Schwänzen vor den Sommerferien kann in NRW teuer werden

Schüler, die vor dem offiziellen Start die Sommerferien antreten, drohen in NRW teilweise kräftige Bußgelder. Im Bereich der Bezirksregierung Düsseldorf werden pro Elternteil 80 Euro Bußgeld verlangt. Im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg sogar 150 Euro pro Tag.

Dortmund. Klar: Zwei Tage vor Ferienbeginn in den Urlaub zu fliegen ist billiger – aber kann ganz schön teuer werden. Denn Eltern, die die Sommerferien ihrer Kinder eigenständig verlängern, droht Strafe. Für Eltern, die nicht abwarten wollen und meinen, mit ihrem Schulkind schon vor den Ferien in den Urlaub düsen zu müssen, kann das ein teurer Spaß werden. Erwischten Eltern winken im Bereich der Bezirksregierung Arnsberg empfindliche Bußgelder von 300 Euro pro versäumtem Tag. „Bei Wiederholungstätern kann es noch teurer werden“, betont der Dortmunder Schulamtsdirektor Bernhard Nolte.

Schulschwänzen direkt vor oder nach den Ferien ist weder Kavaliersdelikt noch Kinderspiel. Das Schulgesetz versteht in diesem Punkt keinen Spaß. Nur Entschuldigungen wie nachgewiesene Krankheit oder Besuch einer Beerdigung zählen – bei Familien-Urlauben lässt das Gesetz keinen Spielraum. Pro Elternteil werden pro Fehltag 150 Euro Bußgeld fällig. Macht bei drei Tagen Blaumachen unterm Strich 900 Euro. Da ist die mögliche Ersparnis eines früheren Fluges in den Urlaub schnell wieder futsch.

Allerdings variieren die angedrohten Bußen je nach Region in NRW. Die Bezirksregierung Düsseldorf langt deutlich weniger zu: Dort werden pro Elternteil im Höchstfall 80 Euro pro Fehltag fällig, teilt ein Sprecher mit. Das bezieht sich auch nur auf Eltern, deren schulpflichtige Kinder unter14 Jahre alt sind. 14-Jährige und ältere Schüler werden von den Schulbehörden im Fall des Fehlens vor den Ferien direkt zur Kasse gebeten. Die Bußen sind verschieden: Schüler zahlen 10 Euro, Berufsschüler ohne Ausbildung 15, Berufsschüler mit Ausbildung 20 Euro je Tag.

Schulpflicht sticht billiges Flugticket

Eindruck machen die zum Teil hohen Bußen nicht immer. Noch immer gebe es „unverschämte Eltern, die den Schulleitern einfach ihr Ticket auf den Tisch legen“ und sagten, sie hätten doch keine andere Wahl... Von wegen. Sie haben wirklich keine Wahl, sondern die Pflicht. Die Schulpflicht. Wenn der Platz des Kindes in der Klasse freibleibt und den Eltern ein Verstoß nachgewiesen werden kann – bisweilen erwischt sogar die Bundespolizei Eltern auf dem Flughafen - kommt das Rechtsamt der Stadt ins Spiel.

Die Stadt Dortmund, nur zuständig für Grundschulen, Haupt- und Förderschulen, beauftragt das Rechtsamt pro Jahr mit bis zu 120 Bußgeldverfahren wegen Schulschwänzens, so Bernhard Nolte. Das Geld fließe, vergleichbar mit Knöllchen fürs Falschparken, in die Stadtkasse.

191 Bußgeldverfahren im Zusammenhang mit den Ferien

Für die Gymnasien, Gesamt- und Realschulen ist die Bezirksregierung in Arnsberg zuständig. Hier kann man zwar nicht trennscharf sagen, wie viele Verfahren in Dortmund laufen, dafür weiß man aber von 1487 abgeschlossenen Bußgeld-Verfahren im Regierungsbezirk allein im letzten Jahr – davon 191 im direkten Zusammenhang mit den Schulferien. In der Bezirksregierung Düsseldorf waren es im vergangenen Jahr insgesamt 1156 Fälle, davon 232 im Zusammenhang mit den Schulferien.

Und Sprecher Christoph Söbbeler ahnt: Es gibt eine hohe Dunkelziffer beim Thema Schulferien-Verlängerung, weil manche Schulen ihre Fälle trotz klarer Gesetzeslage nicht an Arnsberg weitermelden. Wenn man die Eltern nicht mit Bußgeldern ahnde, verpasse man die Chance, bei den Betroffenen „einen Fuß in die Tür zu kriegen“ – und ihnen auf die Füße zu treten. (mit dae/WE)

 
 

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