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Dienstagmittag reagiert: "Diesen unfassbaren Ansturm haben wir unterschätzt, das müssen wir uns auf die Fahne schreiben", sagte Watzke: "Wir werden unsere Lehren daraus ziehen und einen freien Vorverkauf wie diesen künftig nicht mehr anbieten." Auf diese Weise ließe sich auch der Schwarzhandel effektiver bekämpfen, so Watzke.

 
 

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